Stiko empfiehlt zweiten Corona-Booster ab 60

Bislang hat die Stiko mit der Ausweitung ihrer Empfehlung für den zweiten Corona-Booster gezögert - das hat sich jetzt geändert. Derweil prüft die EU-Arzneimittelbehörde einen neuen Corona-Impfstoff: Skycovion.
Künftig empfiehlt die Stiko auch Menschen ab 60 einen zweiten Booster gegen das Coronavirus. © Daniel Karmann/dpa

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine zweite Corona-Auffrisch-Impfung nun offiziell auch für Menschen ab 60 Jahren. Menschen in dieser Altersgruppe und im Alter ab fünf Jahren mit einem erhöhten Risiko für schwere Covid-19-Verläufe infolge einer Grunderkrankung sollten einen weiteren Booster erhalten, hieß es in einer Mitteilung des Gremiums.

Die Stiko erweitere ihre bisherige Empfehlung «mit dem primären Ziel, besonders gefährdete Personen noch besser vor schweren Covid-19-Erkrankungen und Covid-19-bedingten Todesfällen zu schützen».

Angeraten sei der weitere Booster, vorzugsweise mit einem mRNA-Impfstoff, nach «drei immunologischen Ereignissen» - etwa nach Grundimmunisierung und erster Auffrisch-Impfung oder Grundimmunisierung und Sars-CoV-2-Infektion. Bedingung für die zweite Auffrisch-Impfung ab 60 sei im Regelfall, dass die erste Booster-Impfung oder die letzte Corona-Infektion mindestens sechs Monate her sei. Nur in begründeten Einzelfällen könne der Abstand auf vier Monate reduziert werden, so die Stiko.

Bislang hatte die Stiko den zweiten Booster bereits schon folgenden Gruppen empfohlen: Menschen über 70 Jahren, Menschen in Pflegeeinrichtungen, Menschen mit Immunschwäche und Menschen mit erhöhtem Risiko für schwere Covid-19-Verläufe ab fünf Jahren sowie Beschäftigten in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen.

Nun betonte das Gremium, durch eine zweite Auffrisch-Impfung in der erweiterten Gruppe werde für diese Menschen «weiterhin ein sehr hoher Schutz gegen schwere Covid-19-Verläufe erzielt». Die genannten Risikogruppen sollten also nicht auf einen an die Omikron-Variante angepassten Impfstoff warten und eine Impfung verschieben, hieß es.

Lauterbach begrüßt Stiko-Empfehlung

Am Montag hatte die «Bild»-Zeitung bereits berichtet, dass eine Ausweitung der Empfehlung für den zweiten Booster für Menschen ab 60 kommen soll. Jetzt folgte die Stiko offiziell vorherigen Aufrufen der EU-Behörden ECDC und EMA, die Mitgliedsstaaten sollten zweite Booster schon ab 60 Jahren anbieten. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte einen zweiten Booster für breitere Bevölkerungsgruppen schon wiederholt ins Gespräch gebracht.

Dem Nachrichtenportal «t-online» sagte Lauterbach nun, er sei froh, dass die Stiko diesen wichtigen und aus seiner Sicht fälligen Schritt gegangen sei. «Ich rate den Bürgerinnen und Bürgern über 60 unbedingt, dem Rat der Stiko zu folgen und nicht auf die neuen Impfstoffe zu warten.» Immer noch seien die Fall- und Sterbezahlen zu hoch. Die in Deutschland verfügbaren Impfstoffe schützten aber zuverlässig vor Tod und schwerem Verlauf.

In der neuen Empfehlung heißt es zudem explizit, gesunden Menschen unter 60 Jahren werde vorerst nicht noch ein Booster angeraten. «Diese Personengruppe würde nach derzeitigem Kenntnisstand von einer weiteren Impfstoffdosis nicht nennenswert profitieren.» Eine Ausnahme bilde das Personal in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen, für die der zweite Booster schon empfohlen ist.

Menschen mit bereits vier «immunologischen Ereignissen» in einem gewissen Abstand werde auch keine weitere Auffrisch-Impfung mehr empfohlen. Bei besonders Gefährdeten wie Hochbetagten könne aber individuell entschieden werden, ob eine weitere Impfstoffdosis wegen einer nachlassenden Leistungsfähigkeit des Immunsystems sinnvoll sein könne.

Stiko auch für Eisnatz von Novavax

In der aktualisierten Stiko-Empfehlung spricht sich das Gremium auch für den Einsatz des Proteinimpfstoffs von Novavax zur Grundimmunisierung für Jugendliche ab 12 aus - bislang war er erst ab 18 empfohlen.

Zudem empfiehlt die Stiko besonders vulnerablen Gruppen ab 12 Jahren zusätzlich zur Impfung nun das Antikörper-Präparat Evusheld als Präventionsmaßnahme. Dazu zählen unter anderem Menschen mit Immunschwäche, «bei denen das Ausbleiben einer schützenden Immunantwort auch nach mehreren Impfstoffdosen zu erwarten ist». Die Empfehlung gilt für Menschen, bei denen aus bestimmten Gründen keine Impfungen gegen Covid-19 erfolgen können und die zugleich Risikofaktoren für einen schweren Krankheitsverlauf haben. Evusheld besteht aus zwei Sars-CoV-2-neutralisierenden Antikörpern und kann in Den Muskel gespritzt werden.

WHO-Impfrat nun für zweiten Corona-Booster in höherem Alter

Unterdessen hat der unabhängige Impfrat der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstmals die Verabreichung einer zweiten Corona-Auffrisch-Impfung für ältere Menschen empfohlen. Der Vorsitzende des Rates (Sage), Alejandro Cravioto, betonte am Donnerstag in Genf, dass dies keine Empfehlung für eine regelmäßige Auffrischung alle vier bis sechs Monate bedeute.

Der Impfrat ließ in seiner Empfehlung die genaue Altersgruppe offen. Jedes Land müsse selbst entscheiden, ab welchem Alter es zweite Auffrisch-Impfungen anbieten wolle. Sie sollten im Idealfall vier bis sechs Monate nach der ersten Auffrisch-Impfung verabreicht werden. Zusätzlich empfiehlt der Impfrat zweite Auffrischungen für Gesundheitspersonal jeden Alters sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder anderen Krankheiten, die das Risiko einer schweren Erkrankung nach einer Corona-Infektion erhöhen.

EU-Arzneimittelbehörde prüft neuen Corona-Impfstoff Skycovion

Das südkoreanischen Unternehmen SK Bioscience hat einen neuen Corona-Impfstoff entwickelt. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hat das Prüfverfahren bereits gestartet. Das Vakzin trägt den Namen Skycovion. Ein Zulassungsantrag sei gestellt worden, teilte die EMA in Amsterdam mit. Das Unternehmen habe Daten zur Wirksamkeit gegen das Coronavirus sowie zu Sicherheit und Qualität vorgelegt.

Die Experten der EMA prüfen nun die Daten und werden dann über eine Empfehlung für die bedingte Marktzulassung entscheiden. Nach einer positiven Empfehlung der EMA muss die EU-Kommission noch zustimmen - das aber gilt als Formsache.

Der Impfstoff enthält nach Angaben der EMA kleinste Teilchen des Spike-Proteins des Virus. Nach der Impfung soll der Körper diese Proteine als Fremdkörper erkennen und Antikörper und T-Zellen bilden. Bei einer Infektion mit dem Coronavirus soll das Immunsystem die Spike-Proteine wiedererkennen und das Virus bekämpfen. Unklar ist, inwieweit dieser Impfstoff auch vor der Omikron-Variante des Coronavirus schützt.

Zurzeit sind in der EU sechs Impfstoffe gegen das Coronavirus zugelassen. Zwei dieser Präparate wurden zudem an Varianten des Virus angepasst. Die EMA-Experten prüfen aber noch die Daten dieser angepassten Präparate. Wann die Entscheidung vorliegt, ist noch unklar.

© dpa
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