Streitbare Kämpferin: «Graue Pantherin» Trude Unruh ist tot

02.08.2022 Ein Urgestein der Seniorenbewegung ist tot. Über Jahrzehnte trat Trude Unruh für die Rechte der Alten ein - nicht leise und zurückhaltend, sondern laut und deftig.

Trude Unruh ist tot. Sie starb bereits am 30. November vergangenen Jahres. © Roland Weihrauch/dpa

Die Mitbegründerin des Seniorenschutzbundes und der Partei Graue Panther, Trude Unruh, ist tot. Wie die Stadt Wuppertal auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf bestätigte, war Unruh bereits am 30. November vergangenen Jahres im Alter von 96 Jahren gestorben.

Der Tod der ebenso streitbaren wie streitlustigen Politikerin, die sich schon vor vielen Jahren aus Gesundheitsgründen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, wurde allerdings erst jetzt öffentlich. Über die Todesursache ist nichts bekannt.

Kämpferin für die Rechte der Alten und Jungen

Der Bundesverband Graue Panther würdigte die 1925 als Gertrud Kremer geborene Aktivistin auf seiner Homepage als «unermüdliche Kämpferin für die Rechte der Alten und Jungen». Vieles habe die Mitbegründerin der Grauen Panther seit 1975 erreicht. «Unzählige Grundsteine ihres Wirkens sind für die Menschen wichtig und richtig geworden.» Der Verband werde sein «streitbares Vorbild vermissen» und verspreche, weiterzumachen.

Ihr Name war bei Trude Unruh Programm. «So lange ich lebe, kämpfe ich weiter», hatte die Westfälin, für die Ruhestand ein Fremdwort war, schon vor vielen Jahren in einem dpa-Interview gesagt. Zuletzt war Unruh krank.

Von 1987 bis 1990 war sie Mitglied des Bundestags. Über die Landesliste der nordrhein-westfälischen Grünen war sie gewählt, später aber wegen Gründung der Partei Die Grauen aus der Fraktion ausgeschlossen worden. Von 1968 bis 1973 war Unruh SPD-Mitglied, später wechselte sie zur FDP und weiteren politischen Gruppierungen.

Geboren wurde sie am 7. März 1925 als uneheliche Tochter einer Hausdame in Essen und wuchs bei den Großeltern auf. Ihre Kindheit verbrachte sie in einer Krupp'schen Arbeitersiedlung. Ihr Großvater war Stahlarbeiter. 1940 fing sie selbst in einem Büro bei Krupp an und arbeitete sich dank Weiterbildung zur Chefsekretärin hoch. 1968 übersiedelte sie mit ihrem Mann Helmut und ihren zwei Söhnen nach Wuppertal. In beinahe 50 Jahre überdauernder Ehe unterstütze ihr Mann sie tatkräftig bis zu seinem Tod 1993.

Auf der Suche nach einer politischen Heimat

Schon als Sozialdemokratin machte Unruh als kämpferische Sozialpolitikerin auf sich aufmerksam. Nach nur fünf Jahren kehrte die ruhelose Kämpferin der SPD aber schon wieder den Rücken, suchte zunächst eine politische Heimat bei der FDP und anschließend bei der Grünen Aktion Zukunft, der Rentnerpartei und schließlich der Bürgerpartei. 1975 gründete die damals 50-Jährige in Wuppertal die Grauen Panther, 1989 die Partei Die Grauen.

Die resolute Überzeugungstäterin polarisierte Anhänger und Gegner auch in ihren eigenen Reihen. Sie gründete die Partei, nachdem Mitglieder der Grauen Panther ihr vorgeworfen hatten, den Seniorenschutzbund zu politisieren. «Es ist schrecklich, unpolitische Menschen in nächster Nähe um sich zu haben», befand Unruh damals. «Machst du morgens die Flamme an, ist das Energiepolitik. So muss man das sehen.»

Im Sommer 1998 hatte der in Wuppertal ansässige Verein wegen eines Schuldenberges in Höhe von rund 20 Millionen Mark den Offenbarungseid leisten müssen. Mit neuer Rechtsstruktur reorganisierten sich die Grauen Panther später aber wieder. Damit besteht das Lebenswerk von Trude Unruh fort.

© dpa

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