Games Music Hörbücher Gymondo MyTone Alle Services
vodafone.de

Lauterbach will den Rettungsdienst reformieren

Rettungsdienste sind oft überlastet - eine Klinik ist für Notfallpatienten auch nicht immer die beste Anlaufstelle. Nun liegen Vorschläge für eine Generalüberholung der Rettungsdienste auf dem Tisch.
Karl Lauterbach
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will die Rettungsdienste mit Reformen stärken. © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Rettungsdienst am Limit: Mit durchgreifenden Änderungen will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die Rettungsdienste in Deutschland stärken. Patientinnen und Patienten sollen seltener in die Notaufnahme kommen, aber unterm Strich trotzdem besser versorgt werden.

Dazu stellte Lauterbach heute in Berlin Reformvorschläge einer Regierungskommission vor, die bereits zentrale Punkte der geplanten Klinikreform empfohlen hatte. «Auch die Rettungsdienste brauchen eine Rettung», sagte Lauterbach. «Die Notfallversorgung darf nicht weiter selbst ein Reformnotfall bleiben.»

Die Vorschläge würden nun in Eckpunkte der Regierung einfließen, kündigte Lauterbach an. Parallel dazu werde die eigentliche Klinikreform vorangetrieben, die durch eine andere Klinikfinanzierung Schließungen der unter Finanzdruck stehenden Kliniken möglichst abwehren solle.

Probleme mit der 112

Bereits vor Monaten warnten Vertreter der Rettungsdienste, diese stünden vor einem Kollaps. Die Arbeitsbelastung ist demnach hoch, die Abwanderung von Personal auch. Viele im Rettungswagen transportierte Patientinnen und Patienten gehörten eigentlich nicht in die Notaufnahme, sondern etwa zum Hausarzt.

Viele wählten die 112 «aus Hilflosigkeit», sagte der Ärztlichen Leiter der Notaufnahme am Charité Campus Benjamin Franklin, Rajan Somasundaram. Sie wüssten nicht, wen sie sonst erreichen könnten. Die Ausgaben der Krankenkassen für den Rettungsdienst sind dabei 2022 auf eine Rekordsumme von 8,4 Milliarden Euro gestiegen.

Direkte Fahrt in die Klinik

Dazu kommt ein «Fehlanreizsystem», wie die Regierungskommission feststellt. Weil das Gesetz nur Anspruch auf Fahrtkosten vorsieht, geht es in aller Regel direkt in die Klinik - «auch dann, wenn eine Vor-Ort-Behandlung möglicherweise ausreichend gewesen wäre». Auch der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte: «Oft wäre es medizinisch stattdessen sinnvoller, Notfallpatienten durch spezialisiertes Rettungsdienstpersonal oder per Telemedizin ohne einen Transport ins Krankenhaus zu beraten und zu behandeln.»

Lauterbach sagte, es solle statt Krankentransporten in die Notaufnahme mehr «Vor-Ort-Versorgung» geben. «Das kann eine pflegerische Versorgung sein, es kann eine psychiatrische Versorgung sein, es kann sogar eine palliative Versorgung sein.»

Flickenteppich Rettungsdienst

Geregelt ist der Bereich durch 16 unterschiedliche Landesgesetze, Träger sind in aller Regel Landkreise und Städte. So gibt es 300 eigenständige Rettungsdienstbereiche und über 200 Notfallleitstellen in Deutschland.

«Es gibt eine unübersichtliche Gleichzeitigkeit von Unter-, Über- und Fehlversorgung, dass kostet inzwischen nicht nur über acht Milliarden Euro im Jahr, sondern schlimmstenfalls sogar Menschenleben», sagte der Grünen-Experte Dahmen der Deutschen Presse-Agentur. Organisation und Struktur des Rettungsdienstes gleiche einem Flickenteppich.

Einheitliche Standards und Strukturen

Die Kommission schlägt nun Änderungen bei Gesetzen und Strukturen vor. So soll etwa die Notfallversorgung vor Ort als Teil eines neuen eigenständigen Leistungsanspruchs im Sozialgesetzbuch festgeschrieben werden.

Es soll einheitliche Vorgaben und Standards etwa für eine Mindestausstattung mit Personal und Qualifikation geben. Denn bestehende Qualitätsdefizite seien «nicht akzeptabel», wie Lauterbach sagte. Auch die Vergütung soll einheitlicher werden und sich in einen Teil zum Vorhalten und einen für die Leistungen aufteilen. Eine Konzentration soll es bei den Leitstellen geben, so dass auf rund eine Million Einwohner künftig eine Leitstelle kommen soll.

Steuerung der Patienten

Bereits im Februar hatten die Regierungsberater neue integrierte Leitstellen vorgeschlagen: Hilfesuchende, die sich im Notfall an den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 oder an den kassenärztlichen Notdienst unter der 116117 wenden, sollen dort eine Einschätzung bekommen.

Dort soll entschieden werden, ob ein Rettungswagen gerufen wird oder die Hilfesuchenden etwa zu einer Praxis oder in eine Klinik vermittelt werden. Lauterbach sagt, die Reformen bei Not- und Rettungsdiensten solle bewirken, dass Patienten, die ins Krankenhaus müssten, auch in das richtige Krankenhaus gebracht würden.

Mehr Befugnisse für Notfallsanitäter

Notfallsanitäterinnen und -sanitätern sollen den Vorschlägen zufolge künftig stärker qualifiziert werden und dann mehr tun dürfen. So sollen sie künftig auch Betäubungsmittel und andere Medikamente geben oder weitere kleinere Behandlungen vor Ort vornehmen dürfen. Notärzte sollen dann dagegen vor allem noch in besonders komplexen Fällen und überwiegend per Rettungshubschrauber oder telemedizinisch eingesetzt werden.

Luftrettung und Erste Hilfe

Um die Versorgung im Notfall auf dem Land zu erhalten, empfiehlt die Regierungskommission dort einen Ausbau für Landemöglichkeiten für die Luftrettung. Gestärkt werden soll die Erste Hilfe: So soll laut den Experten in den Schulen und am Arbeitsplatz verpflichtende Ausbildung zur Ersten Hilfe eingeführt werden.

Flächendeckend sollen auch Ersthelfer-Apps zum Einsatz kommen: Sind freiwillige Ersthelfer nahe einem Einsatzort, werden sie per App von den Rettungsstellen um Mithilfe gebeten. Flächendeckend sollen zudem öffentlich zugängliche Defibrillatoren zur Wiederbelebung nach Herzstillstand aufgestellt werden.

© dpa ⁄ Basil Wegener, dpa
Das könnte Dich auch interessieren
Empfehlungen der Redaktion
Leipziger Buchmesse
Kultur
Graphic Novel für Preis der Leipziger Buchmesse nominiert
Martin Suter
Kultur
Erster Schaltjahres-Geburtstag als Witwer für Martin Suter
«Spaceman»
Tv & kino
Abgekapselt: Das Weltraum-Drama «Spaceman» auf Netflix
OnePlus Watch 2: Wasserdichtes Akkuwunder fürs Handgelenk
Handy ratgeber & tests
OnePlus Watch 2: Wasserdichtes Akkuwunder fürs Handgelenk
Handyverbots-Schild
Internet news & surftipps
Handyverbot an Schulen: Sinnvoll oder kontraproduktiv?
Galaxy A35 5G: So soll es aussehen – und diese Specs bieten
Handy ratgeber & tests
Galaxy A35 5G: So soll es aussehen – und diese Specs bieten
Horst Hrubesch
Fußball news
EM-Quali und Kader-Frage: Hrubesch vor Olympia gefordert
Eisentabletten Saft Wasser Vitamin C
Gesundheit
Eisentabletten lieber mit Saft als mit Wasser schlucken