Russische Komiker bekennen sich zu Fake-Videoschalten

Wer hat Berlins Regierende Bürgermeisterin Giffey mit einer Videoschalte hereingelegt? Jetzt haben sich russische Komiker zu Wort gemeldet, die als kremltreu gelten. Sie haben auch schon andere in die Irre geführt.
Ein von der Senatskanzlei in Berlin zur Verfügung gestelltes Foto zeigt das Fake-Videotelefonat zwischen einem vorgeblichen Vitali Klitschko mit Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey. © -/Senatskanzlei Berlin/dpa

Fünf Tage nach dem Fake-Videotelefonat eines vermeintlichen Vitali Klitschko mit Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey gibt es eine neue Wendung in dem Fall.

Ein russisches Komiker-Duo behauptet nach einem Bericht des ARD-Magazins «Kontraste», hinter der Aktion zu stecken und Giffey sowie einige ihrer Amtskollegen aus anderen europäischen Hauptstädten hereingelegt zu haben. «Ich will nicht verraten, wie wir es angestellt haben, aber es war leicht», sagte Alexej Stoljarow vom Duo «Vovan und Lexus» nach ARD-Angaben in einem Telefonat mit der «Kontraste»-Redaktion. Die Behauptung des Künstlers lässt sich nicht unabhängig überprüfen.

Am vergangenen Freitag hatte Giffey per Video mit einer Person gesprochen, die zwar wie der Kiewer Bürgermeister Klitschko aussah, aber nicht Klitschko war. Nach einiger Zeit waren ihr wegen diverser Fragen ihres Gegenübers Zweifel gekommen, ob sie mit dem echten Klitschko verbunden war. Das Gespräch endete dann vorzeitig. Inzwischen wurde bekannt, dass auch die Bürgermeister von Wien, Madrid, Budapest und Warschau auf ähnliche Weise hereingelegt wurden.

Nach Informationen des «Spiegel» galten die Komiker für deutsche Sicherheitsbehörden schnell als mögliche Kandidaten für die Fake-Anrufe. In einer Mail hätten sie ihre Urheberschaft nun angedeutet, berichtete der «Spiegel». Details zur Frage, wie das Komiker-Duo den falschen Klitschko erschaffen haben will, nannte Stoljarow laut «Kontraste» nicht. Ein politisches Motiv bestritt er. Man arbeite auch nicht im Auftrag russischer Geheimdienste.

Giffey plant Telefonat mit echtem Klitschko

Giffey geht gleichwohl davon aus, dass die Verantwortlichen des Fake-Anrufs politische Ziele verfolgen. «Ungeachtet dessen, wer sich zur Manipulation bekennt, wie diese genau durchgeführt wurde und welche Motivation dahintersteht: Es bleibt ein Identitätsdiebstahl. Diese Aktionen decken sich mit den Narrativen und den Zielen des Kremls», twitterte die SPD-Politikerin. «Sie wollen die Partnerinnen und Partner der Ukraine vorführen und das Vertrauen in die Ukraine und auch in uns schwächen. Das werden sie nicht schaffen.» Giffey hat bereits angekündigt, in den kommenden Tagen mit dem echten Vitali Klitschko zu telefonieren.

Stoljarow und sein Kollege Wladimir Kusnezow sind in Russland bereits seit Jahren bekannt dafür, teils hochrangige Politiker und andere internationale Promis mit Fake-Anrufen hereinzulegen. Dass die beiden hinter dem Gespräch mit Giffey stecken könnten, hatten russische Medien deshalb zuletzt bereits vermutet.

In den vergangenen Wochen hatten die beiden als kremltreu geltenden Komiker auf diese Weise etwa den früheren US-Präsidenten George W. Bush in die Irre geführt sowie die Bestseller-Autorin Joanne K. Rowling. In beiden Fällen gaben sie sich als der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj aus.

Aufzeichnungen der Gespräche veröffentlichen sie mit einiger zeitlicher Verzögerung in der Regel in russischen sozialen Netzwerken. Stoljarow kündigte nach «Kontraste»-Angaben an, ab Donnerstag Videoaufzeichnungen aus allen Gesprächen mit den Bürgermeistern auf einem russischen Portal zu veröffentlichen. Von der internationalen Video-Plattform Youtube wurden die Komiker eigenen Angaben zufolge bereits verbannt. Auch Russlands Staatsfernsehen zeigt immer wieder ausführlich, wenn Stoljarow und Kusnezow mal wieder einen westlichen Politiker vorgeführt haben.

Wohl kein Deep Fake

Im Falle der jüngsten Fake-Anrufe bei Giffey & Co. sind noch viele Fragen offen - nicht zuletzt die, um welche technische Art der Manipulation es sich handelte. In Berlin ermittelt der Staatsschutz des Landeskriminalamts dazu. Die Berliner Senatskanzlei hatte zunächst mitgeteilt, allem Anschein nach habe es sich um ein Deep Fake gehandelt. Dabei geht es um einen Medieninhalt, der mit Techniken künstlicher Intelligenz (KI) manipuliert wurde.

Mittlerweile wird nicht ausgeschlossen, dass auch eine andere Manipulationstechnik ohne KI zum Einsatz gekommen sein könnte, bei der Schnipsel bestehender Videos neu zusammengesetzt werden. So etwas wird als Shallow Fakes oder Cheap Fakes bezeichnet.

Stoljarow sagte laut «Kontraste» dazu: «Ich kann nur sagen, dass es kein Deep Fake war.» Ob die technische Frage zweifelsfrei aufgeklärt werden kann, ist offen. Von Giffeys Fake-Videoanruf liegt laut Senatskanzlei kein offizieller Mitschnitt vor, weil das bei vertraulichen Gesprächen nicht üblich sei.

© dpa
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