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Kindertransport-Überlebender: Schwere Lage für Deutschland

Etwa 10.000 meist jüdische Kinder wurde am Vorabend des Zweiten Weltkriegs aus Deutschland und besetzten Nachbarländern evakuiert. Heute jährt sich der erste Kindertransport zum 85. Mal.
Alfred Dubs
«Deutschland ist in Schwierigkeiten, weil es nicht das Positive, das es erreicht hat, zunichte machen will», sagt Alfred Dubs. © Christoph Meyer/dpa

Einer der prominentesten mit einem sogenannten Kindertransport vor dem Holocaust bewahrten Überlebenden, Alfred (Alf) Dubs, sieht Deutschland durch den Gaza-Krieg in einer schwierigen Lage.

Deutschland könne wegen seiner Geschichte in der aktuellen Situation keine diplomatische Führungsrolle übernehmen, sagte Lord Dubs, der für die Labour-Partei im britischen Oberhaus sitzt, der Deutschen Presse-Agentur zum 85. Jahrestag des ersten Kindertransports am 2. Dezember.

Aufarbeitung des Holocausts in Deutschland

Mit den Kindertransporten wurden etwa 10.000 meist jüdische Kinder aus Deutschland, Österreich, Polen und der Tschechoslowakei am Vorabend des Zweiten Weltkriegs nach Großbritannien evakuiert und meist bei Pflegefamilien untergebracht. Viele davon sahen ihre Eltern nie wieder. Die Rettungsaktion wurde ins Leben gerufen nach den gewalttätigen Übergriffen auf Juden während der Pogrome im November 1938 in Deutschland. Sie endeten mit dem Beginn des Kriegs.

Dubs lobte die Bemühungen um die Aufarbeitung des Holocausts in Deutschland als profund und fundamental. Gerade deswegen sei die aktuelle Situation so kompliziert. «Deutschland ist in Schwierigkeiten, weil es nicht das Positive, das es erreicht hat, zunichte machen will», sagte der 90-Jährige. Berlin könne es sich weder leisten, als zu propalästinensisch, noch als zu pro-Israel wahrgenommen zu werden. Die Verantwortung eine Führungsrolle in der Vermittlung zwischen Israelis und Palästinensern zu übernehmen, liege daher bei anderen Nationen wie den USA und Großbritannien.

Jubel im Zug

Dubs gelangte als Sohn eines jüdischen Vaters 1939 von Prag aus nach Großbritannien. Dem Vater gelang die Flucht nach England bereits vorher. Dubs und seine Mutter blieben zunächst zurück. «Wir mussten ein Bild des tschechoslowakischen Präsidenten aus unserem Schulbuch nehmen und ein Bild von Hitler reinkleben», erinnerte sich Dubs.

Weil die Mutter zunächst keine Ausreisegenehmigung erhielt, habe sie ihn als Sechsjährigen auf einen Kindertransport gegeben. Als der Zug die niederländische Grenze erreichte - und damit außer Reichweite der Deutschen war - habe es Jubel gegeben bei den älteren Kindern im Zug. «Die Jüngeren von uns haben gewusst, dass es bedeutsam war, aber wir wussten nicht, warum», so Dubs.

© dpa
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