Brandanschlag auf Geflüchteten-Unterkunft in Leipzig

Ein Asylbewerberheim in Leipzig ist Ziel eines Brandanschlages geworden. Der Schaden ist laut Polizei gering. Der Zeitpunkt der Attacke weckt Erinnerungen.
Ein Funkwagen der Polizei vor der Flüchtlingsunterkunft in Leipzig. © Sebastian Willnow/dpa

In der Gedenkwoche an die rassistischen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen vor 30 Jahren ist in Leipzig ein Brandanschlag auf eine Unterkunft für Geflüchtete verübt worden. Unbekannte Täter warfen in der Nacht zum Samstag mehrere Brandsätze gegen eine Hauswand, wie ein Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) mitteilte. Sicherheitskräfte hätten «ein punktuelles Feuer» sehr schnell löschen können, so dass nur ein geringer Sachschaden entstanden sei. Verletzt wurde niemand. Sachsens Innenministerium kündigte eine verstärkte Bewachung aller Asylbewerberunterkünfte an. Ein Aktionsbündnis plant eine Demonstration.

In der vergangenen Woche wurde vielfach an die Ereignisse in Rostock-Lichtenhagen erinnert. Im August 1992 hatten Anwohner und Neonazis unter dem Applaus Tausender Schaulustiger die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende und ein Wohnheim für vietnamesische Arbeiter angegriffen und teils in Brand gesetzt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete das Ereignis bei einer Gedenkveranstaltung am Donnerstag als «Tage der Schande in unserem Land».

Ermittler bitten um Zeugenhinweise

Das sächsische LKA konnte zunächst keine Angaben zu den Tätern in Leipzig machen. Die Ermittler baten um Zeugenhinweise. Ein politischer Hintergrund könne nicht ausgeschlossen werden. Die «Task Force Gewalt» im Landeskriminalamt habe die Ermittlungen übernommen. Der Verdacht laute auf versuchte besonders schwere Brandstiftung.

Sachsens Innenminister Armin Schuster nannte es ein Alarmzeichen, «dass solch menschenverachtende Straftaten nicht der Vergangenheit angehören». Es sei auch den umsichtigen Sicherheitskräften der Unterkunft zu verdanken, dass keine Menschen zu Schaden gekommen und nur geringer Sachschaden entstanden sei, erklärte der CDU-Politiker bei Twitter.

Die Gemeinschaftsunterkunft befindet sich in einem Plattenbau im Stadtteil Lausen-Grünau. Nach Angaben der Stadt Leipzig hat sie 225 Plätze.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung erklärte am Sonntag, Demokraten könnten nur «mit Abscheu» auf die Attacke regieren. «Ausgerechnet in dieser Woche, in der wir an die Anschläge in Rostock vor 30 Jahren erinnern, einen Brandsatz auf eine Asylbewerber-Unterkunft zu werfen, zeigt, dass wir es hier nicht mit Spontantätern zu tun haben. Die Täter wollten bewusst ein menschenverachtendes Zeichen setzen», so der SPD-Politiker.

Das Aktionsnetzwerk «Leipzig nimmt Platz» rief zu einer Demonstration am Montagabend in Grünau auf. Man wolle darauf aufmerksam machen, dass in der Gesellschaft Alltagsrassismus gäre und zu viele Hass und Hetze zuließen, teilte Bündnissprecherin Irena Rudolph-Kokot am Sonntag mit. Das Aktionsnetzwerk wies darauf hin, dass die betroffene Unterkunft auch schon 1991 Ziel von Angriffen gewesen war.

© dpa
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