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Erzbistum: Kardinal Woelki hat keinen Porno angeguckt

Vom Dienstrechner aus Pornoseiten aufzurufen, ist schon unter normalen Umständen heikel. Wenn dies aber auch noch im Erzbistum von Kardinal Woelki geschieht, hat es noch eine andere Dimension.
Kardinal Rainer Maria Woelki
Kardinal Rainer Maria Woelki zelebriert das Pontifikalamt im Kölner Dom. © Thomas Banneyer/dpa

Kleriker und andere Mitarbeiter des Erzbistums Köln haben reges Interesse an Pornoseiten gezeigt. Es habe «massenhafte Zugriffsversuche auf Porno-Webseiten von Dienstrechnern des Erzbistums Köln» aus gegeben, berichtete der «Kölner Stadt-Anzeiger».

Unter den «Dutzenden Mitarbeitern», die sich für diese Seiten interessiert hätten, seien auch «höchstrangige Kleriker» gewesen.

Allerdings, so stellte das Erzbistum am Abend in einer Stellungnahme klar, habe Kardinal Rainer Maria Woelki keinen Porno angeguckt. «Es haben uns mehrere Anfragen der Medien erreicht, ob der Kardinal ebenfalls zu den Nutzern der inkriminierten Seiten gehört», teilte das größte deutsche Bistum mit. «Die hausinternen Nachforschungen haben eindeutig ergeben, dass das nicht der Fall ist.»

Woelki äußert sich «enttäuscht»

Woelki selbst äußerte sich in einer Stellungnahme «enttäuscht» über die betreffenden Mitarbeiter. «Manch einem mag der Konsum von Pornografie als harmlos erscheinen. Ich aber stimme Papst Franziskus zu, der sie verurteilt und vor ihren Gefahren, insbesondere der Verletzung der menschlichen Würde warnt», so Woelki.

Als er davon erfahren habe, habe er umgehend eine Prüfung erbeten und angeordnet, nach den rechtlichen Regelungen zu verfahren. «Wir haben im kirchlichen Bereich eine große Zahl engagierter und zuverlässiger Mitarbeitender. Mir ist wichtig, dass jetzt nicht alle unter Generalverdacht gestellt werden», sagte Woelki.

Zuvor hatte das Erzbistum die Existenz einer Liste bestätigt, auf der Zugriffsversuche auf Pornoseiten von Mitarbeitern des Generalvikariats dokumentiert sind. Diese Liste sei das Ergebnis einer Routineprüfung des IT-Dienstleisters. Das Erzbistum lasse regelmäßig checken, ob die Firewalls Zugriffsversuche auf risikobehaftete Seiten mit Gewaltdarstellungen, Pornografie oder Drogen abwehren könnten. Das Nutzungsverhalten einzelner Personen solle damit nicht kontrolliert werden. Die dokumentierten Zugriffsversuche seien durch den automatischen Web-Content-Filter erfolgreich verhindert worden. «Es gab auf Basis der Routineprüfung keine Anhaltspunkte für strafrechtlich relevantes Verhalten», so das Erzbistum.

Kein Ermittlungsverfahren

Eine Sprecherin der Kölner Staatsanwaltschaft sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Liste aus dem Erzbistum liege der Behörde vor und werde geprüft. Es gebe bisher aber weder den Anfangsverdacht einer Straftat noch ein Ermittlungsverfahren. Der Besuch von Pornoseiten ist nur dann strafbar, wenn dort zum Beispiel Minderjährige bei sexuellen Handlungen zu sehen sind.

Im Juni war die Staatsanwaltschaft Köln gegen einen Mitarbeiter des Erzbistums vorgegangen, der des Besitzes von Kinderpornografie verdächtigt wurde. Er arbeitet inzwischen nicht mehr im Generalvikariat - der Zentralverwaltung des Bistums.

Der katholischen Lehre zufolge ist der Konsum von Pornografie eine Sünde. Woelki war während des kürzlich abgeschlossenen Reformprozesses Synodaler Weg als profiliertester Kritiker einer Erneuerung der Kirche in Erscheinung getreten. Der Synodale Weg hatte unter anderem eine Lockerung der verpflichtenden Ehelosigkeit für Priester (Zölibat) und eine Liberalisierung der katholischen Sexualmoral angestrebt.

© dpa
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