Kommunen warnen vor Stromausfällen durch Heizlüfter

Droht in deutschen Haushalten im Winter der Strom wegzubleiben? Die Kommunen raten, Wasser und Lebensmittel vorrätig zu haben. Experten sprechen dagegen von Panikmache.
Das Stromnetz könnte nach Ansicht des Städtebundes vor einer Überlastung stehen. © Sebastian Gollnow/dpa

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hat angesichts der Energiekrise vor flächendeckenden Stromausfällen in Deutschland gewarnt. «Die Gefahr eines Blackouts ist gegeben», sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der «Welt am Sonntag». Die Vorbereitung auf echte Krisensituationen müsse verbessert werden. Experten halten das deutsche Stromnetz allerdings für gut gewappnet. «Die Angst ist zu einem großen Teil Panikmache», sagte Energieexperte Christoph Maurer vom Beratungsunternehmen Consentec dem Fernsehsender n-tv. Auch Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sieht grundsätzliche eine hohe Versorgungssicherheit.

Landsberg warnte konkret vor der Gefahr einer «Überlastung des Stromnetzes - etwa wenn die 650.000 in diesem Jahr verkauften Heizlüfter ans Netz gehen, sollte die Gasversorgung ausfallen». Auch feindliche Hackerangriffe seien ein realistisches Szenario. «Wir können flächendeckende Stromausfälle nicht ausschließen», sagte er. Für diesen Fall sei Deutschland ungenügend gerüstet.

Empfehlungen des Bundes ernst nehmen

Er forderte die Bürger auf, die Empfehlungen des Bundes zum Katastrophenschutz ernst zu nehmen und Wasser sowie Lebensmittel im Haus zu haben. Bei einem großflächigen Stromausfall «läuft kein Wasser, man kann nicht tanken, nach zwei Tagen kann man sein Handy nicht mehr laden», beschrieb er. Auch der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, warnte vor massenhaftem Gebrauch von Heizlüftern. Sie zu nutzen sei selbst bei den hohen Gaspreisen teurer als Heizen mit Gas, sagte er dem «Tagesspiegel». Außerdem könne es Stromnetze lokal an ihre Grenzen bringen, wenn viele Menschen gleichzeitig mit Heizlüftern heizten.

Ein Stromnetz-Stresstest der Bundesregierung kam kürzlich zu dem Ergebnis, «dass stundenweise krisenhafte Situationen im Stromsystem im Winter 22/23 zwar sehr unwahrscheinlich sind, aktuell aber nicht vollständig ausgeschlossen werden können». Dabei ging es um ein Extrem-Szenario, in dem wegen Gasmangels ein Viertel bis die Hälfte der Gaskraftwerke in Süddeutschland ausfallen, zugleich anhaltendes Niedrigwasser den Nachschub für Kohlekraftwerke ausbremst, französische Atomkraftwerke weiter außer Betrieb sind und viele Heizlüfter gleichzeitig genutzt werden.

Maurer erklärte bereits am Mittwoch, einen echten Blackout könne man niemals komplett ausschließen. «Mit Blick auf den kommenden Herbst und Winter müssen wir uns darum allerdings nicht primär sorgen», sagte er. Wenn überhaupt, gehe es wohl eher darum, dass geplant für kurze Zeiträume bestimmte Städte oder Stadtteile vom Netz genommen würden. Echte Blackouts, also großflächige, langfristige Stromausfälle, seien meist nicht davon getrieben, dass zu wenig Strom im System sei.

Söder drängt auf längeren Betrieb der AKWs

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) drängt vor diesem Hintergrund weiter auf einen längeren Betrieb der verbliebenen drei Kernkraftwerke. «Habeck und die Ampel riskieren bewusst einen Blackout», sagte er der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Die Entscheidung, zwei der drei verbliebenen Kernkraftwerke nur in Reserve zu halten, sei «ideologisch getrieben und verantwortungslos».

Habeck hatte auf der Grundlage des Stresstests vorgeschlagen, die zwei süddeutschen Kraftwerke für den Fall von Engpässen noch bis Mitte April einsatzbereit zu halten: Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim in Baden-Württemberg. Eigentlich sollten alle deutschen Atomkraftwerke zum Jahresende endgültig vom Netz gehen. Eine generelle Laufzeitverlängerung lehnte Habeck ab, was unter anderem für Streit mit der FDP sorgte.

«Die Ampel hofft auf einen milden Winter, aber wenn es ein kalter Winter wird, hat Deutschland ein faustdickes Energieproblem», warnte Söder. «Es wird zu Abschaltungen kommen - und das wird existenzgefährdend für unsere Betriebe.» Wenn man die Kernkraftwerke abschalte, fehle Strom für zehn Millionen Haushalte.

Scholz: «Wir kommen da durch»

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) dagegen versprach mit Blick auf die Energiekrise: «Wir kommen da durch.» Die Menschen in Deutschland spürten, dass sie in einer ernsten Zeit lebten. «Wir haben uns aber vorbereitet», versicherte der Kanzler in seiner wöchentlichen Videobotschaft. «Wir werden uns als Land unterhaken, weil wir ein solidarisches Land sind.»

Deutschland sei vorbereitet dafür, dass Russland seine Gaslieferungen wegen des Kriegs gegen die Ukraine weitgehend einstelle. Nach Wartungsarbeiten und einem angeblichen technischen Defekt fließt bereits seit vergangener Woche über die Leitung Nord Stream nichts mehr nach Deutschland. Die Bundesregierung stellt sich darauf ein, dass das auch so bleibt. «Wir haben uns aber vorbereitet», sagte Scholz und verwies auf den Bau von Flüssiggas-Terminals an den norddeutschen Küsten, den Füllstand der Gasspeicher, die Nutzung von Kohlekraftwerken und notfalls auch weiter Atomkraftwerken.

Lang: Wiedereinstieg in die Atomkraft wird es nicht geben

Grünen-Chefin Ricarda Lang rechnet mit Zustimmung ihrer Parteibasis zu Habecks Vorgehen. «Ich bin zuversichtlich, dass der Parteitag den nun eingeschlagenen Weg mittragen wird», sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. «Die Mitglieder merken, dass wir es uns nicht leicht gemacht haben.» Sie betonte, die Reserve solle klar zeitlich begrenzt und eine einmalige Sache sein. Für den Herbst und Winter 2023/24 könne Deutschland mit Gas aus anderen Quellen und erneuerbaren Energien vorsorgen. Einen Wiedereinstieg in die Atomkraft werde es nicht geben.

Auf die Frage, ob die Grünen die Verantwortung für einen Blackout übernähmen, antwortete die Parteichefin: «Die ganze Regierung trägt gemeinsam Verantwortung in dieser Energiekrise. Es werden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, die Blackouts verhindern werden - abgesichert durch die Einsatz-Reserve als Ultima Ratio.»

© dpa
Weitere News
Top News
Fußball news
Bundesliga: Die Bayern freut's: Union und Dortmund verlieren
People news
Britisches Königshaus: Prinz William fordert mehr Sicherheit für Kinder im Internet
Games news
Featured: Dead by Daylight: Alle Promo-Codes im Oktober 2022
Games news
Featured: Archero-Tipps: Gibt es Cheats oder Promo-Codes für das Handyspiel?
Handy ratgeber & tests
Featured: Gibt es Promo-Codes im Oktober 2022 zu RAID: Shadow Legends?
Internet news & surftipps
Autobauer: Tesla-Chef Musk führt Roboter-Prototypen vor
Wohnen
Hydraulischer Abgleich : Nicht umlegbar: Kosten für Heizungsoptimierung
Auto news
Panorama: Oldtimer-Rallye Colorado Grand: Dem Himmel so nah
Empfehlungen der Redaktion
Job & geld
Umfrage: Bürger sorgen sich vor Stromausfall
Wirtschaft
Energiekrise: Blackout: Wie sicher ist Deutschlands Stromversorgung?
Regional berlin & brandenburg
Energiekrise: Stübgen: «Blackout würde Innere Sicherheit gefährden»
Regional berlin & brandenburg
Notfälle: Abschalten der Stromversorgung als Notmaßnahme möglich
Inland
Energieversorgung: Habeck: Zwei AKW bis Mitte April als Notreserve
Regional berlin & brandenburg
Energie: Senat: Strom-Blackout höchst unwahrscheinlich
Ausland
Russische Invasion: Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage
Inland
Energie: Atomkraft nur im Notfall - Was bedeuten Habecks Pläne?