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Die Spitzenkandidaten der Landtagsparteien in Kurzporträts

Bei der Hessen-Wahl an diesem Sonntag geht es nicht nur um die Wahlprogramme der verschiedenen Parteien - sondern auch um Köpfe. Die Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien im Kurzporträt:
Hessenwahl
Die Spitzenkandidaten der hessischen Landtagswahl, Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen, l.), Nancy Faeser (SPD) und Boris Rhein (CDU). © Arne Dedert/dpa

CDU: Boris Rhein

Hessens Regierungschef hat schon einige Höhen und Tiefen erlebt. Nun entscheiden die Wähler über seine Zukunft. Wie tickt Boris Rhein?

Dunkle Brille, weißes Hemd, oft keine Krawatte mehr, redegewandt und freundlich: Hessens CDU-Ministerpräsident Boris Rhein will bei der Landtagswahl an diesem Sonntag sein Amt verteidigen. Zum ersten Mal. Erst im Frühling 2022 ist er während der laufenden Wahlperiode Regierungschef geworden, als Nachfolger von Volker Bouffier (CDU). Zuvor war der heute 51-jährige Rhein Landtagspräsident gewesen, mit einem oft ausgleichenden Auftreten und viel Ironie.

In seiner Politkarriere hat der Jurist Höhen und Tiefen erlebt. Nach einem steilen CDU-internen Aufstieg bis in die Landesregierung unterlag der damals 40-jährige Innenminister 2012 bei der Stichwahl um den Frankfurter Oberbürgermeisterposten dem SPD-Mann Peter Feldmann - für viele überraschend. Aber Rhein rappelte sich auf: 2014 gelangte er als Wissenschaftsminister in Hessens erste schwarz-grüne Landesregierung, 2019 rückte er an die Spitze des Landtags.

Der waschechte Frankfurter mit dem hessischen Zungenschlag war schon mit 27 Jahren ins Landesparlament gewählt worden. Sieben Jahre später kehrte er als Rechtsdezernent zur Stadt Frankfurt zurück. 2009 wurde Rhein Staatssekretär im Innenministerium - und später Ressortchef. Rhein kann auf Menschen zugehen - und auch zuhören. Vor allem als Innenminister profilierte er sich als Kämpfer für Recht und Ordnung, gilt inzwischen als Landesvater, aber auch als guter Vermittler. Mit den Grünen hat er bislang meist relativ geräuschlos regiert.

Boris Rhein ist mit Tanja Raab-Rhein, einer Richterin, verheiratet. Das am selben Tag geborene Paar lernte sich vor rund drei Jahrzehnten beim Jurastudium in Frankfurt kennen. Heute hat es zwei Söhne. Die Familie wohnt in Frankfurt. Freizeit hat Rhein wenig, zumal im Wahlkampf. «Um den Kopf frei zu bekommen, fahre ich gerne Fahrrad, vor allem Rennrad. Für einen guten Start in den Tag gehe ich morgens joggen», erzählt der amtierende Ministerpräsident.

SPD: Nancy Faeser

Bundesinnenministerin Nancy Faeser ist das prominente Gesicht der Hessen-SPD. Die 53-jährige Juristin ist im persönlichen Gespräch zugewandt - und oft gut gelaunt. Zuletzt wehte ihr in der Bundespolitik und auch im hessischen Wahlkampf etwa beim umstrittenen Thema Flüchtlinge der Wind schärfer ins Gesicht.

Mit ihrem Amt als Bundesinnenministerin hat Nancy Faeser in ihrer hessischen Heimat einen enormen Bekanntheitsschub erfahren. Bei einem Besuch auf dem Wiesbadener Weinfest diesen Sommer wird sie häufig von Passanten um Handy-Selfies gebeten. Faeser macht gerne mit, wechselt mit jedem ein freundliches Wort. Auf ihrer politischen Karriere von der Kommunalpolitik im Taunus über den hessischen Landtag bis nach Berlin hat sie sich ihr freundliches Wesen bewahrt.

Aber die 53-Jährige kann auch anders als fröhlich: Als Oppositionsführerin im Landtag zeigte sich die Innenexpertin oft angriffslustig und scharfzüngig - aber nie persönlich verletzend.

Im hessischen Wahlkampf hat sich Faeser auch mit Pannen herumschlagen müssen. Etwa mit dem «Übertragungsfehler» im SPD-Wahlprogramm, wonach Nicht-EU-Ausländer mit unbefristetem Aufenthalt in Deutschland hier schon nach sechs Monaten bei Kommunalwahlen abstimmen dürfen sollten – statt nach sechs Jahren. Oder mit einem umstrittenen SPD-Video, das eine Zusammenarbeit von CDU und AfD in Hessen als möglich dargestellt hat - und von den Sozialdemokraten flugs wieder gelöscht worden ist.

Zudem monierten politische Konkurrenten Faesers Ankündigung, sich bei einer Wahlniederlage in Hessen nicht auf die Oppositionsbank in Wiesbaden zu setzen, sondern Bundesinnenministerin zu bleiben. Die SPD-Spitzenkandidatin sei nicht mit vollem Herzen bei der Sache und halte sich ein Hintertürchen offen, heißt es. Faeser weist diese Vorwürfe von sich.

Die 53-Jährige ist seit mehr als 30 Jahren SPD-Mitglied, 2003 wurde sie erstmals in den hessischen Landtag gewählt. Mit der Vereidigung als Bundesministerin legte sie das Mandat nieder. Die hessische SPD-Chefin wurde in Bad Soden am Taunus geboren und lebt mit ihrer Familie im nahe gelegenen Schwalbach. Nach dem Jura-Studium in Frankfurt arbeitete sie unter anderem bei einer internationalen Wirtschaftskanzlei. Faeser ist verheiratet und hat einen Sohn.

Grüne: Tarek Al-Wazir und Angela Dorn

Tarek Al-Wazir, dessen arabischer Nachname «Der Minister» heißt, will erster grüner Regierungschef von Hessen werden.

Pressetermin in Wiesbaden. Tarek Al-Wazir zückt seine Aufzeichnungen - natürlich in grüner Handschrift. Typisch für Minister, typisch für seine Partei. Al-Wazir, 52, weiße Haare, schlank, Brille, weißes Hemd mit dunklen Knöpfen, silber-blaue Armbanduhr, ist grüner Superminister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen in Hessen. Schon seit fast einem Jahrzehnt sitzt er hier mit der CDU auf der Regierungsbank. Jetzt greift Al-Wazir selbst nach dem Amt des Ministerpräsidenten - dafür kandidiert er bei der hessischen Landtagswahl an diesem Sonntag.

Der Vizeregierungschef ist 1971 in Offenbach am Main als Sohn einer deutschen Mutter und eines jemenitischen Vaters zur Welt gekommen. Bis heute lebt Al-Wazir in dieser Stadt mit rund 160 Nationen. Auch seine Frau Bushra hat jemenitische Wurzeln. Das Paar hat zwei Söhne.

Der studierte Politologe Al-Wazir zählt zu Hessens beliebtesten Politikern. «Wir müssen Hessen noch grüner machen», betont er. «Wir werden 30 Millionen Bäume pflanzen bis 2030», verspricht er zum Beispiel für den Fall eines Wahlsieges.

Al-Wazir ist kein Parteilinker, sondern Pragmatiker, selbstbewusst und redegewandt. «In der Bevölkerung gibt es eine Menge schlechte Laune», konstatiert der grüne Spitzenkandidat. Der häufige Zwist innerhalb der Ampelkoalition in Berlin führe dazu, «dass die Politik nicht besonders gut im Kurs steht». Hier gelte es mit praktischen Erfolgen gegenzuhalten. Stolz ist Al-Wazir etwa auf die hessischen Flatrates für Schüler und Senioren in Bussen und Bahnen - diese seien ein Vorbild für das Deutschlandticket für bundesweite Fahrten im Nah- und Regionalverkehr gewesen.

Der Politiker mit einem deutschen und einem jemenitischen Pass führte die Grünen 2014 in das erste schwarz-grüne Regierungsbündnis eines Flächenlandes. Mit der CDU regierte er meist relativ geräuschlos.

Angela Dorn ist neben Al-Wazir Spitzenkandidatin der hessischen Grünen und steht formal auf Platz 1 der Landesliste. Die 41 Jahre alte Diplom-Psychologin ist seit 2019 hessische Wissenschaftsministerin. Zuvor saß sie bereits seit 2009 für die Grünen im Landtag. Von 2017 bis 2019 war sie Co-Landesvorsitzende ihrer Partei. Dorn ist verheiratet und hat drei Kinder.

AfD: Robert Lambrou

Robert Lambrou ist AfD-Fraktionsvorsitzender im Landtag und das bekannteste Gesicht der Partei in Hessen. Der 56 Jahre alte Co-Parteisprecher stammt aus Münster, hat einen griechischen Vater und eine deutsche Mutter. Der Diplomkaufmann ist verheiratet und war vor seinem Eintritt in die AfD kurzzeitig auch SPD-Mitglied. Die Masseneinwanderung aus vorwiegend muslimisch geprägten Ländern und die fehlende Integration von Einwanderern sehe er mehr als kritisch, betont Lambrou in einer Selbstdarstellung. «Meine politische Heimat konnte damit nur die AfD werden.»

FDP: Stefan Naas

Stefan Naas sitzt seit 2019 für die Liberalen im Landtag und ist unter anderem wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Der 49-Jährige aus Steinbach im Hochtaunuskreis trat 1992 in die FDP ein und ist seitdem kommunalpolitisch aktiv. Der gelernte Bankkaufmann studierte Jura und arbeitete unter anderem im hessischen Wirtschaftsministerium. Naas hatte betont, der Wirtschaft und Infrastruktur einen höheren Stellenwert geben zu wollen. «Dafür braucht es einen klaren marktwirtschaftlichen Kompass statt Ideologien», sagte der Vater einer Tochter.

Linke: Elisabeth Kula und Jan Schalauske

Elisabeth Kula ist seit 2021 Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, gemeinsam mit dem zweiten Spitzenkandidaten Jan Schalauske. Die 33-jährige verheiratete Politikwissenschaftlerin ist Sprecherin ihrer Fraktion für Jugend, Schule und Bildung. Der 42-jährige Politikwissenschaftler Schalauske war von 2014 bis 2022 Co-Landesvorsitzender seiner Partei. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Im Wahlkampf hatte sich das Spitzenduo unter anderem für bezahlbare Mietwohnungen, eine Verkehrswende durch den Ausbau von Bus und Bahn sowie Fahrpreissenkungen ausgesprochen.

© dpa
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