BKK geht von Untererfassung bei Impfnebenwirkungen aus

Eine Krankenkasse behauptet, dass es viel mehr Nebenwirkungen der Corona-Impfungen gibt als in der offiziellen Statistik auftauchen. An den Daten gibt es Kritik. Das PEI will aber eine Studie starten.
Eine Ärztin impft einen Mann gegen das Coronavirus. © Sven Hoppe/dpa

Um mögliche Nebenwirkungen von Impfstoffen noch besser zu analysieren, sollen die offiziellen Impfquoten in einer Studie mit Daten der Krankenkassen verknüpft werden. Sie solle zeitnah starten, teilte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen mit.

Die Krankenkasse BKK Provita gibt an, nach einer Analyse von Versichertendaten auf erheblich höhere Zahlen bei Nebenwirkungen der Corona-Impfstoffe gekommen zu sein als offiziell gelistet.

«Unsere Analyse zeigt, dass wir es hier mit einer deutlichen Untererfassung zu tun haben» sagte BKK-Provita-Vorstand Andreas Schöfbeck der «Welt». Die offiziellen Zahlen zu den unerwünschten Impfnebenwirkungen müssten «dringend plausibilisiert werden». In einem Schreiben an PEI-Präsident Paul Cichutek nennt Schöfbeck der Zeitung zufolge die Auswertung ein «erhebliches Alarmsignal, das unbedingt beim weiteren Einsatz der Impfstoffe berücksichtigt werden muss».

Dem PEI liegt der Brief nach eigenen Angaben seit Dienstag vor. Man könne die Daten nicht beurteilen, «da das Institut bislang keinen Zugang zu den Originaldaten hat und ihm außerdem keine Informationen zur Auswertungsmethode vorliegen». Die Angaben im Schreiben seien «allgemein und unspezifisch». So werde nicht angegeben, wie viele Fälle sich auf leichte und wie viele auf - meldepflichtige - schwerwiegende Reaktionen beziehen. Generell seien Abrechnungsdaten nicht mit Nebenwirkungen gleichzusetzen. «Darüber hinaus ist aus dem Schreiben nicht zu entnehmen, ob tatsächlich ein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung festgestellt worden ist.»

Man sei hellhörig geworden, als im Fallmanagement der BKK Provita immer öfter Diagnosen aufgetreten seien, die auf Impfnebenwirkungen schließen ließen, berichtete die Kasse. Daraufhin habe man die Datenpools aller BKK-Kassen ausgewertet und alle für Impfnebenwirkungen vorgesehenen Diagnose-Codierungen herausgefiltert. Der BKK Dachverband teilte allerdings per Twitter mit, «dass die Daten nicht wie gemeldet vom BKK Dachverband stammen». Inhaltlich wollte der Dachverband keine Stellung nehmen.

Die BKK Provita schreibt in einer Analyse, die der «Welt» vorlag, alleine in den ersten sieben Monaten des Jahres 2021 seien 216.695 BKK-Versicherte wegen Nebenwirkungen durch Impfstoffe behandelt worden. Die Daten bezögen sich auf 10,9 Millionen Versicherte. Zum Vergleich: Bis Ende 2021 verzeichnete das PEI auf Basis von 61,4 Millionen Geimpften lediglich 244.576 Nebenwirkungsmeldungen. Zur Art und Schwere der Beschwerden könne man nichts sagen: «Klar ist nur: Es ist den Leuten so schlecht gegangen, dass sie zum Arzt gegangen sind.»

Der Virchowbund, der niedergelassene Ärztinnen und Ärzte vertritt, kritisierte die «Schwurbel-BKK»: Es handle sich entweder um «peinliches Unwissen oder hinterlistige Täuschungsabsicht». Die Schlussfolgerungen aus der Datenlage seien «kompletter Unfug», sagte der Bundesvorsitzende Dirk Heinrich. Die BKK Provita vermische zwei völlig unterschiedliche Bereiche: die ärztliche Diagnose-Codierung und die Meldung an das PEI. «Offenbar will man vor allem Werbung in der impfkritischen Klientel machen.»

© dpa
Weitere News
Top News
Sport news
Leichtathletik-EM: Klosterhalfen gewinnt überraschend EM-Titel über 5000 Meter
People news
USA: Mutmaßlicher Rushdie-Attentäter wird offiziell angeklagt
Internet news & surftipps
Rüstungsindustrie: Hensoldt: Französische Tochter Ziel eines Cyberangriffs
Job & geld
Mieter oder Eigentümer: Steigende Gaspreise: Wann kommen die Kosten bei mir an?
Musik news
Metal-Band: Silvester in München? Rammstein sagte Konzert nie zu
Tv & kino
Featured: Bosch: Legacy Staffel 2: So geht es bei Amazon Freevee weiter
Das beste netz deutschlands
Datenklau: Betrügerische Mail im Namen der Bundesregierung
Auto news
Dodge Charger Daytona SRT Concept: Stromer mit Auspuff
Empfehlungen der Redaktion
Inland
Virologe verärgert über Bericht zu möglichen Impfschäden
Inland
Pandemie: Krankschreibungen 2021 offenbar deutlich gesunken
Gesundheit
Techniker Krankenkasse: Krankschreibungen 2021 deutlich gesunken
Inland
Recherche: Faktencheck: Warum das BMG einen Corona-Tweet löschte
Job & geld
Techniker Krankenkasse: Erwerbstätige mit Long Covid haben lange Fehlzeiten
Regional sachsen
Anträge: AfD kritisiert geringe Entschädigungen nach Impfschaden
Inland
Pandemie: Barmer: Krankschreibungen wegen Corona wieder rückläufig
Gesundheit
Paul-Ehrlich-Institut: Antigentests erkennen Omikron genauso gut wie Delta