Viele Kinder wollen zur Feuerwehr

20.01.2022 Die Pandemie hat das Sozialleben von Kindern und Jugendlichen deutlich eingeschränkt. Statt im Verein Sport zu treiben oder Freunde zu treffen, verbringen sie viel Zeit in den eigenen vier Wänden. Ein Engagement bei der Feuerwehr kann eine sinnvolle Alternative sein.

Ein kleiner Junge auf einem Laufrad trägt einen Anzug mit der Aufschrift «Feuerwehr». Foto: picture alliance/Swen Pförtner/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bei der Freiwilligen Feuerwehr lernen, Brände zu löschen und anderen Menschen zu helfen - bei vielen Kindern und Jugendlichen steht das in Hessen hoch im Kurs. «Wir haben einen Wahnsinns-Zulauf bei den Sechs- bis Zehnjährigen», sagte der Landesjugendfeuerwehrwart in Hessen, Markus Potthof, der Deutschen Presse-Agentur. Gerade die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig gesellschaftlicher Zusammenhalt und Sozialkontakte für Kinder und Jugendliche seien. Das dürfte auch einer der Gründe dafür sein, dass sich so viele junge Menschen bei der Feuerwehr engagieren wollen. Andere Angebote für junge Leute gerade im ehrenamtlichen Bereich leiden spürbar unter den Corona-Folgen.

Pandemiebedingt fehle es allerdings seit längerer Zeit an praktischen Übungsmöglichkeiten für die jungen Brandschützer, räumte Potthof ein. So habe im vergangenen Jahr kein größeres Zeltlager stattgefunden. Solche Veranstaltungen, die Freizeitspaß und Kreativ-Angebote mit der Vermittlung von technischem Feuerwehr-Wissen verbinden, seien Kernelemente der Nachwuchsarbeit. Um dennoch am Ball zu bleiben, seien digitale Formate zur Ausbildung von Betreuern entwickelt und über vielfältige Aktionen wie zuletzt die Ausgabe von Adventskalendern die Kontakte zu den Kindern aufrecht erhalten worden.

Hessenweit machen nach Angaben Potthofs rund 26.500 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren bei den Freiwilligen Feuerwehren mit. In der Gruppe der Sechs- bis Zehnjährigen sind es weitere 14.000 bis 15.000 Kinder. Die Jüngsten sollen in den Kindergruppen die Möglichkeit bekommen, in die Welt der Feuerwehr hineinzuschnuppern und im spielerischen Miteinander Sozialkompetenzen in der Gemeinschaft zu erwerben. Bei den Jugendlichen geht es vor allem um das Lernen von Teamarbeit als Grundvoraussetzung für die mögliche spätere Arbeit in einer Feuerwehr.

Auch der Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes, Harald Popp, erklärte, dass es keine Nachwuchssorgen gebe. Seit die Kinderfeuerwehren 2007 im Brandschutzgesetz verankert worden seien, steige das Interesse der jungen Menschen kontinuierlich an. Bereits ab dem Alter von 16 Jahren können Jugendliche an einem Grundlehrgang teilnehmen und dann auch in den Einsatzabteilungen der Freiwilligen Feuerwehren mitwirken. Insgesamt 71.000 Männer und Frauen gehören den 2600 Einsatzabteilungen der Freiwilligen Feuerwehren in Hessen an, hinzu kommen rund 2500 Einsatzbeamte in den sieben Berufsfeuerwehren im Land.

Das Deutsche Rote Kreuzes (DRK) hat die Pandemie derweil durch tendenziell sinkende Mitgliederzahlen bei der DRK-Jugend zu spüren bekommen. Zwar lasse sich die Entwicklung erst später beurteilen, wenn wieder Gruppenstunden und Aktivitäten wie gewohnt stattfinden könnten. Die Gruppenleiterinnen und -leiter hätten jedoch den Eindruck rückgemeldet, dass Mitglieder verloren gegangen sein dürften, teilte eine DRK-Sprecherin auf Anfrage mit. «Die Gewinnung von neuen Mitgliedern ist jedenfalls in den letzten zwei Jahren nicht möglich gewesen.»

Aktuell können nach den Vorgaben des Hessischen Jugendrings die Gruppenstunden in den DRK-Ortsgruppen stattfinden, allerdings unter Corona-Bedingungen. Konkret heißt das: Übungen zur Ersten Hilfe, bei denen naher körperlicher Kontakt unabdingbar ist, müssen entfallen, wie die Sprecherin erläuterte. Es gebe allerdings auch Ortsgruppen, die Gruppenstunden unter diesen Voraussetzungen ausgesetzt hätten oder nur noch unregelmäßig stattfinden lassen.

Die DRK-Jugendarbeit erfülle eine Reihe wichtiger Funktionen - neben der Gemeinschaft und dem sozialen Austausch gehöre dazu auch das Engagement außerhalb von Schule und Familie, so die Sprecherin. «Ganz wichtig ist auch das Erlernen von Partizipation durch Mitbestimmung und Selbstorganisation in den einzelnen Gruppen.» So gebe es seit einigen Jahren den Juniorhessenrat im Jugendrotkreuz, bei dem bereits Kinder und Jugendliche den Jüngsten eine Stimme geben und deren Meinung im Verband kommunizieren und vertreten.

Auch der Hessische Jugendring spricht pandemiebedingt von einem Rückgang der Aktivitäten und weniger Ehrenämtlern in Jugendverbänden. «Dabei lebt die verbandliche Jugendarbeit vom Ehrenamt und vom Engagement vieler junger Menschen», erklärt eine Sprecherin des Jugendrings. In den ersten Monaten der Pandemie seien vor allem Gruppenangebote eingeschränkt worden, so dass für viele Kinder und Jugendliche regelmäßige Treffen in Gruppenstunden und offene Jugendtreffs wegfielen, die sie sonst jede Woche besuchten. Auch außerschulische Bildungsangebote seien abgesagt worden und bis heute stark eingeschränkt. Teils seien die Angebote digitalisiert worden.

Auch wenn sich viele Kinder und Jugendliche darauf schnell eingestellt hätten, zeigten Beobachtungen und Studien: «Kinder und Jugendliche brauchen reale Begegnung mit Gleichaltrigen. Es geht dabei um Bewegung, Interaktion, Lautsein und Körperkontakt. Alles das können digitale Räume nicht bieten - auch wenn sich die Ehrenamtlichen hier sehr stark engagiert haben, Alternativen zu schaffen.»

© dpa-infocom GmbH

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