Riesiges Kalibergwerk wird mit Salzwasser geflutet

18.01.2022 Es geht um so viel Wasser wie das Steinhuder Meer enthält: Das stillgelegte Kalibergwerk Sigmundshall in Wunstorf wird in den nächsten Jahren geflutet. Das soll die Stabilität verbessern. Doch Umweltschützer sehen darin auch eine Gefahr.

Segelboote fahren vor der Kulisse des mittlerweile stillgelegten Kali-Bergwerks Sigmundshall. Foto: Holger Hollemann/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das frühere Kalibergwerk Sigmundshall in Wunstorf, ein imposanter Blickfänger am Steinhuder Meer, wird in den kommenden Jahren mit großen Mengen an Salzwasser geflutet. Von Anfang September bis Ende 2021 hat das Bergbau-Unternehmen K+S bereits rund 300.000 Kubikmeter Salzwasser aus dem Werk Werra, an der Grenze von Thüringen und Hessen, per Bahn nach Wunstorf gebracht. In den kommenden 20 Jahren geht es weiter: Insgesamt soll ein Hohlraum von etwa 37 Millionen Kubikmetern mit Wasser gefüllt werden - die Genehmigung läuft K+S zufolge sogar auf 42 Millionen Kubikmeter. Das entspricht ziemlich genau dem Volumen des Steinhuder Meers.

Das Unternehmen begründet den Schritt damit, dass die Flutung das Ende 2018 stillgelegte Werk stabilisiere. Das entspreche dem Abschlussbetriebsplan und sei in Niedersachsen vorgeschrieben. Außerdem wird K+S so Salzwasser aus seinem Werk Werra los, nachdem die Versenkung im Untergrund zu Jahresende 2021 eingestellt wurde.

Umweltschützer haben jedoch Bedenken. So bezweifelt der Naturschutzbund (Nabu), dass die Flutung von Kalibergwerken deren Stabilität verbessert. Sinnvoller sei es, den Abraum von der Halde einzulagern. Außerdem werde das Salzwasser mit der Zeit wieder ausgepresst, sodass Versalzungsfahnen entstünden. Im Fall des Werks Sigmundshall zeigten diese in Richtung der Naturschutzgebiete Steinhuder Meer und Leineauen. Die weitere Ausdehnung sei zwar noch unklar. «Wir sehen jedoch darin eine konstante erhebliche Gefahr, die zumindest beobachtet werden muss, um bei weiterer Ausdehnung der Salzfahne die Einleitung sofort zu stoppen», erklärt der Nabu.

K+S hingegen beteuert, «dass die Flutung keine unverträglichen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt hat, sodass keine besonderen Schutzmaßnahmen notwendig sind», wie Sprecher Marcus Janz sagt. Mehrere Gutachten hätten das bestätigt. «Im Gegenteil: Die Flutung wirkt der Konvergenz der Grubenhohlräume entgegen und verringert damit Senkungserscheinungen an der Erdoberfläche.»

Der Transport des Salzwassers in die Region Hannover soll daher noch ausgebaut werden. «Dazu soll eine Rohrleitung vom Agravis-Hafen am Mittellandkanal gebaut werden, sodass per Binnenschiff zusätzliche Salzwässer geliefert werden können», sagt K+S-Sprecher Janz. Von 2023 an soll der neue Transportweg zur Verfügung stehen. Laut Abschlussbetriebsplan muss Sigmundshall mit mindestens 1,3 Millionen Kubikmetern Flüssigkeit jährlich geflutet werden.

Neben den Salzwässern aus dem Werk Werra verwendet K+S dafür auch Regenwasser, das auf die riesige Halde fällt. Doch die Entsorgung der Sole kommt K+S gelegen, weil das Unternehmen vor dem Hintergrund der Versalzung von Werra und Weser zugesagt hat, von 2028 an keine Produktionswässer mehr in die Werra einzuleiten. Und für die geplante Einstapelung in das stillgelegte Grubenfeld Springe in Thüringen fehlt noch die Genehmigung.

Insgesamt sind daher im vergangenen Jahr bereits 720.000 Kubikmeter Salzwasser aus dem Werk Werra abtransportiert worden. Neben Sigmundshall in Wunstorf wurde das Wasser auch zur Flutung des Werks Bergmannssegen-Hugo bei Sehnde südöstlich von Hannover genutzt. Dort steht die Flutung bereits vor dem Abschluss.

© dpa-infocom GmbH

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