«Notre Dame»: Victor-Hugo-Klassiker bei Festspielen

19.11.2021 Ein Werk der Weltliteratur und eine traditionsreiche Bühne in ganz neuem Licht - bei «Notre Dame» soll sich die Stiftsruine dem Publikum im kommenden Sommer so zeigen, wie es sie noch nie gesehen hat.

Bad Hersfelder Festspiele. Foto: Uwe Zucchi/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit einer Bühnenfassung des weltberühmten Romans «Der Glöckner von Notre-Dame» von Victor Hugo werden die Bad Hersfelder Festspiele im kommenden Sommer eröffnet. Das Publikum werde die Stiftsruine von 1. Juli bis 28. August 2022 ganz neu erleben, kündigte Intendant Joern Hinkel am Freitag in Bad Hersfeld an. Dreidimensionale Spezialeffekte sollen die Kulisse der berühmten Pariser Kathedrale in der Stiftsruine erlebbar machen und sie in eine «Ruine der Fantasie» verwandeln, sagte Hinkel. «Wir haben schon ein paar Tests gemacht, schon die waren wahnsinnig beeindruckend.» Hinkel selbst schreibt zusammen mit dem Dramaturgen Tilman Raabke die Bühnenfassung des Stücks unter dem Titel «Notre Dame».

Die Idee, sich mit dem Stoff zu befassen, sei ihm gekommen, als er vor rund einem Jahr einen Glockenturm bestieg und ganz in seiner Nähe das Geläut begann - ein «elementares Ereignis», wie Hinkel sagt. Bald danach habe er den 1831 erschienenen Roman Hugos gelesen, und sei begeistert von dessen Modernität und Vielschichtigkeit gewesen.

«Es ist der Roman einer Weltenwende», sagte Hinkel. Die darin aufgeworfenen Fragen zu Ausgrenzung, Vorurteilen und gesellschaftlicher Stimmungsmache «sind heute aktueller denn je.» Den Roman begreift er auch als Aufruf zu selbstloser Liebe, will aber nicht allein den Fokus auf die beiden Hauptfiguren Quasimodo und Esmeralda richten. Auch die romantischen, manchmal grotesken Szenen sowie die historischen und philosophischen Betrachtungen des Werks sollten einbezogen werden.

Bei den Spezialeffekten setze man auf computeranimierte Projektionen, die direkt auf die Architektur der Stiftsruine zugeschnitten sind. Dieses sogenannte Mapping mache es möglich, dass sich die historischen Sandsteinwände zu bewegen scheinen, dass plötzlich Steine aus dem Mauerwerk herauszubrechen und die Mauern in Flammen zu stehen scheinen. Für diese Effekte haben die Festspiele den Frankfurter Videokünstler, Komponisten und Sounddesigner Parviz Mir-Ali gewonnen, der unter anderem 2006 zur Fußball-Weltmeisterschaft die Frankfurter Skyline in eine Lichtkulisse verwandelt habe und auch beim Hessentag in Bad Hersfeld schon einmal die Stiftskirche in neuem Licht erstrahlen ließ.

Begleitet wird «Notre Dame» von dem Familienstück «Der kleine Glöckner» - mit einer verkürzten Version der Geschichte, so dass auch Kinder ab zehn Jahren sie sehen können.

Für die Stiftsruine plane man in der kommenden Saison wieder mit der vollen Sitzplatzkapazität von 1300 Plätzen, so wie zuletzt vor Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2019, sagte Hinkel. Der Vorverkauf starte am 29. November zunächst unter der 2G-Maßgabe - demnach bekämen im kommenden Sommer nur vollständig gegen Covid-19 geimpfte oder genesene Zuschauer Einlass zu den Theaterfestspielen.

«Im Moment gebietet das die Situation», sagte Hinkel. Man bleibe in ständigem Austausch mit den Verantwortlichen und beobachte die Entwicklung der Pandemie. Voraussichtlich im Frühjahr starte für das Familienstück der Vorverkauf, wenn klar sei, wie es mit den Impfungen für Kinder weitergehe. Die Tickets für das kommende Jahr werden sich im Schnitt um etwa zwei bis drei Euro verteuern, erklärte Hinkel.

Das romantische Schloss Eichhof soll in der kommenden 71. Festspielsaison wieder als Spielort einbezogen werden, dort werde die Komödie «Valpone» des Shakespeare-Zeitgenossen Ben Johnson zu sehen sein. Hinzu kommen Wiederaufnahmen der Bühnenfassung des Hollywood-Films «Der Club der toten Dichter» sowie des Musicals «Goethe!», die in diesem Jahr beim Publikum so viel Zuspruch fanden, dass man nicht alle Kartenwünsche habe erfüllen können.

© dpa-infocom GmbH

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