Mehr Impfpass-Fälschungen seit Einführung von 3G-Regel

19.01.2022 Im hessischen Landeskriminalamt registriert die «Arbeitsgruppe Impfpässe» alle Fälle, bei denen Corona-Impfdokumente gefälscht wurden. Damit reagiert die Polizei auf ein vergleichsweise neues Phänomen - das aber mit der 3G-Regel an Fahrt aufnimmt.

Ein Impfbuch liegt auf einem Tisch. Foto: Fabian Sommer/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Zusammenhang mit gefälschten Corona-Impfnachweisen sind dem Hessischen Landeskriminalamt (LKA) aktuell Verfahren in niedriger vierstelliger Anzahl bekannt. Wie das Innenministerium in Wiesbaden auf dpa-Anfrage mitteilte, ist eine Zunahme der Fälle seit der erstmaligen Einführung der 3G-Regel im Herbst 2021 erkennbar. Bei der 3G-Regelung ist der Besuch etwa in einem Restaurant nur für Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete erlaubt.

Die Zahl der registrierten Sachverhalte spiegele nicht den Stand der bislang sichergestellten Impfpässe und Impfausweise wider, erläuterte das Ministerium. Diese liege deutlich höher.

Im LKA wurde eine «Arbeitsgruppe Impfpässe» eingerichtet, die alle in Hessen bekanntgewordenen Fälle erfasst, wie ein Ministeriumssprecher erklärte. «Dort werden die unterschiedlichen Vorgehensweisen der Fälscher zentral analysiert, um alle Polizeidienststellen aktuell über neue Entwicklungen bei diesem vergleichsweise neuen Phänomen zu informieren.» Gefälschte Impfpässen fielen den Beamten häufig bei Kontrollen, als Zufallsfund bei anderen Ermittlungen oder nach einer Anzeige in die Hände, teilte das Ministerium mit. «Die Vertriebswege von gefälschten Impfpässen und Impfausweisen gestalten sich vielfältig, darunter fallen Messenger-Dienste sowie Internetforen.» Dort fänden sich Impfskeptiker, Impfgegner und Menschen, die der Querdenkerszene zugeordnet werden können, in Echokammern wieder und informierten sich gegenseitig über gefälschte Impfnachweise und QR-Codes.

Unter anderem wurden Anfang Dezember 2021 bei einer Durchsuchung in Kassel insgesamt 800 Blanko-Impfausweise, Impfstoffaufkleber, verschiedene Stempel und weitere Fälscherutensilien sichergestellt. Gegen den Verdächtigen läuft ein Ermittlungsverfahren. Bereits im November wurden bei einer Wohnungsdurchsuchung in Frankfurt insgesamt 146 Blanko-Impfausweise mit jeweils zwei Impfeintragungen gegen Covid-19 gefunden. Auch in diesem Fall wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Impfpässen und -ausweisen mangelt es laut Ministerium an allgemeingültigen Sicherheitsmerkmalen. Darum seien Fälschungen schwer zu erkennen. Die Polizei warne die Bürgerinnen und Bürger davor, in sozialen Netzwerken ihre Impfdokumentationen zu posten, da man durch die Abbildung von Chargennummer oder Impfstempel den Fälschern helfe.

Erst diese Woche war bekannt geworden, dass die Arbeitsgruppe «Booster» der Kasseler Kriminalpolizei einen mutmaßlichen Corona-Impfpass-Fälscher gestoppt hat. Ermittlungen führten die Beamten auf die Spur eines 45 Jahre alten Tatverdächtigen im Schwalm-Eder-Kreis, nachdem im Januar eine unzustellbare Postsendung mit gefälschten Impfausweisen aufgetaucht war. Polizisten fanden bei dem Mann unter anderem acht Stempel von verschiedenen Ärzten und Impfstellen.

© dpa-infocom GmbH

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