«Die Zeit rennt»: Klimastreik im Finanzzentrum Frankfurt

13.08.2021 Bunter Protest zwischen Bankentürmen: Im Kampf gegen den Klimawandel sind zahlreiche Aktivisten in Frankfurt auf die Straße gegangen. Sie sehen auch den «fossilen Finanzsektor» in der Verantwortung.

Eine Demonstrantin trägt beim Klimastreik ein Plakat. Foto: Arne Dedert/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zahlreiche Menschen sind am Freitag in Frankfurt bei einem zentralen Klimastreik der Bewegung Fridays for Future auf die Straße gegangen. Im Mittelpunkt standen diesmal Proteste «gegen den fossilen Finanzsektor». Die Polizei sprach nach vorläufigen Zahlen von 4500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. «Im Großen und Ganzen verlief alles friedlich», sagte ein Sprecher. Gegen Ende habe es vereinzelt Störaktionen und Blockaden gegeben, die den Verkehr vorübergehend behindert hätten.

Zunächst waren die vorwiegend jungen Klimaschützerinnen und Klimaschützer in einem Sternmarsch zum Opernplatz gelaufen. Auf einer Bühne gab es dort Kundgebungen und Musik, bevor sich ein großer Demonstrationszug am späten Nachmittag ins Bankenviertel starten. Die Aktivisten, die zumeist Masken trugen, hatten bunte Transparente und Plakate dabei. Auf ihnen waren Schriftzüge zu lesen wie «Planet over Profit», «Die Zeit rennt! Klimaschutz jetzt!» oder «Wenn die Erde eine Bank wäre, hättet ihr sie schon längst gerettet». Die Organisatoren hatten auch «zivilen Ungehorsam» angekündigt.

Die Demonstranten sehen auch die Finanz- und Bankenbranche mitverantwortlich für die Erderwärmung: «Der Finanzsektor in Frankfurt finanziert aktiv die Klimakrise und verkauft unsere Zukunft», sagte Annika Rittmann von Fridays for Future. «Durch ihre Investitionen und Kredite an fossile Unternehmen schaffen die Banken kurzfristige Profite auf Kosten von Mensch und Natur und verhindern damit die dringend benötigte sozialökologische Transformation», ergänzte ihre Mitstreitern Jana Voges.

Laut Fridays for Future waren Mitglieder aus bundesweit mehr als 70 Ortsgruppen nach Frankfurt gekommen. Aber auch Gruppen wie Greenpeace, Seebrücke sowie die verdi.jugend unterstützten die Proteste. Die Zahlen, die Fridays for Future kommunizierte, wichen deutlich von denen der Polizei ab. So zählten die Klima-Aktivisten um die 15.000 Teilnehmer. Während der Proteste war es recht heiß, gegen Ende gab es auch ein Gewitter.

Die Polizei hatte vor den Protesten vor Einschränkungen im Straßenverkehr gewarnt und dazu aufgerufen, den Innenstadtbereich zu umfahren und Bus und Bahn zu nutzen.

Bereits am Mittag hatte das Naturkundemuseum Senckenberg zu einem Klimafrühstück geladen. Dort tauschen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Interessenten zu unterschiedlichen Aspekten des Klimawandels aus.

«Der aktuelle Klimabericht ist beängstigend und zeigt ganz konkret, dass wir uns unbedingt und sofort auf dem Weg machen müssen», sagte Museumschefin Brigitte Franzen. «Für uns als Museum ist es wichtig, dass Fridays for Future den Protest forschungsbasiert auf die Straße trägt und hörbar macht.» Mit Blick auf die Kritik am Finanzsektor sagte Franzen, es sei nötig, zu thematisieren, wie gewirtschaftet werde. Aber es gebe auch positive Entwicklungen:«Die Banken haben sich auf den Weg gemacht. Sie merken, dass es so nicht weitergeht.»

© dpa-infocom GmbH

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