Bau eines Schienenprojekts für Rhein-Main kann beginnen

28.01.2022 Ein Mammutprojekt für den regionalen Zugverkehr westlich von Frankfurt soll den strapazierten Hauptbahnhof entlasten. Nun kann mit dem Bau des ersten Abschnitts begonnen werden. Bis zur Fertigstellung müssen sich Pendler und Reisende noch einige Zeit gedulden.

Nahverkehrszüge der Deutschen Bahn auf den Gleisen am Hauptbahnhof Frankfurt. Foto: Boris Roessler/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Signale stehen auf Grün: Nach jahrelanger Vorbereitung und Diskussion kann der Bau eines wichtigen Projekts für den regionalen Zugverkehr im Rhein-Main-Gebiet beginnen. Die Bahntrasse Regionaltangente West soll eine Direktverbindung von Bad Homburg über Frankfurt-Höchst und den Flughafen bis nach Neu-Isenburg und Dreieich schaffen. Sie verläuft westlich an der Frankfurter Innenstadt vorbei - daher auch der Name - und soll in Zukunft den Hauptbahnhof entlasten. Die gesamte Regionaltangente soll bis 2028 fertiggestellt sein.

Für einen ersten Abschnitt liegt nun der Planfeststellungsbeschluss, eine Art Baugenehmigung, des Regierungspräsidiums Darmstadt vor, wie das hessische Verkehrsministerium am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Die ersten Arbeiten sollen im April losgehen. «Das ist die Keimzelle eines Schienenrings rund um ganz Frankfurt», sagte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). «Dieses interkommunale Mammutprojekt ist für den öffentlichen Nahverkehr in der Metropolregion Frankfurt Rhein-Main ein extrem wichtiger und dringend benötigter Baustein.»

Über die Trasse wird seit vielen Jahren diskutiert. Insgesamt umfasst das Projekt mit geschätzten Gesamtkosten von 1,1 Milliarden Euro eine Streckenlänge von etwa 50 Kilometern in vier Planungsabschnitten. 26 Haltepunkte sind vorgesehen, knapp die Hälfte ist schon an bestehenden Strecken vorhanden. Nach der kompletten Fertigstellung sind zwei Nahverkehrslinien mit jeweils einem 30-Minuten-Takt vorgesehen, die Züge sollen auf einem gemeinsamen Abschnitt alle 15 Minuten unterwegs sein.

Nach früheren Schätzungen - allerdings noch vor Beginn der Corona-Pandemie - wurde mit knapp 100.000 Fahrgästen täglich auf der Regionaltangente West gerechnet. Während der Pandemie mit Lockdown-Zeiten und vermehrtem Homeoffice sind die Fahrgastzahlen auch im regionalen Bahnverkehr stark zurückgegangen.

Im Rhein-Main-Gebiet fehlt bislang anders als etwa in Berlin ein Schienenring rund um den Ballungsraum. So müssen beispielsweise Pendler und Reisende nördlich und nordwestlich von Frankfurt zum Hauptbahnhof fahren und dort umsteigen, wenn sie per Bahn zum Flughafen wollen.

Der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), Knut Ringat, sagte, dass die Kapazitäten sowohl des zentralen S-Bahntunnels unter der Frankfurter Innenstadt als auch des Hauptbahnhofs ausgereizt seien. «Die Regionaltangente West sorgt nicht nur hier für eine Entlastung bestehender Linien, sondern bringt auch neue Direktverbindungen unter anderem zum Flughafen.»

Der erste Bauabschnitt betrifft die Trasse zwischen Kelsterbach im Kreis Groß-Gerau über den Regionalbahnhof am Frankfurter Flughafen und den Bahnhof Frankfurt-Stadion bis nach Neu-Isenburg und Dreieich-Buchschlag im Kreis Offenbach. Die Kosten dafür werden auf 185 Millionen Euro geschätzt. Für April sind erste Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik geplant, im September soll voraussichtlich der Bau eines Kreuzungsbauwerks für Züge in Neu-Isenburg sowie einer Brücke am Bahnhof Frankfurt-Stadion beginnen.

Der Dezernent für Mobilität der Stadt Frankfurt und Aufsichtsratsvorsitzende der RTW Planungsgesellschaft, Stefan Majer (Grüne), sagte, die Regionaltangente werde den Verkehr in und durch die Innenstadt spürbar entlasten. «Frankfurt wird maßgeblich von diesem Projekt profitieren, genauso wie die Menschen in der Region.»

Der Projektgesellschaft gehören neben dem Land und dem RMV auch die Städte und Kreise an, durch deren Gebiete die Trasse verläuft. Die Deutsche Bahn AG ist an der Projektgesellschaft nicht beteiligt. Das Geld für das Projekt kommt zum Löwenanteil von Bund und Land, die EU bezuschusst die Planungskosten.

© dpa-infocom GmbH

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