Verbände: Jüngste Elbvertiefung bislang überflüssig

21.12.2021 Rund 20 Jahre wurde geplant, prozessiert und gebaggert: Seit Mai ist die jüngste Elbvertiefung fertig - und der Fluss für Schiffe mit mehr Tiefgang befahrbar. Kritiker sehen sich nun in ihren Einwänden bestätigt.

Ein Bagger holt bei Arbeiten zur Elbverteifung Schlick aus einem Hafenbecken. Foto: Axel Heimken/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die jüngste Elbvertiefung hat sich nach Einschätzung von Umweltverbänden bislang als weitgehend überflüssig erwiesen. Nur ein Bruchteil der Schiffe, die Hamburgs Hafen seit Freigabe der ersten Stufe im Mai angelaufen haben, seien «auf die neue Tiefe tatsächlich angewiesen» gewesen, kritisieren die Verbände. «Dass dafür ein immenser ökologischer Schaden in Kauf genommen wurde, lässt sich mit Blick auf die jetzt vorliegenden Zahlen nicht mehr rechtfertigen.» Die drei Verbände, BUND, Nabu und WWF, beziehen sich bei ihrer Kritik auf die Antwort des Senats auf eine schriftliche Kleine Anfrage der Linken in der Bürgerschaft, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Demnach haben im Zeitraum vom 3. Mai bis zum 9. Dezember 4682 Seeschiffe den größten deutschen Seehafen angelaufen. 2183 davon waren Containerschiffe. «Bei 612 Containerschiffen handelte es sich um Großcontainerschiffe mit einem Konstruktionstiefgang von mehr als 13,80 Meter, die mithin auf die durch den Fahrrinnenausbau gewonnenen Tiefgangsverbesserungen angewiesen sind», heißt es in der Antwort des Senats auf Grundlage von Auskünften der Hafenbehörde HPA.

Allerdings hätten lediglich 87 Containerschiffe bei Ankunft oder Abfahrt einen Tiefgang gehabt, der den früheren maximal zulässigen Tiefgang vor der Fahrrinnenanpassung überstiegen hätte. Wie viel Mehrladung auf diesen Schiffen möglich war, hänge von einer Reihe von Faktoren ab «und kann daher nicht exakt bestimmt werden», so der Senat.

«Gemessen an der Realität fällt das Luftschloss einer tieferen Elbe, immer größeren Schiffen und einem wachsenden Containerumschlag in sich zusammen», kritisieren die im «Bündnis Tideelbe» zusammengeschlossenen Umweltverbände. «Der tiefgreifende Schaden für das Ökosystem Tideelbe aber bleibt und wird durch die Zunahme der erforderlichen Unterhaltungsbaggerungen verstärkt.»

Der rund 130 Kilometer lange Abschnitt der Elbe zwischen Hamburg und der Nordsee zählt zu den wichtigsten Wasserstraßen Deutschlands. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Fluss dort sechsmal den Anforderungen der Schifffahrt angepasst, zuletzt 1999. Diesmal wurde der Fluss so ausgebaggert, dass auf ihm Schiffe mit einem Tiefgang von 13,50 Meter unabhängig von Ebbe und Flut fahren können. Tideabhängig soll die Elbe für Schiffe mit einem Tiefgang von maximal 14,50 Metern passierbar sein.

Seit der Freigabe für größere Tiefgänge Anfang Mai können Großcontainerschiffe je nach Schiffstyp und Gezeitenstand mit 30 bis 90 Zentimeter mehr Tiefgang als bisher auf der Elbe verkehren. Nach der endgültigen Freigabe sollen etwa die doppelten Werte möglich sein. Als Datum für diese zweite Freigabestufe gibt der Senat in seiner Antwort «voraussichtlich Ende Januar» an.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Top News

1. bundesliga

Bundesliga: Große Ära geht weiter - Neuer verlängert bei Bayern bis 2024

Reise

Spektakel des Jahrzehnts: Belgien feiert Parade mit Riesenpferd

Tv & kino

Sonntagabend-Krimi: Meret Beckers Abschied aus dem «Tatort»

Auto news

820 PS und Tempo 340: Brabus knöpft sich Porsche 911 vor

People news

Ex-Monarch: Spaniens Altkönig zu Treffen in Madrid eingetroffen

People news

Baby-News: Schwarzenegger Pratt bringt zweite Tochter zur Welt

Das beste netz deutschlands

Web- und App-Tipp: Bahn direkt: Eine Seite für Zugfahren ohne Umsteigen

Internet news & surftipps

Gesellschaft: Faeser: Bei Kampf gegen Kindesmissbrauch nicht überziehen

Empfehlungen der Redaktion

Regional niedersachsen & bremen

Umweltverbände kritisieren erneut Elbvertiefung

Wirtschaft

Schifffahrt: Vertiefte Elbe vollständig für größere Tiefgänge freigegeben

Regional hamburg & schleswig holstein

Schifffahrt: Verkehr auf Nord-Ostsee-Kanal legt wieder zu

Regional niedersachsen & bremen

Hafenautobahn: Umweltverbände wollen geplante Autobahn A26 Ost stoppen

Regional niedersachsen & bremen

Schiffbau: Emder Werft und Dock GmbH verlegt Schwimmdock

Reise

Ab 27. Mai: Auch Kreuzfahrt-Marktführer Aida lässt Maskenpflicht fallen

Regional hamburg & schleswig holstein

Deutsches Schifffahrtsmuseum bekommt Geld für Museumsschiffe

Regional sachsen anhalt

Archäologie: Rund 1200 Jahre alter Einbaum einer Elbfähre gerettet