Veranstaltungswirtschaft fordert praxisnahen Beauftragten

16.12.2021 Das Coronavirus hat die Veranstaltungsbranche enorm durchgeschüttelt. Manche Unternehmen und Solo-Selbstständigen hat es an den Rand der Existenz gebracht. Nun fordern die Branchenverbände, dass sich in Berlin ein praxisnaher Experte für ihre Belange einsetzt.

Jens Michow, Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV). Foto: Christoph Soeder/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ausgefallene Konzerte, immer wieder verschobene Tourneen, geschlossene Clubs, abgesagte Messen, wenige Arbeitsmöglichkeiten - der deutschen Veranstaltungsbranche geht es schlecht. Seit Ausbruch der Coronapandemie im März 2020 sind wie in kaum einer anderen Branche Gewinne weggebrochen und unzählige Arbeitsplätze haben sich mangels Beschäftigung quasi in Luft aufgelöst. «Die Lage ist mehr als angespannt nach 22 Monaten Corona», sagte Timo Feuerbach, Geschäftsführer Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren (EVVC), am Donnerstag bei einem Online-Pressegespräch der wichtigsten Verbände der Veranstaltungswirtschaft.

Die Branche fordert deshalb übereinstimmend einen Sonderbeauftragten in der neuen Bundesregierung, der für sie ein offenes Ohr hat und vermitteln kann. «Wir brauchen dringend eine Beauftragte oder einen Beauftragten für die Veranstaltungswirtschaft im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Unsere Branche gehört zu den von Corona am schwersten betroffenen Wirtschaftszweigen. Umsatzeinbrüche von 75 bis 90 Prozent sind keine Seltenheit», so Feuerbach.

Die Branche hatte vor Corona rund 1,1 Millionen Menschen beschäftigt und einen Direktumsatz von etwa 81 Milliarden Euro gemacht. Sie gilt damit als sechstgrößte Wirtschaftsbranche in Deutschland. «Also: Veranstaltungen sind ein großer Wirtschaftsfaktor, aber auch ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Und das muss in Berlin mehr Berücksichtigung finden». Das sei auch ein wichtiges Signal für alle Mitarbeiter und Unternehmen der Branche.

«Wir brauchen eine Einflussnahme und ein klares Ohr für das, was die Praxis braucht», sagte Jens Michow, Präsident des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, dazu. Der Sonderbeauftragte soll dem Forum Veranstaltungswirtschaft zufolge zudem praxisnah dafür sorgen, dass langfristige Perspektiven und Planungen wieder möglich sind. Des Weiteren sollen auf die Branche zugeschnittene Sonderprogramme - auch aus EU-Mitteln - möglich gemacht werden und bundesweit einheitliche Vorgaben existieren. Eine Verlängerung der Staatshilfen bis Ende 2022 sei das Mindeste, besser noch wäre eine Fünf-Jahres-Planung bis 2028, so Axel Ballreich, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Musikspielstätten in Deutschland.

Wie schlecht die Stimmung bei den Unternehmen derzeit ist, zeigt auch eine Sonderauswertung des Geschäftsklima-Indexes des Ifo-Institutes. Der Index für die Branche habe im Oktober bei minus 26 gelegen, sagte Klaus Wohlrabe, der stellvertretende Leiter des Ifo-Zentrums dazu. Zum Vergleich: die deutsche Wirtschaft sortierte sich über alle Wirtschaftszweige hinweg bei plus 11 ein. Die Branche blicke damit ähnlich skeptisch in die Zukunft wie die Reise- und Tourismusbranche.

Zudem sei bei den Veranstaltern, Technikern, Managern und Künstlern nach dem leichten Höhenflug im Sommer und Frühherbst nun der Pessimismus zurückgekehrt. Seine Prognose für die Geschäftsklima-November-Zahlen, die nächste Woche veröffentlicht werden sollen: «Sie werden dramatisch schlecht ausfallen.» Schon im Sommer hätten rund 70 Prozent der Veranstaltungsunternehmen zudem gesagt, dass sie sich in ihrer Existenz bedroht fühlen. Der deutsche Durchschnittswert lag da bei rund 20 Prozent.

Die Veranstaltungsbranche appellierte deshalb auch an die Musikfans, ihre bereits gekauften Tickets nicht zurückzugeben - vor allem, um die kleineren Veranstalter zu unterstützen und damit die Vielfalt des Kulturbetriebes zu erhalten. «Wer es sich leisten kann, der sollte sich das wirklich überlegen und die Karten einfach am Kühlschrank hängen lassen», so Verbandspräsident Michow.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Top News

Fußball news

Fußball-Europapokal: 14 Europa-League-Endspiele mit deutschen Clubs

Tv & kino

Featured: The Gray Man mit Ryan Gosling: Alles über den megateuren Netflix-Film

People news

Leute: Die Pilawas haben sich getrennt

Internet news & surftipps

Studie: Corona-Pandemie treibt Abschied von Brief und Fax voran

Tv & kino

Mit 83 Jahren: Schauspieler Rainer Basedow gestorben

Gesundheit

Erst Buche, dann Gräser: Trockenheit erlaubt Pollenallergikern kaum Pausen

Internet news & surftipps

Social Media: Musk: Twitter-Deal kann ohne Bot-Daten nicht weitergehen

Das beste netz deutschlands

Verbraucherschützer bemängeln: Mieses Internet: Preisminderung oft nicht nachvollziehbar

Empfehlungen der Redaktion

Regional hamburg & schleswig holstein

Konzertveranstalter: Mehr als 2G doch derzeit nicht möglich

Panorama

Großveranstaltungen: Kulturbranche für strikte 2G-Regel

Wirtschaft

Umfrage: Ifo: Weniger Existenzangst in den Unternehmen

Wirtschaft

Ifo-Index: Wirtschaft stemmt sich gegen Ukraine-Schock

Regional hamburg & schleswig holstein

Konzertwirtschaft vermisst Definition zu Großveranstaltung

Wirtschaft

Pandemie: Veranstalter warnen vor «Todesstoß» für die Branche

Wirtschaft

Konjunktur: Ifo-Geschäftsklimaindex abgestürzt

Wirtschaft

Konjunkturbarometer: Ifo-Geschäftsklima hellt sich trotz Omikron-Welle auf