Kernkraftwerk Brokdorf geht in der Silvesternacht vom Netz

01.01.2022 Ende einer Ära: In Schleswig-Holstein wird kein Atomstrom mehr produziert. Das AKW Brokdorf an der Unterelbe westlich von Hamburg ging infolge des Atomausstiegsbeschlusses in der Silvesternacht vom Netz. Das Kraftwerk war 35 Jahre lang in Betrieb.

Blick auf das Atomkraftwerk Brokdorf am Elbdeich. Foto: Christian Charisius/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das Atomkraftwerk Brokdorf ist nach 35 Jahren in der Silvesternacht vom Netz gegangen. Bei seinem Bau hatte es für Großdemonstrationen gesorgt, die auch nicht immer friedlich verliefen. Der Betreiber zog nun ein positives Fazit dieser wechselvollen Geschichte: «Seit seiner ersten Netzsynchronisation am 14. Oktober 1986 hat das Kraftwerk Brokdorf bis zum heutigen Tag mehr als 380 Milliarden Kilowattstunden Strom (brutto) erzeugt», hieß es in einer Mitteilung des Betreibers PreussenElektra am Samstag.

Gemäß dem Atomausstieg durfte der Meiler am Freitag das letzte Mal Strom ins Netz einspeisen. Damit endete die Zeit der Atomkraft in Schleswig-Holstein. Die Reaktoren Krümmel und Brunsbüttel wurden nach schweren Pannen bereits vor Jahren abgeschaltet.

Der Druckwasserreaktor Brokdorf hatte eine Netto-Leistung von 1410 Megawatt. Das Kraftwerk an der Elbe war damit laut PreussenElektra zwei Mal Weltmeister bei der jährlich erzeugten Strommenge. Geschäftsführer Guido Knott sagte anlässlich der Abschaltung: «Unser allerherzlichster Dank gilt an dieser Stelle unseren Kraftwerksmannschaften, die über Jahre hinweg eine hervorragende Arbeit gemacht haben.»

Was heute vom Betreiber als Erfolg gefeiert wird, begann beim Bau des Meilers mit zahlreichen Protesten. Zeitweise demonstrierten 1981 100 000 Menschen bei bitterer Kälte gegen das AKW. Den Atomkraftgegnern standen zeitweise Tausende Polizisten gegenüber. Die Demonstrationen verliefen auch nicht immer friedlich, es kam wiederholt zu Krawallen.

Mit der nun erfolgten Abschaltung von Brokdorf, Grohnde (Niedersachsen) und Gundremmingen (Bayern) liefern 2022 nur noch drei Atomkraftwerke in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen Strom. Bis Ende des Jahres will Deutschland aus der Stromerzeugung mit Atomkraft aussteigen. Auch danach weiter betrieben werden dürfen allerdings zwei Anlagen, die Brennstoff und Brennelemente für den Export herstellen.

Den Ausstieg aus der Kernenergie hatte die damalige Bundesregierung im Jahr 2011 nach dem Atomunglück im japanischen Fukushima besiegelt. Neuerdings äußern sich allerdings wieder mehr Befürworter der Kernenergie, weil dadurch - anders als bei der Stromproduktion etwa aus Kohle - deutlich weniger klimaschädliches Kohlendioxid entstehe.

Im Vorfeld hatten Atomkraftgegner die Abschaltung von Brokdorf mit Lichtprojektionen auf dem Gebäude gefeiert. «Wir sind erleichtert, dass das auch hier mögliche Worst Case Szenario einer Kernschmelze wie in Tschernobyl und Fukushima in Brokdorf nicht eingetreten ist», teilte die Anti-Atom-Organisation Ausgestrahlt zu ihrer Aktion mit. Auf Fotos war zu sehen, dass die Aktivisten das Kraftwerk mit Slogans wie «Dat Ding is ut» angestrahlt hatten.

© dpa-infocom GmbH

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