Agentur: Nordseeküste rückt beim Tourismus unter ein Dach

24.01.2022 Ob Inseln, Ostfriesland oder die Wesermarsch: Bislang werben viele kleine Tourismusorganisationen für einen Urlaub an der Küste. Eine neue Tourismusagentur für die Nordseeregion soll das Klein-Klein nun beenden - auch Küstenbewohner sollen von dem Verbund profitieren.

Zahlreiche Spaziergänger sind bei trübem Wetter auf einer Promenade am Strand unterwegs. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Nordseeregion von der niederländischen Grenze bis zur Elbe will künftig enger zusammenarbeiten und international bekannter werden. Dazu gründeten Vertreterinnen und Vertreter von insgesamt neun Kommunen aus Niedersachsen und Bremen am Montag in Wilhelmshaven eine gemeinsame, touristische Dachorganisation - die Tourismusagentur Nordsee GmbH (Tano). Die länderübergreifende Agentur mit Sitz in Wilhelmshaven soll die Urlaubsregion ab sofort gemeinsam entwickeln und vermarkten.

«Wir setzen auf eine stärkere interkommunale Zusammenarbeit und Abstimmung von Projekten für Gäste, aber auch für Einheimische», sagte der Vorsitzende des Tourismusverbands Nordsee und Landrat des Kreises Wittmund, Holger Heymann (SPD), nach der Gründung. Bislang gebe es in der Region rund 60 einzelne Tourismusorganisationen. Die neue Agentur solle helfen, Doppelstrukturen abzubauen und Ressourcen zu schaffen, etwa um stärker ein internationales Publikum anzusprechen.

An der neuen Tourismusagentur Nordsee sind die sieben niedersächsischen Landkreise Ammerland, Aurich, Cuxhaven, Friesland, Leer, Wesermarsch und Wittmund sowie die kreisfreie Stadt Wilhelmshaven und aus Bremen die Seestadt Bremerhaven beteiligt. Vorbereitungen für den Verbund laufen bereits seit 2018.

Als einzige Kommune entlang der niedersächsischen Nordseeküste wird die Stadt Emden nicht Teil der neuen Agentur. Aus Sicht der Stadt stehe der finanzielle Mehraufwand für die Agentur in keinem Verhältnis zum Nutzen für den Standort Emden, teilte ein Stadtsprecher auf dpa-Anfrage mit. Stattdessen wolle die Kommune für ihre touristischen Angebote weiter auf die Marke «Ostfriesland» setzen. Einen späteren Beitritt schließe die Stadt aber nicht aus.

Tatsächlich sollen bereits bestehende touristische Regionalmarken wie Ostfriesland, die Ostfriesischen Inseln oder das Cuxland, die Region um Cuxhaven, erhalten bleiben, jedoch stärker miteinander verknüpft werden. «Wir wollen eine Mehrmarkenstrategie fahren, anstatt uns zu kannibalisieren», sagte Heymann. 2024 wollen die Initiatoren die Arbeit der Agentur überprüfen. Zum Start übernimmt Göran Sell, Geschäftsführer der Ostfriesischen Inseln GmbH, die Geschäftsführung.

Der langjährige Vorsitzende des Tourismusverbandes Nordsee und Landrat des Kreises Friesland, Sven Ambrosy (SPD), betonte, dass mit der Agentur auch die gemeinsame Entwicklung des Lebensraums an der Küste gestärkt werde. «Tourismus ist mehr als nur Marketing, sondern ist auch Raumordnung, ist Verkehrsplanungen, ist Kulturförderung.» Indem zum Beispiel der Öffentliche Nahverkehr zwischen den Kommunen besser abgestimmt werde, könnten neben Urlaubsgästen auch Küstenbewohnerinnen und Küstenbewohner profitieren.

Zudem sei es notwendig, Kräfte zu bündeln, um etwa bei der Tourismuspolitik und dem Erwerb von Fördergeldern gegenüber dem Land und dem Bund als «starker Player» aufzutreten. «Da ist es gut, wenn eine Stimme beim zuständigen Ministerium anklopft», sagte Ambrosy. Auch eine engere Kooperation mit dem Nordseetourismus in Schleswig-Holstein sei gewünscht.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Oldenburg befürwortet die Gründung der neuen Agentur. Die Pandemie habe Schäden in der Tourismuswirtschaft hinterlassen, sagte Carola Havekost. Ein starkes Destinationsmanagement helfe nicht nur dem Tourismus, indirekt komme es auch Betrieben im Handwerk und Einzelhandel sowie dem Fachkräftemarkt zu Gute. «Wenn die Gäste sich hier wohl fühlen, dann tun das auch die Fachkräfte, die in die Region kommen.»

Die niedersächsische Küste und Bremerhaven zählen bereits zu den wichtigsten Urlaubsregionenen in Deutschland. Früheren Angaben zufolge wurden vor der Corona-Pandemie 2019 16,6 Millionen Hotel- und Pensionsübernachtungen in der Region gebucht. Dazu kamen geschätzt weitere 27 Millionen Übernachtungen im privaten Bereich, zum Beispiel in Ferienwohnungen. Der Brutto-Umsatz durch den Tourismus an der Küste betrug 2019 etwa 4,25 Milliarden Euro, wie eine Beratungsgesellschaft im Gründungsprozess der Agentur berechnete.

© dpa-infocom GmbH

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