Zahlen steigen weiter: Schulen bald ohne Präsenzpflicht

23.11.2021 Die Corona-Lage spitzt sich in Brandenburg weiter zu. Das Kabinett will darauf mit verschärften Bestimmungen reagieren. In den Schulen soll bald Anwesenheitspflicht wegfallen. Der Einzelhandel befürchtet vor einer geplanten 2G-Regel Umsatzeinbußen.

Britta Ernst lacht. Foto: Jörg Carstensen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Corona-Lage in Brandenburg verschärft sich weiter - die Infektionszahlen steigen deutlich. Das Gesundheitsministerium berichtete am Dienstag von 2125 neuen Infektionen nach 954 am Montag. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg im gesamten Land von 570,3 am Vortag auf 600,1 Fälle pro 100.000 Einwohner. Im Ländervergleich hat Brandenburg damit nach Sachsen, Thüringen und Bayern den vierthöchsten Wert. Bei diesem Wert steht die Warnampel von Brandenburg schon länger auf Rot. Auch die Zahl der Covid-Patienten in Krankenhäusern steigt weiter.

Vor diesem Hintergrund will das rot-schwarz-grüne Kabinett die Weichen für eine drastische Verschärfung der Corona-Regeln für Ungeimpfte stellen. Am Dienstag entscheidet die Runde über die Ausweitung der 2G-Regel auf den Einzelhandel mit Ausnahme von Supermärkten und anderen Läden des notwendigen Bedarfs. Der Handel hält die geplante Ausweitung der 2G-Regel auf den Einzelhandel dagegen für zu weitgehend und warnt vor Einbußen im wichtigen Weihnachtsgeschäft. An den Brandenburger Schulen gilt wegen der Corona-Infektionslage bald keine Anwesenheitspflicht für die Schüler mehr. Der Linken-Fraktionschef im Potsdamer Landtag, Sebastian Walter, sprach sich für einen zwei- bis dreiwöchigen Lockdown als ehrlichere Variante in der Pandemie aus.

Nach wie vor verschärft sich vor allem im Süden die Corona-Lage. Dort liegen drei Landkreise weiter über 1000 neuen Infektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen: die Kreise Oberspreewald-Lausitz (1358,9), Elbe-Elster (1324,6) und Spree-Neiße (1018,5). Oberspreewald-Lausitz hat damit nach Daten des Robert Koch-Instituts den fünfthöchsten Wert bundesweit in einem Landkreis, Elbe-Elster den siebthöchsten.

Auch die Zahl der Covid-Patienten in Krankenhäusern steigt weiter. Aktuell werden 511 Menschen behandelt nach 455 am Montag. 107 Patienten liegen auf Intensivstationen, hiervon müssen mit Stand Montag 86 beatmet werden. Die Zahl neuer Covid-19-Patienten in Kliniken pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche liegt bei 3,63 und ging damit gegenüber dem Vortag leicht zurück. Die Zahl der Infizierten und Erkrankten wird aktuell auf rund 28.200 geschätzt, in der vergangenen Woche waren es rund 17.200.

Auf Gelb steht die Ampel nach wie vor bei der Belegung der Intensivbetten in Kliniken. Der Anteil der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen an der Zahl der belegbaren Intensivbetten liegt bei 15 Prozent, der Warnwert von 10 Prozent ist überschritten.

Auch das Bildungsministerium reagiert auf die drastisch steigenden Infektionszahlen. «Für den schulischen Bereich werden wir die Präsenzpflicht aufheben», sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Dienstag im RBB-Inforadio. «Es ist der Wunsch vieler Eltern, dass sie ihre Kinder nicht in die Schule schicken wollen.» Die Einzelheiten - etwa Ausnahmen für Abschlussklassen - würden noch ausgearbeitet.

Die Brandenburger Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft wandte sich in einem offenen Brief an die Ministerin. Die Situation an den Schulen sei besorgniserregend, hieß es. «Sie ist außer Kontrolle geraten», sagte GEW-Landesvorsitzender Günther Fuchs. Der AfD-Landtagsabgeordnete Dennis Hohloch sagte, seit anderthalb Jahren habe es aus dem Ministerium sinnlose und wenig zielführende Maßnahmen in der Corona-Pandemie gegeben. Offenbar sei dort nicht bekannt, wie der Alltag an den Schulen aussehe.

Der Brandenburger Pädagogenverband sieht das Vorhaben skeptisch. «Die Arbeitsbelastung liegt dann bei den Lehrern», sagte Präsident Hartmut Stäker auf Anfrage. Sie müssten jede Unterrichtsstunde dann zweimal leisten: einmal online und einmal für die Kinder, die in die Schule kommen. «Das halten die Lehrer vor Weihnachten nicht durch.»

Außerdem plant Ernst, die Weihnachtsferien für Brandenburger Schülerinnen und Schüler um drei Tage vorzuziehen. Ursprünglich sollte der 23. Dezember der erste Ferientag in Brandenburg sein. Neuer Ferienbeginn soll jetzt Montag, der 20. Dezember, sein.

© dpa-infocom GmbH

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