Vor Räumung von «Köpi-Platz» verschanzen sich Bewohner

07.10.2021 Überall in Kreuzberg und Friedrichshain kleben die Plakate mit einem großen X. Es geht um eines der letzten Berliner Bauwagencamps, gerne auch Wagenburg genannt.

Ein Fahrradfahrer fährt am Zaun des links-autonomen Wohnprojekts und Kulturzentrums «Köpi» vorbei. Foto: Christoph Soeder/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Tag X ist am 15. Oktober. So nennt die linke Szene den Tag der angekündigten Räumung des linksalternativen Bauwagencamps «Köpi-Platz» in Berlin-Mitte. Mehr als eine Woche vor dem Termin rüsten sich die Bewohner gegen einen möglichen Polizeieinsatz. Der Zaun um das Grundstück mit den Bauwagen wurde auf mehr als vier Meter erhöht und zum Teil mit Blechen und Platten verstärkt. Mitte der Woche standen Männer mit Akkuschraubern auf Leitern und befestigten weitere Bleche von außen an den Gittern vor dem Grundstück an der Köpenicker Straße, an der Grenze zwischen Mitte und Kreuzberg nahe der Spree.

Auf dem Gitterzaun vor dem Haus «Köpi» und dem Bauwagencamp verläuft an einigen Stellen Stacheldraht, es gibt Metallverstrebungen, zwischen denen hindurch Bäume auf den Gehweg wachsen. In großen weißen Buchstaben steht auf der Blechwand: «Köpi-Platz Tag X 15/10». Neben einem Bild von einem Bauwagen und einem Polizisten steht: «Haltet Abstand von unseren Wagenplätzen».

Auf die Frage, ob die verstärkten Zäune gegen die angekündigte Räumung durch die Polizei helfen, antwortete einer der Männer auf der Leiter lächelnd: «Ich hoffe doch sehr.» Andere Bewohner sprachen nur Englisch und schickten neugierige Besucher weg.

Im Juni hatte das Berliner Landgericht die Räumung des Grundstücks mit den bewohnten Bauwagen angeordnet. Geklagt hatte der Grundstückseigentümer. Laut Urteil muss das unbebaute, 2600 Quadratmeter große Grundstück frei gemacht werden. Der Eigentümer hat dort eine Baugenehmigung. Seine Anwälte betonten, noch in diesem Jahr solle mit der Bebauung der Flächen begonnen werden. Das Haus selber ist von der Räumung nicht betroffen.

Die sogenannte Köpi gilt als eines der letzten verbliebenen Symbolprojekte der linksradikalen Szene in Berlin. Der Bewohner- und Betreiber-Verein schreibt das Projekt mit dänischem ö: «Køpi» und «Køpi-Platz». Dabei geht es um ein großes Hinterhaus eines Altbaukomplexes, das Vorderhaus fehlt. Dazu kommt das benachbarte Grundstück, auf dem alte Bauwagen zwischen Bäumen, Gerümpel und Müll stehen. Nach Angaben des Bewohner-Vereins leben dort etwa 30 Menschen.

Das Gebäude auf dem Mauerstreifen von Ost-Berlin wurde 1990, im Jahr nach dem Mauerfall, besetzt. Außer Wohnungen in den oberen Stockwerken gibt es im Keller und den unteren Geschossen einen Konzertraum, eine Kletterwand, eine kleine Sporthalle und ein Kino.

Die Bewohner bezeichnen Haus und Bauwagencamp als autonomen Lebensraum. «Køpi & Køpiplatz vereint! Der Kampf um unser Zuhause geht weiter», schreiben sie auf ihrer Website. Und: «Wir werden nicht einfach alles für irgendwelche Immobilienspekulationen aufgeben. Wir haben uns einen unbewohnbaren Ort genommen und zu einem bunten Lebensraum gemacht. Das wird er bleiben.»

Auf der Seitenwand des Hauses prangt ein riesiger Schriftzug: «Hands off our homes» (Hände weg von unseren Häusern). Daneben steht: «ACAB» («All cops are bastards», deutsch: Alle Polizisten sind Bastarde).

Der Bewohner-Verein will auf einer Pressekonferenz am Freitag seine Position darlegen. Widerstand gegen die Räumung wurde bereits bei Demonstrationen und im Internet angekündigt, wo es immer wieder hieß: «Defend Köpi».

Wie sich die Lage am 15. Oktober entwickeln wird, ist kaum vorherzusagen. So war die Gegenwehr auf der Straße bei der Räumung des besetzten Hauses «Liebig 34» in Friedrichshain im Oktober 2020 schon wesentlich kleiner als bei ähnlichen Anlässen zuvor. Auf eine Brandschutzprüfung in dem teilbesetzten Haus «Rigaer 94» im Juni reagierten gewaltbereite bis zu 200 Linksautonome allerdings schon am Tag zuvor mit brennenden Barrikaden und einem heftigen Angriff auf die Polizei.

© dpa-infocom GmbH

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