Viele Branchen bekommen die 2G-Regel

11.11.2021 Angesichts steigender Infektionszahlen verschärft der Senat die Corona-Maßnahmen für Ungeimpfte. Aber klappt das ohne strengere Kontrollen?

An einer Kneipe in Berlin Prenzlauer-Berg steht ein Hinweis auf 2G Regeln. Foto: Fabian Sommer/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Berlin mehren sich die Zweifel, ob sich die vom Senat beschlossene Ausweitung der 2G-Regel in Berlin effektiv kontrollieren lässt. Dass es ohne Kontrollen nicht geht, sind sich aber viele sicher. «In jedem Fall ist eine klare 2G-Regelung besser als die vorherige Mischung, weil sie Einheitlichkeit schafft», sagte der Sprecher des GdP-Landesbezirks Berlin, Benjamin Jendro, am Donnerstag. «Klar ist aber auch, dass weder unsere Polizei noch die Ordnungsämter der Bezirke das flächendeckend überprüfen können.»

In den Bezirken stapelten sich die Corona-Verstöße. «Die Abarbeitung wird noch mehrere Monate dauern, weil weder für den Außen- noch den Innendienst mehr Personal hinzugekommen ist», kritisierte Jendro. «So wird es maximal punktuelle Stichproben geben.» Vor allem komme es auf eigenständige Kontrollen durch die Betreiber und Veranstalter und auf das Verantwortungsbewusstsein der Berliner an. Kein Politiker sollte auf die Idee kommen, Einsatzhundertschaften in Restaurants oder Kosmetikstudios schicken zu wollen, warnte der Gewerkschaftssprecher.

Angesichts der gestiegenen Zahlen von Corona-Fällen sollen von Montag an nur noch Geimpfte und Genesene (2G) Zutritt zu Restaurants, Kinos, Theatern, Museen oder Galerien haben, nicht auch Getestete. Das betrifft beispielsweise auch Freizeiteinrichtungen wie Saunen und Thermen, geschlossene Räume in Freizeitparks, oder auch Friseursalons und Kosmetikstudios.

Auch aus der Berliner Wirtschaft kommt die Forderung nach mehr Kontrollen. «Eine Verschärfung der Kontaktregeln in Richtung 2G ist aus unserer Sicht der richtige Weg», sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB), Alexander Schirp. «Allerdings müssen dazu auch die Kontrollen deutlich intensiviert und die Beschränkungen flächendeckend durchgesetzt werden. Regeln, die nur auf dem Papier stehen, bringen nichts.»

Aus Sicht der Berliner Gastronomie ist die neue, ab Montag geltende 2G-Regel nicht das Wunschmodell. «Wir haben das Wahlrecht zwischen 2G und 3G für gut befunden, also dass der Gastwirt und der Gast entscheiden kann, was er anwendet und wo er hingeht», sagte der Hauptgeschäftsführer des Dehoga Berlin, Thomas Lengfelder, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. «Die Restaurants müssen sich jetzt keinen Test mehr vorlegen lassen, sondern nur noch den Geimpft- oder Genesennachweis. Von der Bürokratie her ergibt sich kein Mehraufwand», sagte Lengfelder.

Entscheidend sei, dass die Regel auch eingehalten werde. «Und zwar von allen, vom Gastwirt und vom Gast.» Gefragt seien aber auch die Bezirke: «Alle Vorschriften - ähnlich wie auf der Autobahn - müssen auch mal kontrolliert werden.» Das dürfe aber nicht gleich mit der Bußgeldkeule passieren, sondern auf Augenhöhe, so der Dehoga-Geschäftsführer. «Nur wenn alle drei mitmachen, kriegen wir das hin, dass die Infektionszahlen wieder sinken.»

Kritik kommt auch aus der Berliner Friseur-Innung. «Für uns ist nicht nachvollziehbar, warum man die Friseure in die 2G-Regelung genommen hat, weil wir Sicherheitsstandards hatten, die auch erbracht worden sind», sagte Innungs-Obermeister Jan Kopatz. «Ich finde es auch unpassend, eine gewisse Gruppe, also Ungeimpfte, von einer hygienischen Dienstleistung auszuschließen», sagte Kopatz. Für die Betriebe bedeute das weniger Kunden und entsprechend Umsatzrückgänge.

Konsequente Kontrollen findet Kopatz dagegen wünschenswert: «Es gibt Betriebe, die sich an die Vorschriften halten, und Sie haben Betriebe, die das nicht interessiert», sagte er. «Da ist das dann schon schade, wenn Kontrolle nicht stattfindet.» Der gesamte Aufwand für 2G koste schließlich auch Geld. Blieben Kontrollen aus, könnten davon Betriebe profitieren, sie sich nicht an die Regel hielten.

© dpa-infocom GmbH

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