Strengere Corona-Regeln in Berlin: Kalayci für Lockdown

27.11.2021 In Berlin gelten nun schärfere Corona-Regeln. Vor allem Ungeimpfte müssen sich auf erheblich mehr Einschränkungen einstellen. Aus Sicht von Gesundheitssenatorin Kalayci reicht das nicht.

Dilek Kalayci (SPD), Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, sitzt im Abgeordnetenhaus. Foto: Fabian Sommer/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Angesichts des rasanten Anstiegs der Zahl von Corona-Neuinfektionen hält Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) einen erneuten Lockdown für erforderlich. «Ich fordere den Bund auf, eine Bundesnotbremse einzusetzen», sagte die geschäftsführende Senatorin am Samstag der «Berliner Morgenpost». Zugleich bat sie die Menschen in Berlin, Großveranstaltungen vor allem in Innenräumen zu meiden, um das Ansteckungsrisiko zu senken.

Auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat angesichts des dynamischen Corona-Infektionsgeschehens sofortige umfassende Kontaktbeschränkungen gefordert. «Unmittelbar wirksam ist es aus medizinischer und epidemiologischer Sicht, die Kontakte von Beginn der kommenden Woche an für wenige Wochen deutlich zu reduzieren», heißt es in einer am Samstag veröffentlichten Stellungnahme. «Aufgrund der nachlassenden Immunität müssten diese Maßnahmen vorübergehend auch für Geimpfte und Genesene gelten, die in dieser Zeit eine Auffrischungsimpfung erhalten müssen.»

In Berlin gelten seit Samstag bereits schärfere Corona-Regeln. Damit haben zu den meisten Geschäften nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt. Ein negatives Testergebnis reicht nicht mehr. Ausgenommen sind unter anderem Supermärkte, Drogerien und Apotheken. Der Einzelhandel erwartet infolge der Verschärfung deutliche Umsatzeinbußen. «Wir verzeichnen bereits Frequenzrückgänge», sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen. Er rechne mit Umsatzeinbußen von 15 bis 30 oder 40 Prozent.

Zugleich erneuerte Busch-Petersen seine Kritik an der Umsetzung der 2G-Regel wegen der Folgen für die Beschäftigten: «Die Mitarbeitenden müssen die Hilfspolizei geben und bei der Kontrolle die Konfrontationen mit Kunden aushalten.» Außerdem bestehe die Gefahr, dass es durch die Kontrollen am Eingang zu Gedränge und längeren Wartezeiten komme. Am Samstag war dies zeitweise an einigen größeren Geschäften auf Einkaufsstraßen wie dem Tauentzien oder der Schloßstraße in Berlin-Steglitz zu beobachten.

Anders als in Brandenburg dürfen die Weihnachtsmärkte in Berlin vorerst weiter öffnen. Wie schon zuvor gilt für die Besucher Maskenpflicht. Manche Veranstalter setzen auf 2G-Regeln, auf anderen Märkten haben auch Ungeimpfte Zutritt.

Nach dem täglichen Lagebericht des Senats gab es in Berlin bisher insgesamt 5.488.941 Impfungen. 68,9 Prozent der Menschen gelten als vollständig geimpft, 71,5 Prozent haben eine erste Impfung erhalten. Derzeit werden die Impfkapazitäten in der Hauptstadt wieder hochgefahren.

Der Projektleiter der Corona-Impfzentren, Albrecht Broemme, bezeichnete in diesem Zusammenhang die Absage der Grünen Woche in Berlin als Chance, weil das Impfzentrum in der Messe bestehen bleiben kann. Infolgedessen seien täglich etwa 3000 Impfungen mehr gegen das Coronavirus möglich. «Ab Mitte, Ende Dezember können wir das dann bieten, weil dann der Ausbau des ICC abgeschlossen sein wird», sagte Broemme dem RBB-Inforadio am Samstag. Eigentlich sollte das Impfzentrum für Großveranstaltungen wie die Landwirtschaftsmesse ins ICC weichen. Die Aufbauarbeiten im ICC laufen bereits. Nach dem Aus für die Grüne Woche wird es nun aber beide Impfzentren geben.

Broemme zeigte sich zugleich erleichtert darüber, dass Berlin auch in der ruhigeren Phase der Corona-Pandemie zwei der insgesamt sechs Impfzentren nicht geschlossen hat. Nun ginge es darum, Impfprozesse zu optimieren und Durchlaufzeit für die jeweiligen Impflinge zu verkürzen. Bei den Impfstellen ist die Nachfrage in den vergangenen Tagen gestiegen, immer wieder sind Warteschlangen zu beobachten. So mussten etwa Menschen ohne Termin am Samstag am Impfzentrum Tegel bis zu vier Stunden warten, wie ein dpa-Reporter schilderte.

In den Berliner Impfstellen wird der Biontech-Impfstoff seit Samstag im wesentlichen nur noch an Menschen unter 30 Jahren und an Schwangere verabreicht. Hintergrund ist eine Begrenzungen bei Bestellmengen für den Biontech-Impfstoff, über die die Länder in einem Schreiben des Bundesgesundheitsministeriums informiert worden waren. Dafür soll bei den Auffrischungsimpfungen vermehrt das Präparat von Moderna zum Einsatz kommen.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Top News

2. bundesliga

Relegation: Sieg in Dresden: Kaiserslautern feiert Zweitliga-Aufstieg

Musik news

Rockband: Rocker Steven Tyler auf Entzug - Aerosmith sagt Konzerte ab

Musik news

«Udopium»-Tour: Erstes Lindenberg-Konzert nach drei Jahren

Musik news

Rockmusiker: Iggy Pop nimmt schwedischen Polarpreis entgegen

Internet news & surftipps

Snapchat: Snap-Aktie fällt um 40 Prozent nach Geschäftswarnung

Auto news

Automobilwirtschaft: Brennstoffzellen treiben neue Transporter an

Das beste netz deutschlands

Featured: Giga AR Fitness App: Dein Workout mit Augmented Reality

Handy ratgeber & tests

Featured: Smarte Vatertag-Gadgets: Von der Bluetooth-Kühlbox bis zur Flugdrohne

Empfehlungen der Redaktion

Regional berlin & brandenburg

Projektleiter: Etwa 3000 Impfungen mehr nach Messe-Absage

Regional berlin & brandenburg

Grüne Woche ist abgesagt: Impfzentrum Messe macht weiter

Regional berlin & brandenburg

Berlin startet Kinderimpfungen: Sogar im Museum

Regional berlin & brandenburg

Neues Impfzentrum soll auf Trabrennbahn im Osten entstehen

Regional berlin & brandenburg

Impfzentrum auf dem Messegelände zieht ins ICC um

Regional berlin & brandenburg

Impfbetrieb im ICC ist gestartet

Regional berlin & brandenburg

Kalayci plädiert für Weihnachten ohne große Feiern

Regional berlin & brandenburg

Berlin bekommt eine Impfstelle im Osten der Stadt