Opfer sexueller Gewalt erhebt Vorwürfe gegen Landeskirche

11.10.2021 Eine Frau, Opfer sexueller Gewalt in einer evangelischen Kirchengemeinde in Georgsmarienhütte, hat Kritik an der aus ihrer Sicht schleppenden Aufarbeitung in der evangelischen Landeskirche Hannover geübt. Am Montag machte sie bei einer Pressekonferenz öffentlich, wie sie als Kind in den 1970er Jahren von einem Mitarbeiter ihrer Kirchengemeinde sexuell belästigt worden sei.

Pastorin Karoline Läger-Reinbold (l), Leiterin der Fachstelle Sexualisierte Gewalt der Landeskirche Hannovers und Oberlandeskirchenrat Rainer Mainusch, Leiter der Rechtsabteilung des Landeskirchenamtes Hannover, sprechen während der Pressekonferenz. Foto: Ole Spata/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bei einer Ferienfreizeit in Österreich habe der damals angehende Diakon ihr auch Gewalt angetan, sagte die anonym bleibende Frau in einem Video, das bei der Pressekonferenz der Landeskirche in Georgsmarienhütte vorgestellt wurde. «Nach heutiger Rechtslage muss man das als Vergewaltigung bezeichnen.» Damals sei sie elf Jahre alt gewesen.

Die Vorfälle ereigneten sich im heutigen Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte. Nachdem 2010 die Missbrauchsfälle im Berliner Canisiuskolleg und der Odenwaldschule bekannt geworden waren, habe sie sich an den damaligen Landessuperintendenten gewandt, der sich wiederum an den Justiziar der Landeskirche gewandt habe. Beide hätten aber weder den zuständigen Superintendenten noch den Pastor der Gemeinde informiert. Daher habe es auch keine öffentlichen Aufrufe an mögliche weitere Opfer gegeben.

Im Spätsommer vergangenen Jahres habe sie sich über Anerkennungsleistungen wegen erlittenen Leids im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt bei der Landeskirche informiert. Ihre Erfahrungen damit seien für sie sehr belastend, intransparent und wenig betroffenenfreundlich gewesen. Die Landeskirche Hannover habe sehr unstrukturiert, unprofessionell und wenig empathisch agiert. «Ich habe mich wie eine Bittstellerin gefühlt», sagte die Frau.

Vertreter des Kirchenkreises und der Gemeinde zeigten sich erschüttert über die Vorfälle. Die Begegnung mit der Frau und ihrer Leidensgeschichte «macht uns heute noch sprach- und fassungslos», sagte der Pastor der König-Christus-Gemeinde Oesede, Nils Donadell. Solche Taten zerstörten Vertrauen und pervertierten die Kirche.

Der Justiziar der Landeskirche, Rainer Mainusch, räumte ein, dass 2010 der Umgang mit sexualisierter Gewalt seitens der Kirche ein anderer gewesen sei als heute. «Gemessen an unseren heutigen Grundsätzen war das ein Fehler.» Anfang dieses Jahres seien neue Grundsätze dazu zusammengefasst worden.

© dpa-infocom GmbH

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