Mehr Nachfrage nach Suchtberatungen in Brandenburg

15.07.2021 Die Corona-Pandemie hat Probleme in den Familien verstärkt. Homeoffice, Kurzarbeit oder drohende Arbeitslosigkeit belasten die Menschen. Das Risiko an einer Sucht zu erkranken wird höher.

Andrea Hardeling, Geschäftsführerin der Brandenburgische Landesstelle für Suchtfragen. Foto: Dietmar Spolert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie machen sich in Brandenburg auch mit einer spürbaren Nachfrage nach Beratungen in den Suchtberatungsstellen bemerkbar. «Die Menschen suchen Hilfe in für sie schwierigen Situationen, die auch ihr Umfeld - Partner, Kinder und Freunde - enorm belasten», sagt Andrea Hardeling, Geschäftsführerin der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen. Hilfe zu suchen sei ein erster Schritt, der nie leicht falle.

Landesweit gibt es insgesamt etwa 20 Beratungsstellen und Außenstellen für suchtkranke Menschen. Pro Jahr werden etwa 10.000 Beratungen registriert. In den ersten Monaten vermeldeten die Einrichtungen bereits einen deutlichen Anstieg, sagte Hardeling. Zahlen liegen aber noch nicht vor.

Die außergewöhnlichen Umstände der Pandemie würden für die Familien große Belastungen bringen. Während viele Familien zusammenrückten, nähmen Probleme dort zu, wo Alkohol als Löser eine Rolle spiele. «Betroffene Suchtkranke kommen leider erst dann, wenn sie schon viele Jahre abhängig sind», sagte Hardeling.

Nach wie vor sei Alkohol die Droge Nummer 1. Es wäre schön, wenn Alkoholkranke und ihre Angehörigen früher Hilfe suchten. Nach den Erfahrungen in den Suchtberatungsstellen trinken Menschen, die ohnehin ein riskant Alkohol konsumieren, in der Corona-Zeit deutlich mehr als zuvor. Selbst finanzielle Einbußen ließen den Konsum steigen.

«Vor allem Kinder und Jugendliche haben in den vergangenen Monaten unter Lockdown und Social Distancing gelitten», sagte Hardeling. Ihnen fehle in Konfliktsituationen zu Hause der Ausgleich und die Unterstützung durch das soziale Umfeld, wenn Mutter oder Vater trinken. «Sie sind als besonders gefährdet anzusehen», sagte Hardeling. Kinder und Jugendliche benötigten Angebote, um die psychischen und sozialen Folgen des Lockdowns aufzufangen.

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