Kliniken und Pflege bereiten sich auf Impfpflicht vor

19.01.2022 Kliniken und Pflegeeinrichtungen haben nicht nur mit mehr Corona-Erkrankten zu tun. Auch Gespräche über die kommende Impfpflicht brauchen Zeit. Einige rechnen mit Kündigungen.

Eine Arzthelferin hält eine Ampulle mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer in der Hand. Foto: Lennart Preiss/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Vor der ab Mitte März geltenden Corona-Impfpflicht für Mitarbeiter in Arztpraxen, Kliniken und Pflegeheimen sehen Betreiber in Brandenburg eine hohe Impfbereitschaft, wissen aber auch um das «sensible» Thema. Große Versorger wie das Klinikum Ernst von Bergmann (EvB) in Potsdam, verzeichnen nach eigenen Angaben eine sehr positive Entwicklung unter dem Personal. «Das sehen wir auch bei den aktuellen Boosterimpfungen, die auch weiterhin sehr gut angenommen werden», sagt der Sprecher der Geschäftsführung, Hans-Ulrich Schmidt, der Nachrichtenagentur dpa.

Die Impfbereitschaft unter den Beschäftigten sei hoch. «Wir finden, das ist auch eine Frage einer professionellen Grundhaltung in helfenden Berufen und dient dem Patientenschutz.» Die sogenannte einrichtungsbezogene Impfpflicht sieht vor, dass Beschäftigte in Einrichtungen wie Arztpraxen, Kliniken und Pflegeheimen bis zum 15. März nachweisen müssen, dass sie geimpft oder genesen sind.

Im Carl-Thiem-Klinikum (CTK) in Cottbus wird nach Angaben von Sprecherin Anne Holzschuh derzeit der Immunisierungsstatus der Mitarbeitenden erfasst. Zahlen über den Impfstatus konnte sie deshalb zunächst nicht nennen. Das Klinikum setzt auf Impfterminangebote für die Beschäftigten, auf Aufklärung und Information.

Das Klinikum Niederlausitz in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) sucht nach eigenen Angaben derzeit verstärkt das Gespräch mit den Mitarbeitenden und bittet dabei, vor dem 15. März einen Impfnachweis einzureichen. Ein interaktives Formular gebe zudem die Möglichkeit, anonym Fragen einzureichen, die beantwortet würden.

Das Deutsche Rote Kreuz in Brandenburg berichtet von einer hohen Impfquote unter dem Personal - sowohl unter den Beschäftigten in der Pflege als auch in der Eingliederungshilfe. Sie liege mit über 80 Prozent deutlich über dem Landesdurchschnitt, berichtet die Sprecherin des DRK-Landesverbands, Marie-Christin Lux. Das Thema Impfpflicht unter dem Personal beschreibt sie als «hochrelevant und emotional». Kreisverbände als Träger von Pflegeeinrichtungen würden bei diesem Prozess begleitet.

Auch in den DRK-Einrichtungen gibt es Lux zufolge Beschäftigte, die bislang noch nicht geimpft sind. In persönlichen Gesprächen werde auch über arbeitsrechtliche Konsequenzen ab Mitte März bei einer Nicht-Impfung informiert. Es gebe durchaus Überlegungen einzelner Beschäftigter, das Arbeitsverhältnis deshalb zu beenden, so die Sprecherin. Landesweit betreibt das DRK 37 ambulante Pflegedienste, 21 Tagespflegen und 14 vollstationäre Pflegeeinrichtungen.

Dass Mitarbeitende wegen der geplanten Impfpflicht gekündigt hätten, sei dem Klinikum nicht bekannt, berichtet EvB-Sprecher Schmidt in Potsdam. Das Klinikum stelle seit 1. Januar nur noch genesenes oder geimpftes Personal ein. Für ungeimpfte Mitarbeitende, die bereits in der Einrichtung arbeiten, würden weiter wöchentlich Impftermine angeboten. Ab dem 16. März sei das Klinikum dazu verpflichtet, Mitarbeitende ohne Immunitätsnachweis dem Gesundheitsamt zu melden.

Am CTK in Cottbus liegt die Abwanderungrate des Personals nicht über der der Vorjahre, wie Sprecherin Holzschuh mitteilt. Kündigen werde das Klinikum keinem ungeimpften Personal. Nach einer Meldung des Impfstatus an das zuständige Gesundheitsamt obliegt es den Behörden, ein Beschäftigungsverbot oder und Betretungsverbot auszusprechen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) befürchtet nach Worten ihres Vorstandschefs Peter Noack, dass eine Impfpflicht für den medizinischen Bereich zu Kündigungen von ungeimpften Personal in den Praxen führen wird - im schlimmsten Fall zu Praxisschließungen. «Den politisch Verantwortlichen muss bewusst sein, dass eine Impfpflicht in medizinischen Einrichtungen zu kurz greift.» Noack fordert deshalb tragfähige Lösungen für eine allgemeine Impfpflicht.

Im Land sind bislang knapp 1,7 Millionen Menschen vollständig geimpft - das entspricht einer Impfquote von 66,4 Prozent. Darüber hinaus hat 41,7 Prozent der Bevölkerung eine Auffrischimpfung erhalten.

Die Corona-Fälle nehmen indes landesweit zu. Für die vergangenen sieben Tage meldeten die Gesundheitsämter 689,8 Neuinfektionen je
100 000 Einwohner, wie das Robert Koch-Institut mitteilte. Vor einer Woche hatte der Wert noch bei 463,0 gelegen. Am stärksten betroffen ist die Landeshauptstadt Potsdam mit einem Wert von 1113,1, gefolgt von den Landkreisen Teltow-Fläming (904,7) und Havelland (783,0), wo seit Mittwoch 00 Uhr eine nächtliche Ausgangsbeschränkung angeordnet wurde, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Im Kreis Oder-Spree gilt mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 866,8 eine Ausgangsbeschränkung zwischen 22 und 6 Uhr ohne Unterbrechung seit Anfang Dezember. Voraussetzungen zur Aufhebung haben nach Angaben des Sprechers des Landkreises bislang nicht vorgelegen.

Die Omikron-Variante des Coronavirus ist unterdessen landesweit auf dem Vormarsch. Bis 00.00 Uhr wurden 4878 Fälle erfasst, am Dienstag waren es 4441, wie es vom Gesundheitsministerium hieß.

Insgesamt kamen innerhalb eines Tages 4233 neue Corona-Fälle hinzu. 420 Patienten werden in Krankenhäusern behandelt, davon liegen 106 auf Intensivstationen, hiervon müssen 81 beatmet werden. Der Anteil der Patienten in den zur Verfügung stehenden Intensivbetten liegt bei 13,9. 30 neue Sterbefälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung wurden gemeldet.

© dpa-infocom GmbH

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