Grundstein für Potsdamer Synagoge gelegt

08.11.2021 Bisher ist Potsdam die einzige Landeshauptstadt ohne Synagoge, wenn man von einem kleinen neuen jüdischen Gotteshaus in der Universität absieht. Nun beginnt der Bau - nach jahrelangem Zwist zwischen jüdischen Gemeinden.

Kinder legen eine kupferne Dokumentenrolle zur Grundsteinlegung für die Synagoge Potsdam in die Erde. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Bau der neuen Potsdamer Synagoge hat begonnen - nach jahrelangem Streit zwischen jüdischen Gemeinden. Im Beisein des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), wurde am Montag der Grundstein gelegt. Bis März 2024 soll mitten in Potsdam gegenüber dem Landtag im wiederaufgebauten Stadtschloss ein Synagogen- und Gemeindezentrum entstehen.

«Nicht zuletzt setzen wir heute mit der Grundsteinlegung für eine neue Synagoge hier in Potsdam ein deutliches und sichtbares Zeichen unseres Glaubens an eine Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland», sagte Schuster. «Denn wer baut, der bleibt. Und das haben wir fest vor.» Woidke sagte: «In der Mitte der Stadt, in Sichtweite des Landtags, wird die Synagoge ein klares Bekenntnis zum Judentum in Brandenburg sein.» Das Bekenntnis sei mehr als notwendig. «Wir haben in den vergangenen Jahren zunehmend abscheuliche Angriffe und offenen Antisemitismus erleben müssen.»

Das Land Brandenburg finanziert den Bau mit rund 13,7 Millionen Euro. Die Synagoge wird mit der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland errichtet. Das alte jüdische Gotteshaus war 1938 zerstört worden. Um die Gestaltung der Fassade und die Nutzung der Innenräume der Synagoge gibt es zwischen den jüdischen Gemeinden seit mehr als zehn Jahren erbitterten Streit. Der Landesverband West der jüdischen Kultusgemeinden sowie der Landesverband der jüdischen Gemeinden Brandenburg konnten sich nicht über Bau und Betrieb des religiösen Zentrums einigen. 2011 wurde das Projekt wegen des Streits vorerst gestoppt.

Kulturministerin Manja Schüle (SPD), die sich für den Bau eingesetzt hatte, zeigte sich erfreut: «Die heutige Grundsteinlegung (...) ist der glücklichste Moment meiner Amtszeit als Kulturministerin.» Die Synagoge werde nicht aus schlechtem Gewissen gebaut, sondern weil die Potsdamer Jüdinnen und Juden sonst keinen sicheren und würdigen Platz zum Beten und Feiern hätten.

Zu Kritikern der aktuellen Pläne gehörte bisher der Vorsitzende der Potsdamer Synagogengemeinde, Ud Joffe. Er setzte den Streit hintan und sprach am Rande der Grundsteinlegung von einem Gebäude «für uns alle». «Das ist unsere Aufgabe, (...) Sorge zu tragen, dass die Interessen und Wünsche von allen berücksichtigt werden.» Die Jüdische Gemeinde Potsdam, die die aktuellen Pläne befürwortet hatte, zeigte sich über die Grundsteinlegung «überglücklich».

Die Synagoge soll ein offenes Haus sein: Nach dem Entwurf des Architekten Jost Haberland ist im Erdgeschoss ein Café für Besucher vorgesehen. Das religiöse Zentrum soll im ersten Geschoss liegen. Darin ist ein Gebetsraum geplant, der rund neun Meter hoch sein wird und Platz für knapp 200 Gläubige bieten wird.

Seit einigen Wochen hat Brandenburgs Landeshauptstadt in kleinerem Maßstab wieder eine Synagoge - in der Universität Potsdam. Sie ist als Teil des neuen Europäischen Zentrums für Jüdische Gelehrsamkeit vor allem für Studentinnen und Studenten vorgesehen.

© dpa-infocom GmbH

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