Gewerkschaft GEW sieht Lehrerverbeamtung skeptisch

19.10.2021 Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht in der von SPD, Grünen und Linken in Berlin angekündigten Verbeamtung von Lehrkräften kein Allheilmittel gegen den Fachkräftemangel. «Das Vorhaben kommt mir vor wie weiße Salbe: Sieht gut aus, wird aber nichts bringen», sagte der GEW-Landesvorsitzende Tom Erdmann der Deutschen Presse-Agentur. Den Beweis liefere ein Blick nach Sachsen. Dort würden Lehrer seit drei Jahren wieder verbeamtet. Allerdings seien seither keine zusätzlichen Lehrkräfte in das Bundesland gekommen.

Eine Lehrerin schreibt in einer Grundschule Worte an eine Tafel. Foto: Sebastian Gollnow/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

«Das eigentliche Problem ist doch: Man muss mehr ausbilden», sagte Erdmann. Nur so bekomme man den Fachkräftemangel, der in Berlin sowohl an den Schulen als auch den Kitas «riesengroß» sei, in den Griff. Erdmann erinnerte daran, dass im aktuellen Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und Linken aus dem Jahr 2016 vereinbart wurde, jährlich 2000 Lehrkräfte an den Hochschulen auszubilden. «Das Ziel wurde klar verfehlt, wir kommen gerade mal auf 900 pro Jahr.» Nötig seien deshalb deutlich verbindlichere Regelungen mit den Hochschulen, zumal eher 3000 als 2000 neue Lehrkräfte pro Jahr gebraucht würden.

Parallel dazu müssten Seiteneinsteiger an den Schulen, die kein Schulfach studiert hätten, besser qualifiziert werden, forderte Erdmann. Um Ungerechtigkeiten zu vermeiden, seien zudem Kompensationen für diejenigen Lehrerinnen und Lehrer nötig, die - etwa aus Altersgründen - nicht verbeamtet werden könnten. Ein Hebel könne hier die Arbeitszeit sein, konkrete Lösungsansätze seien die Parteien bislang aber schuldig geblieben.

In der Vorwoche hatten sich SPD, Grüne und Linke auf 19 Leitlinien verständigt, die Grundlage für die künftige Zusammenarbeit und Koalitionsverhandlungen sein sollen. «Zur Gewinnung, Aus- und Fortbildung von pädagogischem Fachpersonal werden wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, die einen nachhaltigen Personalaufwuchs ermöglichen», heißt es in dem Papier. Dazu gehöre auch die Verbeamtung von Lehrerinnen und Lehrern. An diesem Freitag sollen die Koalitionsverhandlungen starten.

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