Gewalttat in Heim: Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Haft

17.12.2021 Die Bluttat in einem Potsdamer Heim für schwer behinderte Menschen hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt: Eine Pflegekraft soll fünf Bewohnern die Kehlen durchgeschnitten haben, nur eine Frau überlebte schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft fordert eine lange Freiheitsstrafe.

Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wegen der Tötung von vier wehrlosen Bewohnern eines Potsdamer Wohnheims für Behinderte hat die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren für die Angeklagte gefordert. Die ehemalige Pflegekraft habe sich des vierfachen Mordes und mehrfachen Mordversuchs schuldig gemacht, erklärte Staatsanwältin Maria Stiller am Freitag in ihrem Plädoyer. Zudem forderte sie die Unterbringung der 52-Jährigen in einer psychiatrischen Klinik und ein lebenslanges Berufsverbot. Das Urteil der 1. Strafkammer des Potsdamer Landgerichts soll am nächsten Mittwoch gesprochen werden.

Die Taten der Pflegekraft seien «abgrundtief böse» gewesen, sagte Staatsanwältin Maria Stiller in ihrem Plädoyer. Die 52-Jährige, die sich jahrelang engagiert und liebevoll um die Bewohner gekümmert hätte, habe die Arglosigkeit ihrer Kollegen und die Wehrlosigkeit der Opfer ausgenutzt, sagte Stiller. «Die Hand, die normalerweise helfend an ihr Bett trat, nahm ihnen das Leben.»

Das gezielte Handeln der Angeklagten spreche gegen eine Aufhebung der Steuerungsfähigkeit der Angeklagten zum Tatzeitpunkt, sagte die Staatsanwältin. Die Gerichtspsychiaterin Cornelia Mikolaiczyk habe aber eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit wegen einer Persönlichkeitsstörung erkannt. Daher sei von einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes abzusehen, erklärte Stiller.

Dagegen forderte der Verteidiger Henry Timm das Gericht auf, die Schuldunfähigkeit seiner Mandantin anzuerkennen. Die 52-Jährige sei nach traumatischen Erlebnissen in der Kindheit mit einer gewalttätigen und ablehnenden Mutter von einem «inneren Monster» beherrscht, was schließlich zu einem tödlichen Gewaltausbruch geführt habe, sagte Timm am Freitag in seinem Plädoyer. Zuvor habe die Frau bei innerer Anspannung und Wut immer wieder Gewaltfantasien gehabt. Daher sei die Unterbringung seiner Mandantin in einer psychiatrischen Klinik geboten. Einen konkreten Strafantrag stellte er nicht.

Auch die Vertreterin der Nebenklage von Angehörigen der Opfer forderte kein bestimmtes Strafmaß. Die Rechtsanwältin forderte aber das Gericht auf, bei der Abwägung in der Urteilsfindung das Leid der Angehörigen angemessen zu berücksichtigen.

Die 52-jährige Angeklagte äußerte sich in ihrem Schlusswort im Prozess erstmals zu den Taten und bat die Angehörigen um Entschuldigung. «Als ich zur Arbeit ging, habe ich nicht gedacht, dass ich die Kontrolle verliere», sagte sie. «Auch wenn ich hier nicht weine oder zusammenbreche, ist es so, dass ich immer noch nicht glauben kann, was ich gemacht habe.» Ihr Mann, ihr Haus und ihre Kinder seien weg, klagte sie: «Es tut mir ganz doll leid.»

Die Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft Ende April vier wehrlose Bewohner im Wohnheim des diakonischen Trägers Oberlinhaus im Alter zwischen 31 und 56 Jahren mit einem Messer auf ihren Zimmern getötet haben. Nach den Angaben eines Pathologen waren drei der Todesopfer vollständig und eines halbseitig gelähmt. Zuvor soll die Pflegekraft vergeblich versucht haben, zwei der Opfer zu erwürgen. Eine 43 Jahre alte Bewohnerin überlebte die Attacke nach einer Notoperation.

© dpa-infocom GmbH

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