Gewalttat im Heim: Psychiaterin hat keine Erklärung

18.11.2021 Eine ehemalige Pflegekraft soll vier Bewohner eines Behindertenwohnheims in Potsdam getötet haben. Im Prozess sucht das Gericht nach Motiven für die Tat. Die Angeklagte selbst schweigt bislang.

Die 52-jährige Pflegekraft (r, mit dunkler Kapuze) im Gerichtssal. Foto: Anna Kristina Bückmann/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Prozess um die Tötung von vier Bewohnern eines Potsdamer Heims für Menschen mit Behinderung haben am Donnerstag die Psychiaterin und der Ehemann der Angeklagten ausgesagt. «Es muss eine Ausnahmesituation gewesen sein. Mir fehlt eine Erklärung», sagte die Ärztin am vierten Prozesstag im Landgericht Potsdam. Die Tötung der Bewohner könne sie sich nicht erklären.

Die Psychiaterin sagte weiter, dass Selbstmordgedanken im Leben der Angeklagten immer eine Rolle gespielt hätten. Die Therapie sei «ein Ringen ums Überleben» gewesen, so die Ärztin, bei der die Frau in Behandlung war. Die 52 Jahre alte Angeklagte leide unter einer chronischen Depression und einer Persönlichkeitsstörung.

Sie habe ihr dazu geraten, sich krankzuschreiben, ein paar Tage raus zu nehmen. Aber die 52-Jährige habe das meist nicht gewollt. Sie habe die Mehrbelastung ihren Kollegen nicht antun wollen. Das höre sie als Psychiaterin häufiger von Pflegekräften, die bei ihr in Behandlung seien.

Die 52 Jahre alte ehemalige Pflegekraft des Heims ist wegen Mordes und versuchten Mordes angeklagt. Sie soll am Abend des 28. April in dem Wohnheim vier wehrlose Bewohner im Alter zwischen 31 und 56 Jahren mit einem Messer in ihren Zimmern angegriffen und tödlich verletzt haben. Ein Pathologe hatte am ersten Prozesstag angegeben, dass drei der Opfer vollständig gelähmt waren und eines halbseitig gelähmt war. Eine 43 Jahre alte Bewohnerin überlebte schwer verletzt nach einer Notoperation.

Als die Angeklagte am Abend des 28. April nach Hause gekommen sei, habe sie ihr Ehemann in völlig verwirrtem Zustand angetroffen. «Die hat mich ganz komisch angeguckt.» Er habe seine Frau noch nie so erlebt. Zur Arbeitssituation im Thusnelda-von-Saldern-Haus sagte der 57-Jährige: «Sie war komplett überfordert. Die ganzen Mitarbeiter waren völlig überfordert von der Situation. Ich habe ihr geraten aufzuhören.» Aber die Angeklagte habe ihre Arbeit geliebt. Wenn es an arbeitsfreien Tagen einen Anruf gegeben habe, ob die 52-Jährige einspringen könne, weil jemand krank sei, habe sie immer ja gesagt.

Bislang hat sich die Angeklagte nicht zu den Vorwürfen geäußert. Nach einem psychiatrischen Gutachten soll sie die Taten im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit begangen haben.

Der nächste Verhandlungstag ist am 23. November, weitere Termine gibt es bis Mitte Dezember.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Top News

Champions league

Europäischer Fußball: Der reiche Super-League-Club: Pérez und seine Freunde

Auto news

Toyotas neues Sportcoupé: GR86 startet ab 33 990 Euro

Gesundheit

Deutschland-Karte: Krankenkassen-Studie: Regionale Unterschiede bei Krankheiten

Musik news

Corona-Infektion: Herbert Grönemeyer sagt Jubiläumstour ab

Musik news

Popstar: Harry Styles unterbricht Konzert - um einem Fan zu helfen

Internet news & surftipps

Banken: Bundesweite Störung von Giro-Karten-Terminals

Tv & kino

Laufsteg-Show: «Jetzt sind wir Profis» - Das 17. Topmodel-Finale

Das beste netz deutschlands

Smartphone-Spiel: Macher von «Pokémon Go» entwickeln eigenes soziales Netzwerk

Empfehlungen der Redaktion

Regional berlin & brandenburg

Angehörige eines Potsdamer Opfers: «War unser Sonnenschein»

Regional berlin & brandenburg

Ex-Pflegerin: Zahl kranker Mitarbeiter war «Wahnsinn»

Regional berlin & brandenburg

Gutachterin: Angeklagte während Gewalttat wie «im Vakuum»

Regional berlin & brandenburg

Gewalt im Heim: Pfleger: «Man springt von Zimmer zu Zimmer»

Regional berlin & brandenburg

Prozess um tödliche Gewalttat: Angeklagte gestand Tat

Regional berlin & brandenburg

15 Jahre Freiheitsstrafe für Morde an vier Menschen im Heim

Regional berlin & brandenburg

Gewalttat in Heim: Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Haft

Regional berlin & brandenburg

Tödliche Gewalttat: Urteil noch vor Weihnachten geplant