Freispruch im Prozess um Tod von Baby

15.12.2021 Ein Mann in Brandenburg erstattet Anzeige bei der Polizei: Eine Frau soll vor 21 Jahren ihr Baby getötet haben. Eine Leiche wird nie gefunden. Nun haben Richter ein Urteil gesprochen.

Die Angeklagte steht vor Beginn der Urteilsverkündung neben ihrem Anwalt. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Es war im Sommer 2000, als eine Frau in Brandenburg ein Kind zur Welt brachte. Lebte es bei der Geburt noch? Mit dieser Frage hat sich das Potsdamer Landgericht im Prozess um eine Kindstötung befasst. Die Richter sprachen am Mittwoch die unterdessen 61-jährige Mutter vom Vorwurf des Totschlags frei. «Im Zweifel für den, in diesem Fall, die Angeklagte», sagte der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter (21 Ks 5/18). Es stehe im Raum, dass es ein gewaltsames Geschehen gegeben habe, aber es gebe auch begründete Zweifel dagegen.

Die 61-Jährige war angeklagt, ihr lebensfähiges Kind geboren und dann «durch Stiche mit einem spitzen Gegenstand in den Brustkorb» in einem Wohnhaus im Potsdamer Wohngebiet Schlaatz getötet zu haben. Als Motiv sah die Staatsanwaltschaft, dass sie ihre Ehe nicht habe gefährden wollen. Nach Angaben der Angeklagten selbst wurde das Kind bei einem Seitensprung gezeugt.

Die Tat kam 2017 ans Licht, als der Ex-Mann einem Gartennachbarn vom Geschehen erzählte. Dieser erstattete Anzeige bei der Polizei.

Die Angeklagte hatte ausgesagt, das Baby in der Badewanne geboren zu haben. Es soll im Sommer 2000 gewesen sein. Sie sei dann ohnmächtig geworden und habe das Neugeborene anschließend tot aus dem Wasser geholt. Das Kind soll eine Frühgeburt gewesen sein, etwa fünf bis sechs Monate alt. Der Ex-Mann hatte gesagt, er habe Stiche im Körper des Kindes gesehen, als er es in einer Tüte in der Wohnung entdeckte. Die Tüte habe er in einer Mülltonne entsorgt. Bei der polizeilichen Vernehmung, 17 Jahre nach der Tat, sprach er von mehreren Verletzungen, bei der richterlichen Vernehmung nur noch von einer. Die Ermittler hatten die Leiche nicht gefunden.

Das Gericht sehe keinen Grund dafür, dass der Zeuge bewusst gelogen habe, sagte Horstkötter. Aber: «In dieser langen Zeit können sich Irrtümer einschleichen». Man habe keinen Leichnam eines Kindes, an dem man Spuren von gewaltsamer Einwirkung hätte feststellen können; und auch keinen weiteren unmittelbaren Zeugen. «Wir haben hier eine Aussage-Aussage-Konstellation.» Wenn das Kind tatsächlich erst so alt gewesen sei, «etwa 500 Gramm, ein Winzling», sagte Horstkötter, dann sei es auch nicht lebensfähig gewesen.

«Das, was wir hier an Beweisen festgestellt haben, reicht nicht aus, sie zweifelsfrei als schuldig anzusehen», sagte Horstkötter. Denn, selbst wenn die Angeklagte die Schwangerschaft geheim gehalten habe, könne man ihr nicht den Plan nachweisen, das Kind nach der Geburt töten zu wollen. Der Grundsatz «Im Zweifel für den Angeklagten» sei ein «grundlegendes Prinzip unseres Rechtsstaats». Es gebe nichts schlimmeres, als in einer solchen Sache einem Fehlurteil zu unterliegen und eine möglicherweise unschuldige Angeklagte zu verurteilen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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