Bündnis will Abschussquote für Wölfe: Ministerium dagegen

27.01.2022 Die Zahl der Wölfe in Brandenburg ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Das Aktionsbündnis Forum Natur plädiert für eine Abschussquote. Das sorgt für Diskussionen.

Zwei Wölfe in einem Gehege im Wildpark Schorfheide. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Debatte über den Umgang mit Wölfen in Brandenburg spitzt sich weiter zu. Das Aktionsbündnis Forum Natur (AFN) hat sich jetzt dafür ausgesprochen, in Brandenburg dieses Jahr 80 Wölfe zum Abschuss freizugeben. In dem Bundesland gibt es laut Hochrechnungen des AFN derzeit rund 700 Tiere.

Der sogenannte Akzeptanzwert für das Land liegt bei 510 Wölfen, heißt es in einem Modell für das zukünftige Bestandsmanagement der Wölfe, das eine Abschussquote vorsieht und am Mittwochabend im Rahmen einer Veranstaltung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) vorgestellt wurde. Das Brandenburger Umweltministerium sieht keine rechtliche Grundlage für einen Abschuss von Wölfen nach einem Kontingent, Kritik an den Plänen kommt von Umweltschützern.

Das Bündnis plädiert dafür, dass Wölfe nicht nur unter das Naturschutzrecht, sondern auch unter das Jagdrecht fallen sollen - und somit abgeschossen werden dürfen. Die wachsende Population mache es «unabdingbar», die Gesetze um ein Begrenzungsverfahren zu ergänzen und eine Abschussquote zu erlassen, sagte Dirk-Henner Wellershoff, der Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg. Der Bauernverband Brandenburg bezeichnete die Regulierung als «Kompromiss zwischen Weidetierhaltung und Wolfsschutz». Die vorgeschlagene gesetzliche Verankerung einer Abschussquote sei «mehr als überfällig».

Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung sei eine Prüfung von Möglichkeiten eines regionalen Bestandsmanagements angekündigt, hieß es im Brandenburger Umweltministerium. Zudem sei die laufende Überprüfung von bisherigen Einzelfallentscheidungen zum Abschuss von Wölfen durch die EU-Kommission abzuwarten. Die Landesregierung setze weiterhin auf Maßnahmen zum Herdenschutz vor Wölfen, Entschädigungen bei Wolfsrissen und auf die brandenburgische Wolfsverordnung zum Abschuss von Wölfen auf der Grundlage der Ausnahmevorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes.

Der Naturschutzbund Brandenburg (Nabu) sprach sich gegen eine Abschussquote aus. Stattdessen müsse sich auf Gebiete mit besonders vielen Schäden an Nutztieren konzentriert werden, hieß es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Dort müssten die Prävention verbessert und gegebenenfalls einzelne Tiere mit «unerwünschtem Verhalten» zum Abschuss freigegeben werden.

Die Zahl der Wölfe hat in den vergangenen Jahren in Brandenburg deutlich zugenommen. Das Landesamt für Umwelt Brandenburg (LfU) dokumentiert die Schätzungen in sogenannten Wolfsjahren. Ein Wolfsjahr umfasst den Zeitraum vom 1. Mai bis zum 30. April des Folgejahres. Die Population wird in Rudeln gemessen, wobei ein Rudel im Schnitt aus acht Tieren besteht. Für den Messzeitraum 2020/2021 registrierte das LfU 49 Rudel und acht Paare und somit insgesamt 408 Tiere. Fünf Jahre zuvor dokumentierte das LfU noch 16 Rudel und neun Paare, also 146 Tiere.

«Es kann keinen Zweifel geben, dass die Ausbreitung der Wölfe mittlerweile in mehreren Bundesländern anfängt aus dem Ruder zu laufen», sagte Eberhardt Hartelt, Vorstand im AFN und Umweltbeauftragter des Deutschen Bauernverbandes, laut Mitteilung. Das AFN ist ein Zusammenschluss aus 15 Verbänden, darunter unter anderem der Deutsche Bauernverband (DBV), der Deutsche Jagdverband (DJV) und der Deutsche Fischereiverband (DFV).

© dpa-infocom GmbH

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