Berlin: Corona-Maßnahmen-Gegner demonstrieren vor TV-Studio

17.01.2022 Gegner der Corona-Maßnahmen sind in Berlin erneut auf die Straße gegangen. Sie stoppten auch vor einem Fernsehstudio.

Das Blaulicht eines Polizeifahrzeugs ist zu sehen. Foto: Christoph Soeder/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Tausende Menschen haben nach Angaben der Polizei am Montagabend in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert. Eine der größeren Demos zog vom Alexanderplatz Richtung Brandenburger Tor, dort setzten sich laut der Transparente «Geimpfte und Ungeimpfte gegen die Impfpflicht» ein. Nur wenige Menschen trugen Maske. Aus einem Lautsprecher-Wagen tönte: «Merkel, Spahn, Steinmeier, Drosten in den Knast». Vor dem ZDF-Hauptstadtstudio stoppte der Zug für eine Zwischenkundgebung. Ein Redner beschimpfte die «deutschen Medien», die «gleichgeschaltet» seien wie 1933, er sprach auch von «Lügenpresse».

Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf 800. Bei einem anderen Protest in Alt-Tegel seien 900 Menschen gewesen. Insgesamt hätten 3000 Menschen stadtweit demonstriert, darunter waren auch Gegenproteste. Eine Gegenkundgebung am Alexanderplatz war mit dem Motto «Geradedenken gegen Querdenken und Rechts» angemeldet worden.

Der Montagabend wurde von Initiatoren der Corona-Proteste als Termin gewählt, um an Demonstrationen von Bürgerrechtlern in der DDR 1989 zu erinnern. Im Messengerdienst Telegram war unter den Slogans «Berlin steht auf» und «Montagsspaziergänge» für fast alle Berliner Bezirke zu Demonstrationen vor den Rathäusern oder an anderen Stellen aufgerufen worden. Auch an der Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg, einem bekannten Anlaufpunkt von Demonstranten in der Spätphase der DDR, wollten sich wieder Gegner der Corona-Regeln versammeln. Auch dort war eine Gegenkundgebung angemeldet.

In den vergangenen Wochen demonstrierten am Montagabend in ganz Berlin immmer wieder bis zu 3000 Menschen an verschiedenen Stellen. Die Polizei wies immer wieder auf Corona-Auflagen wie die Maskenpflicht hin, ahndete Verstöße oder beendete Demonstrationen.

Berlins SPD-Fraktions- und Landesvorsitzender Raed Saleh hatte am Wochenende gefordert, Entscheidungen der Politik immer wieder mit Argumenten zu erklären. «Ich halte es für falsch, mit dem Finger auf die Leute zu zeigen und zu sagen «Ihr habt alle keine Ahnung»», sagte Saleh. «Man muss immer wieder argumentieren.»

Viele Demonstranten wollten ihre Unzufriedenheit mit den Corona-Maßnahmen artikulieren. «Und Politik muss es aushalten, dass es Menschen gibt, die auf die Straße gehen und ihre Meinung zum Ausdruck bringen», sagte Saleh. «Aber die Demonstranten müssen es auch aushalten, wenn wir als Politiker sagen: Guckt euch genau um, mit wem ihr demonstriert, ihr macht euch gerade zum Werkzeug von Rechtspopulisten, von Nazis, von Verschwörungstheoretikern und Hasspredigern.»

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