Vatikan zu Gutachten: Keine Sündenböcke und Pauschalurteile

26.01.2022 In der Debatte über Kindesmissbrauch unter dem Dach der katholischen Kirche mahnt der Vatikan, sich bei der Bewertung des neuen Gutachtens zu Hunderten größtenteils vertuschten Straftaten allein im Erzbistum München und Freising nicht nur auf den emeritierten Papst Benedikt zu fokussieren. Vielmehr sei es nun wichtig, Lehren für die Zukunft zu ziehen, schrieb Mediendirektor Andrea Tornielli am Mittwoch in einer Stellungnahme des Heiligen Stuhls.

Ein Blitz schlägt am Abend des Tages, an dem Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt ankündigte, im Vatikan ein. Foto: Alessandro Di Meo/ANSA/epa/dpa/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Bewertungen des Berichts «werden zur Bekämpfung der Pädophilie in der Kirche beitragen können, wenn sie sich nicht auf die Suche nach bloßen Sündenböcken und auf Pauschalurteile beschränken», erklärte er. «Nur wenn sie diese Risiken vermeiden, können sie zu einer Suche nach Gerechtigkeit in der Wahrheit und zu einer kollektiven Gewissenserforschung über die Fehler der Vergangenheit beitragen.»

Anwälte hatten vor wenigen Tagen eine Untersuchung zu Missbrauchsfällen im Erzbistum München und Freising vorgestellt. Demnach wurden dort Fälle von sexuellem Missbrauch über Jahrzehnte nicht angemessen behandelt. Den ehemaligen Erzbischöfen Friedrich Wetter und Joseph Ratzinger, dem heute emeritierten Papst Benedikt XVI., wurde konkret und persönlich Fehlverhalten in mehreren Fällen vorgeworfen. Auch dem aktuellen Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, wird formales Fehlverhalten in zwei Fällen vorgeworfen. Von mindestens 497 Opfern und 235 mutmaßlichen Tätern sprechen die Gutachter, sie gehen aber von einem deutlich größeren Dunkelfeld aus.

Anfang der Woche räumte der 94-Jährige Benedikt in einer Stellungnahme ein, dass er bei seinen Angaben für das Gutachten in einem Punkt nicht die Wahrheit gesagt habe - dies sei aber auf einen Fehler bei der «redaktionellen Bearbeitung» seines Statements zurückzuführen. Das Verhalten Benedikts in der Causa hat heftige Kritik provoziert.

Tornielli stellte dagegen heraus, dass Benedikt bei der Aufarbeitung der Vergangenheit mithelfen wolle. Außerdem erinnerte er daran, dass just unter dem deutschen Papst äußerst strenge Vorschriften gegen klerikale Missbrauchstäter und eigene Gesetze zur Bekämpfung der Pädophilie erlassen worden waren.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Top News

1. bundesliga

Bundesliga: André Breitenreiter neuer Trainer in Hoffenheim

Gesundheit

Keine neue Pandemie: Affenpocken: RKI empfiehlt Isolierung von 21 Tagen

Tv & kino

Filmfestival: Kristen Stewart mit «Crimes of the Future» in Cannes

Internet news & surftipps

Internet: Vier Jahre DSGVO: Monster oder Datenschutzvorbild?

Tv & kino

Mit 91 Jahren: Schauspieler Horst Sachtleben gestorben

Auto news

Tipp vom ADAC: Cabrio auf der Autobahn: Das Verdeck bleibt besser zu

Handy ratgeber & tests

Featured: iPad, iPad Air oder iPad Pro ausschalten: Diese Optionen hast Du

Games news

Featured: Pokémon Unite: Tier-List – das sind die besten Pokémon

Empfehlungen der Redaktion

Ausland

Katholische Kirche: Vatikan zu Missbrauchsgutachten: Keine Pauschalurteile

Regional bayern

Haltung Benedikts XVI. zum Missbrauchsgutachten spaltet

Regional bayern

ZdK zu Papst: «Entschuldigung überzeugt leider nicht»

Regional bayern

Schäfer fordert Konsequenzen aus Missbrauchsgutachten

Regional rheinland pfalz & saarland

Ackermann fordert Verantwortungsübernahme von Benedikt

Regional bayern

Münchner Missbrauchsgutachten erschüttert katholische Kirche

Regional nordrhein westfalen

Ruhrbischof Overbeck kritisiert Papst-Stellungnahme

Regional bayern

Opfersprecher zu Ratzinger: «Historische Erschütterung»