Trotz Ermittlungserfolg: Viele Anzeigen wegen Anlagebetrugs

08.01.2022 Ermittlern gelingen Schläge auch gegen das Spitzenpersonal von Cybertrading-Betrügerbanden - und dennoch kommen ständig neue Anzeigen in dem Bereich hinzu.

Ein Mann tippt auf einer beleuchteten Tastatur. Foto: Nicolas Armer/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Zahl der Betrugsfälle im Bereich Cybertrading wird nicht weniger. Aber Ermittler verzeichnen Erfolge. «Ich habe gedacht, dass es mittlerweile eine gestiegene Vorsicht bei den potentiellen Geschädigten geben muss. Aber der Strom reißt nicht ab», sagte Thomas Goger von der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB). Mitte Dezember liefen bei der auf Online-Kriminalität spezialisierten Einheit der Staatsanwaltschaft Verfahren gegen rund 720 Fake-Plattformen, pro Monat kommen laut Goger mehr als 200 Anzeigen dazu.

Die Betrüger locken auf professionell gemachten Online-Plattformen mit angeblich profitablen Anlageprodukten. Speziell ausgebildete Mitarbeiter in Callcentern mit perfekten Deutschkenntnissen sollen auch telefonisch einen seriösen Eindruck hinterlassen. Das Geld der Anleger wird aber nicht investiert, sondern fließt in die Taschen der Täter.

«Wir haben ab 2018 entschieden, dass wir da massiv reingehen. Und das trägt natürlich Früchte», sagte Goger. «Mittlerweile haben wir einen Dreh gefunden, in diese Strukturen einzudringen und sie zu knacken.» Ab Frühsommer 2020 habe es Ermittlungserfolge gegeben. «Wir wollen nicht nur die Broker, sondern wir wollen tatsächlich an die ran, die am Ende der Fahnenstange die Strippen ziehen», sagte Goger.

Etwa im Oktober wurden den Angaben nach 15 Objekte in Georgien und Israel durchsucht und mehrere mutmaßliche Betrüger dingfest gemacht. In München steht seit November ein Mann vor Gericht, der Teil der Führungsriege der Bande des Cyberkriminellen «Wolf of Sofia» gewesen sein soll. «Da sind wir im Top-Management angelangt», sagte Goger. Die Arbeit der Staatsanwälte sei in dem Bereich ein echtes Erfolgsmodell, die Anzeigen würden erstaunlicherweise aber immer noch nicht weniger.

Goger rät, sich vor einem Investment unbedingt schriftliche Unterlagen schicken und diese von jemandem prüfen zu lassen. Grundsätzlich gilt: «Wenn ein Angebot zu gut aussieht, um wahr zu sein, dann ist es das halt in vielen Fällen auch nicht», sagte Goger.

© dpa-infocom GmbH

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