Stückl: Für Oberammergauer Passionsspiele proben und hoffen

31.12.2021 Der Oberammergauer Spielleiter Christian Stückl blickt zum Textproben-Start für die Passionsspiele mit Sorge auf die Corona-Pandemie und schließt auch eine erneute Verschiebung der Premiere nicht völlig aus. «Wir wissen alle nicht, was passiert», sagte Stückl mit Blick auf die Ausbreitung der besorgniserregenden Omikron-Variante.

Der Oberammergauer Regisseur Christian Stückl (vorn, l) steht bei einer der letzten Proben. Foto: Ursula Düren/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Offen sei auch, was die Politik in den nächsten Wochen an Regeln vorgebe. «Es wird keine Lex Oberammergau geben.» Trotz der Ungewissheit: «Wir werden jetzt mit den Proben beginnen - und dann arbeiten und hoffen.» Am 6. Januar ist die erste Leseprobe aller Darsteller mit Sprechrolle geplant.

Alle zehn Jahre bringt der Ort das Laienspiel von dem Leiden, dem Sterben und der Auferstehung Jesu auf die Bühne. 2020 hatte Stückl die Premiere wegen der Pandemie auf den 14. Mai 2022 verschoben.

Eine Hürde sei die derzeit geltende Regelung, nach der in Theatern nur 25 Prozent der Plätze besetzt werden. «Mit der 25-Prozent-Regel können wir die Passion gar nicht machen. Das rentiert sich nicht, das zahlt sich nicht», sagt Stückl. Die Inszenierung kostet viele Millionen Euro. Allein die Gagen für die rund 2100 Mitspieler belaufen sich auf etwa 20 Millionen Euro.

Derzeit sind laut Stückl 75 Prozent der Tickets für rund 100 geplante Vorstellungen bis 2. Oktober verkauft. Bliebe die Regel zu einer nur 25-prozentigen Besetzung der Freiluftbühne mit ihren rund 4500 Plätzen bestehen, müssten womöglich zahlreiche Kartenkäufe zurückerstattet werden.

Die sonst gut fünfstündige Stück zu kürzen und dafür zwei oder drei Mal pro Tag aufzuführen, um die Zuschauerzahl zu entzerren, komme für ihn nicht in Frage, sagt Stückl. «Jesus drei Mal sterben zu lassen, jeden Tag - nein. Das ist ja Wahnsinn. Das will ich nicht machen.» Tatsächlich sei aber sogar das erwogen worden.

Die Passion geht auf ein Pest-Gelübde 1633 zurück. Die Oberammergauer versprachen damals, alle zehn Jahre das Spiel aufzuführen, wenn niemand mehr an der Seuche sterbe - was der Legende nach eintrat.

© dpa-infocom GmbH

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