Söder will Impfpflicht ab zwölf Jahren diskutieren

02.12.2021 Die Inzidenz in Bayern sinkt seit fast einer Woche - auf den Intensivstationen wird es dennoch voller. Und Ministerpräsident Söder stößt eine Debatte um eine Impfpflicht für Schulkinder an.

Markus Söder schaut zur Seite. Foto: Peter Kneffel/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Während die Corona-Inzidenzen in Bayern seit einigen Tagen leicht zurückgehen hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine Debatte um eine mögliche Impfpflicht ab zwölf Jahren angestoßen. «Das muss man diskutieren», sagte er im Bayerischen Rundfunk. Unterdessen sank die Inzidenz im Freistaat den sechsten Tag in Folge. Inzwischen liegt sie laut RKI bei 571,6.

«Generell wäre es natürlich gut, wenn die Impfpflicht zumindest bei denen, bei denen der Impfstoff schon erprobt ist - ab zwölf - auch stattfinden würde», sagte Söder. Das würde schnell gehen und die Schulen «absolut sicher machen». Zudem sei sein Gefühl bei den jungen Leuten: «Die wollen auch geimpft werden, weil sie sagen: «Dann habe ich Freiheit».»

Allerdings betonte Söder am Donnerstag nach den Bund-Länder-Beratungen, dass er sich offen für eine Diskussion gezeigt habe: «Ich habe nicht gesagt, es muss so sein.» Dafür spreche aber, dass die Inzidenzen bei den Kindern und Jugendlichen besonders hoch seien, sie sich über Impfungen freuten und Impfungen in den Schulen gut umsetzbar seien. Söder fügte hinzu: «Wichtig ist: Wer und wie, auch welche Altersgruppen, da haben wir uns jetzt darauf verständigt, da soll der Ethikrat einen Vorschlag machen. Ich halte das für richtig. Ich bin da offen in allen Bereichen.»

Kritik an Söders Vorstoß kam aus der bayerischen FDP: «Die Alten nicht rechtzeitig boostern, aber eine Impfpflicht für 12-Jährige diskutieren? Ein völlig verfehlter Vorschlag von Markus Söder», erklärte der FDP-Landesvorsitzende und Fraktionsvorsitzende im Landtag, Martin Hagen. Der größte Teil der Corona-Intensivpatienten sei über 50. «Diese Altersgruppe sollte man in den Blick nehmen, wenn man über eine Impfpflicht diskutiert», sagte der FDP-Politiker.

Die Inzidenz der Neuinfektionen hatte in Bayern am vergangenen Freitag mit 652,3 einen Höhepunkt erreicht. Seither sinkt sie langsam. Der Rückgang zeigt sich dabei sowohl bei Geimpften als auch bei Ungeimpften. Allerdings ist die Inzidenz bei den Geimpften sehr viel geringer - und sinkt auch schneller als bei den Ungeimpften. So meldet das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit für vollständig geimpfte Menschen eine Inzidenz von 103,1 - das sind 8,5 Prozent weniger als vor einer Woche. Bei komplett Ungeimpften ist die Inzidenz mit 1616,4 fast 16 Mal so hoch. Zudem sank sie mit 6,3 Prozent auch langsamer.

Die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen steigt dagegen weiter an. Das bundesweite Intensivregister meldete am Donnerstagmorgen für Bayern (Stand 9.05 Uhr) 1080 behandelte Erwachsene - das sind 15 mehr als noch am Donnerstag. Laut RKI stieg die Zahl der Toten im Zusammenhang mit Corona zum Donnerstag um 87. Insgesamt sind es seit Beginn der Pandemie in Bayern 17.739.

Die höchste Inzidenz in Bayern wies am Donnerstag der Landkreis Freyung-Grafenau mit 1148,6 auf. Auch Weilheim-Schongau und Rottal-Inn lagen über der Schwelle von 1000 - ab der verschärfte Maßnahmen starten. Die niedrigste Inzidenz in Bayern meldete das RKI für den Landkreis Kulmbach mit 253,4.

Aktuell gelten noch in zehn bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten verschärfte Corona-Regeln. In den Landkreisen Ostallgäu und Deggendorf endeten sie am Donnerstag, nachdem die Inzidenz dort fünf Tage unter 1000 geblieben war. Am Freitag laufen die Maßnahmen zudem im Landkreis Regen aus. Am Samstag könnte Dingolfing-Landau folgen, sofern die Inzidenz dort auch am Freitag unter 1000 bleibt. Am Donnerstag lag sie mit 809,3 deutlich unter dieser Schwelle.

© dpa-infocom GmbH

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