Kritik an Söders Geisterspiel-Vorstoß

01.12.2021 Die Nachricht von drohenden Geisterspielen drückt in der Fußball-Bundesliga auf die Stimmung. Der FC Augsburg bezeichnet den Ausschluss von Fans als «nicht verhältnismäßig». Den FC Bayern würde es gleich dreimal treffen. Ein Appell kommt aus Regensburg.

Ein Fußballspieler spielt den Ball. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach der Ankündigung von Geisterspielen in Bayern gibt es erste Kritik aus der Fußball-Bundesliga. Einen Tag nach der Forderung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), bis Jahresende wieder vor leeren Rängen zu spielen, wertete Geschäftsführer Michael Ströll vom FC Augsburg diesen Plan als nicht angemessen. «Geisterspiele finde ich nicht verhältnismäßig, weil wir den Infektionsschutz unter den bisherigen Voraussetzungen und den bestehenden Hygienekonzepten, die weltweit als vorbildlich eingestuft werden, gut umsetzen können», teilte Ströll am Mittwoch auf dpa-Anfrage mit.

Der FCA hat in diesem Jahr noch Heimspiele gegen den VfL Bochum, gegen den an diesem Samstag das Stadion maximal 25 Prozent ausgelastet sein darf. Zudem kommt RB Leipzig am 15. Dezember, wo nach Söders Vorstellungen ganz ohne Fans gespielt werden soll.

Leere Ränge würden den FC Bayern in diesem Jahr bei gleich drei Spielen treffen. Die Münchner erwarten den FC Barcelona in der kommenden Woche zum letzten Gruppenspiel in der Champions League. In der Liga kommen noch der FSV Mainz 05 (11. Dezember) und der VfL Wolfsburg (17.) in die Allianz Arena, die vor einem Monat mit 75 000 Zuschauern erstmals seit dem 8. März 2020 wieder ausverkauft war. Die SpVgg Greuther Fürth ist in diesem Jahr noch Gastgeber für Union Berlin (12.) und den FC Augsburg (18.).

«Wenn Weihnachtsmärkte zu sind, ist es nicht stimmig, volle Stadien zu haben», hatte Söder seinen Vorstoß nach einer Telefonkonferenz von Bund und Ländern mit der geschäftsführenden Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem designierten Nachfolger Olaf Scholz (SPD) begründet. «Wir versuchen, das nochmal deutschlandweit umzusetzen, wir würden aber in Bayern da an der Stelle auch einen Alleingang machen.» Details für härtere Maßnahmen in der Corona-Pandemie sollten bis Donnerstag ausgearbeitet werden.

«Wir hatten nicht mehr damit gerechnet, dass es Geisterspiele geben wird», sagte Hans Rothammer, Vorstandsvorsitzender des SSV Jahn Regensburg. «Die Fußballspiele sind nicht Pandemietreiber. Trotzdem kann ich nachvollziehen, dass es nicht in die Stimmung der Zeit passt, 50 000 Zuschauer im Stadion zu haben.» Bilder von vollen Rängen beim Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach hatten bundesweit für Erstaunen gesorgt.

Ströll bezweifelt die Sinnhaftigkeit von Geisterspielen. «Wenn Geisterspiele angeordnet werden, gehen die Fans in die Kneipen oder treffen sich ohne Maske privat in geschlossenen Räumen», entgegnete der 37-Jährige. «Es ist für viele nicht mehr nachvollziehbar, dass bestimmte Bereiche des Lebens das Fehlverhalten von politischen Verantwortungsträgern jetzt ausbaden sollen.»

Alle Clubs würde ein Wegfall der Zuschauer finanziell weiter treffen - aber auch emotional. Rothammer wünscht sich eine bundeseinheitliche Regelung und hegt die «Resthoffnung», dass die Stadien vielleicht 25 oder 30 Prozent ausgelastet werden könnten.

«Und sollte diese Regelung nicht kommen, dann hoffe ich, dass es möglichst wenige Geisterspiele sind», sagte der Jahn-Chef und sandte einen Appell. Dieser richtete sich unwillkürlich auch an nicht von ihm namentlich genannte ungeimpfte Fußball-Profis wie Joshua Kimmich & Co. «Ich kann nur sagen, es soll sich bitte jeder impfen lassen. Ich ärgere mich über jeden, der sich nicht impfen lasst.»

© dpa-infocom GmbH

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