Corona-Lage in Bayern bleibt angespannt

20.11.2021 Die Corona-Lage in Bayern bleibt weiter kritisch. Die Zahlen sind hoch, die Intensivbetten knapp. Und dann gibt es auch noch Streit um den Impfstoff.

Münchner stehen vor einer Impfstation Schlange. Foto: Felix Hörhager/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Corona-Zahlen in Bayern steigen und steigen - auch am Samstag meldete das Robert Koch-Institut wieder deutlich mehr Neuinfektionen. Demnach lag die Sieben-Tage-Inzidenz im Freistaat bei 635,6 (Stand: 3.12 Uhr). Am Vortag waren es noch 625,3. Die Hospitalisierungsinzidenz lag bei 9,15, allerdings nach Zahlen vom Freitag. Zudem warnte das RKI, die Zahlen könnten wegen eines Verzugs bei der Übermittlung unterschätzt werden. Eine schwierige Lage vor allem für die Krankenhäuser, gab es doch Regionen, in den am Samstag nur noch wenige oder sogar gar kein Intensivbett mehr frei war.

Null freie Intensivbetten hieß es beim Divi-Intensivregister etwa um 15.15 Uhr in den Landkreisen Erding, Bayreuth, Erlangen-Höchstadt, Regen oder München. Angespannt auch die Situation in München, wo mehr als 95 Prozent der Intensivbetten belegt waren. Doch wohin mit gravierenden Notfällen? Für Rettungsdienste ein Problem, müssen sie doch oft weite Wege fahren, um Patienten irgendwo unterzubringen.

Der Freistaat stockte wegen der Corona-Pandemie die Luftrettung für Intensivpatienten auf. Am Flughafen Nürnberg sei dafür seit Samstag befristet ein zweiter Intensivtransporthubschrauber stationiert, der auch bundesweit eingesetzt werden könne, teilte die DRF Luftrettung mit. Von 8.00 Uhr morgens bis zum Sonnenuntergang stehe die Maschine vom Typ H145 schwerpunktmäßig für Intensivpatienten zur Verfügung, um das öffentlich-rechtliche Versorgungssystem zu entlasten. Der andere Intensivtransporthubschrauber in Nürnberg ist rund um die Uhr bereit. Weitere solcher Maschinen betreibt die DRF in Regensburg und München. Hinzu kommen Rettungshubschrauber in Weiden und Nürnberg. Auch der Automobilclub ADAC unterhält Hubschrauber an mehreren Standorten.

Um die Corona-Pandemie einzudämmen, gelten ab Mittwoch in Bayern strenge Corona-Regeln. Für Kommunalpolitiker wie den Mühldorfer Landrat Max Heimerl (CSU) dringend notwendig. «Wir müssen jetzt definitiv diese vierte Welle brechen», sagte er dem Bayerischen Rundfunk (BR). «Sie wächst sich derzeit zu einem Tsunami aus.» Nach RKI-Zahlen lag die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Mühldorf am Inn bei 1140,9 (Stand: 3.12 Uhr). Den höchsten Wert meldete der Landkreis Freyung-Grafenau mit 1564,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche, bundesweit ein Spitzenwert. Hoch die Zahlen auch in den Landkreisen Rottal-Inn (1474,5) und Passau (1155,8).

Eine wichtige Hoffnung ist die Impfkampagne. Mancherorts bildeten sich auch am Samstag lange Schlangen von Menschen, die sich impfen lassen wollten, so etwa vor der Impfstation im Münchner Rathaus.

Nun sehen Mediziner diese Kampagne in Gefahr. Grund sind Pläne, die Menge des Impfstoffs Biontech/Pfizer zu begrenzen, die Praxen bestellen können, während das Moderna-Mittel unbegrenzt zur Verfügung stehen soll. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) forderte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in einer Resolution auf, dies umgehend rückgängig zu machen. Andernfalls gefährde er den notwendigen Fortschritt der Impfkampagne massiv. Die KVB begründete dies mit dem Vertrauen der Patienten in das Vakzin von Biontech. «Der Erklärungsbedarf in den Praxen bei einer Umstellung des Impfstoffs wäre gewaltig und bei der sowieso bereits enormen Arbeitsbelastung für die Ärztinnen und Ärzte sowie die Praxisteams in keiner Form zu leisten», heißt es in der Erklärung.

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