Biontech-Rationierung stößt in Bayern auf heftige Kritik

20.11.2021 Weniger Biontech, mehr Moderna - in Bayern sorgen diese Pläne aus Berlin für großen Wirbel. Auch der Gesundheitsminister des Freistaats nennt sie inakzeptabel.

Eine Arzthelferin füllt eine Impfspritze mit dem Wirkstoff von Biontech/Pfizer. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die geplante Mengenbegrenzung bei der Bestellung des Biontech-Impfstoffs durch Praxen sorgt in Bayern für Ärger. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) forderte am Samstag den geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in einer Resolution auf, die künstliche Verknappung des Vakzins rückgängig zu machen. Andernfalls gefährde er den notwendigen Fortschritt der Impfkampagne massiv. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) nannte die Pläne inakzeptabel. Als Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz der Länder will er das Thema auf die Tagesordnung der für Montag geplanten Beratungen setzen.

Eine Einschränkung des Biontech-Impfstoffs sei «absolut inakzeptabel und zerstört das notwendige Vertrauen, dass die Bürgerinnen und Bürger in dieser hochdramatischen Lage in uns haben müssen», sagte Holetschek. Nicht nur für die Impfzentren sei dies inakzeptabel, sondern vor allem auch für die Ärzteschaft, die darauf sämtliche Planungen ausgerichtet habe.

Die Mediziner begründen ihre Kritik mit dem Vertrauen der meisten Patienten in das Vakzin von Biontech. Nach Auskunft des Verbandes wurden in den Praxen im Freistaat bislang mehr als 7,5 Millionen Corona-Impfungen verabreicht. In mehr als 85 Prozent aller Fälle handelte es sich demnach um das Vakzin von Biontech/Pfizer.

In den vergangenen Tagen seien bereits Millionen Impftermine in den Praxen vereinbart worden, sowohl explizit als auch implizit für Biontech. «Der Erklärungsbedarf in den Praxen bei einer Umstellung des Impfstoffs wäre gewaltig und bei der sowieso bereits enormen Arbeitsbelastung für die Ärztinnen und Ärzte sowie die Praxisteams in keiner Form zu leisten», heißt es in der Erklärung.

«Es kann nicht sein, dass das Restvertrauen gerade bei den Menschen, die sich impfen lassen, jetzt in der Booster-Kampagne durch so einen Dilettantismus zerstört wird. Hier wird dem Land, den Menschen, unseren Praxen und der Gesundheit schwerster Schaden zugefügt», schimpfte auch Markus Beier, Landesvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes und Vize auf Bundesebene. Spahns müsse dafür sorgen, dass «dieser Schwachsinn» wieder zurückgedreht werde, andernfalls müsse er sofort aus dem Amt entfernt werden.

Das Bundesgesundheitsministerium hatte in einem Schreiben an die Länder erklärt, dass bis Jahresende genug Impfstoff zur Verfügung stehe, auch für Auffrischungsimpfungen. Neben dem Präparat von Biontech/Pfizer solle dafür aber vermehrt das von Moderna eingesetzt werden. Andernfalls drohten eingelagerte Moderna-Dosen ab Mitte des ersten Quartals 2022 zu verfallen. Für Biontech sollen deshalb «Höchstbestellmengen» definiert werden. So sollen Praxen vorerst maximal 30 Dosen pro Woche bestellen können, Impfzentren und mobile Impfteams 1020 Dosen. Bestellungen für Moderna-Impfstoff sollen dagegen keiner Höchstgrenze unterliegen.

Bund und Länder hätten gemeinsam festgelegt, dass es nun eine große, gemeinsame Kraftanstrengung beim Impfen brauche, sagte Holetschek. «Diese werden alle Bundesländer mit aller Kraft in Angriff nehmen.» Erst- und Zweitimpfungen seien wichtig, besonders aber auch die Booster-Impfungen.

Die Impfstoffe Biontech und Moderna gelten als gleichwertig, dies sieht auch die Ständige Impfkommission (Stiko) so. Sie empfiehlt aber auch: «Für die Auffrischimpfung soll möglichst der mRNA-Impfstoff benutzt werden, der bei der Grundimmunisierung zur Anwendung gekommen ist.» Wenn dieser nicht verfügbar sei, könne «auch der jeweils andere mRNA-Impfstoff eingesetzt werden».

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