50 Corona-Intensivpatienten sollen verlegt werden

24.11.2021 Bayerns Krankenhäuser werden der vielen Covid-Patienten nicht mehr Herr. Mediziner fürchten, dass es in den kommenden Wochen noch schlimmer kommen wird.

Eine Mitarbeiterin der Pflege steht in einem Zimmer einer Corona-Intensivstation. Foto: Fabian Strauch/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wegen Überlastung der bayerischen Krankenhäuser werden in den kommenden Tagen voraussichtlich 50 Corona-Intensivpatienten aus Bayern in andere Bundesländer verlegt. Das sagte am Mittwoch der Nürnberger Branddirektor Marc Gistrichovsky, der die landesweiten Planungen im Rahmen des sogenannten Kleeblatt-Mechanismus koordiniert. Wann und wohin, ist noch unklar. «Die Planungen laufen», sagte Gistrichovsky - die «Zielgebiete» würden nach der Erfassung der geeigneten Patientinnen und Patienten ermittelt. Das bundesweite Intensivregister meldete erstmals mehr als 1000 Covid-Intensivpatienten in Bayerns Krankenhäusern, der höchste Stand seit Beginn der Pandemie.

Das «Kleeblatt-Konzept» zur strategischen Verlegung von Intensivpatienten soll verhindern, dass dringend behandlungsbedürftige Patienten wegen Überlastung der Intensivmedizin in einem Bundesland nur noch unzureichend oder gar nicht mehr versorgt werden können. Es sollen ausschließlich Covid-Patienten in andere Bundesländer gebracht werden. Etwas weniger belastet sind die Intensivstationen derzeit im Norden Deutschlands, wo die Impfquoten höher und die Infektionszahlen im Verhältnis niedriger sind.

In Bayern liegen Infektions-, Patienten- und Todeszahlen über dem bundesweiten Durchschnitt, ein maßgeblicher Grund ist nach Einschätzung von Medizinern die niedrige Impfquote. So liegen in Bayern über 400 Covid-Intensivpatienten mehr in den Krankenhäusern als in Nordrhein-Westfalen, obwohl NRW fast sechs Millionen mehr Einwohner zählt. Innerhalb der vergangenen sieben Tage sind nach Daten der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in Bayern 432 Covid-Kranke gestorben, innerhalb einer Woche mehr als im gesamten Oktober - und aktuell auch mehr als doppelt so viele wie in Nordrhein-Westfalen.

Am Mittwoch waren in exakt der Hälfte der 96 bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte weniger als zehn Prozent der Intensivbetten frei, in zwanzig Kommunen gab es kein einziges freies Intensivbett. Den Großteil der Patienten stellen nach wie vor die Ungeimpften.

In dieser Lage befinden sich viele Kliniken seit Wochen. Doch ist der Anteil der Corona-Patienten in vielen Krankenhäusern dabei kontinuierlich gestiegen, unter anderem, weil planbare Operationen verschoben werden. Bayernweit ist laut Intensivregister nun mehr als ein Drittel der derzeit verfügbaren Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt. In manchen Kommunen ist die Lage extrem: So waren am Mittwoch 9 der 11 Intensivpatienten im Landkreis Augsburg Covid-Fälle, ein Bett war noch frei.

Mediziner gehen davon aus, dass die Zahlen weiter steigen werden. Gleichzeitig wächst der Ärger über die Politik. So sehen die Ärzte der Rottal-Inn Kliniken im niederbayerischen Eggenfelden ihre Corona-Intensivstation nicht mehr weit vom Kollaps entfernt. «Wir stehen ja erst am Anfang der vierten Welle», sagte der Vorsitzende Bernd Hirtreiter. Er geht davon aus, dass sich die Zahl der Corona-Patienten binnen der nächsten zwei bis vier Wochen verdoppeln könnte. Sollte das eintreten, wäre ein Verlegen von Schwerkranken nicht mehr möglich, sagte der Ärztliche Direktor Klaus Kienle. Aktuell sei Triage noch kein Thema, es zeichne sich aber ab.

«Wenn die Kliniken schon Alarm schlagen, und sagen, sie seien am Limit, dann würde ich von der Politik ein ganz klares Konzept erwarten, was eigentlich passiert, wenn es tatsächlich zu einer Verdopplung der Patientenzahlen kommt», sagte Kienle. Den Kliniken fehlten konkrete Ansagen. «Was ist im Worst-Case-Szenario? Wer hilft aus? Wie wird die Bundeswehr eingebunden?»

Mittlerweile sind Impfzentren und Ärzte in Bayern mit einem neuerlichen Ansturm von Impfwilligen konfrontiert. Doch sind darunter vergleichsweise wenige Ungeimpfte, die das Hauptrisiko einer Infektion und eines schweren Verlaufs tragen. Am Dienstag wurden in ganz Bayern fast 128 000 Impfungen verabreicht, wie das Gesundheitsministerium am Mittwoch auf Anfrage mitteilte. Doch darunter waren nur gut 17 000 Erstimpfungen.

Mittlerweile mehren sich auch die coronabedingten Einschränkungen des Alltags wieder. Der Bayerische Fußball-Verband sagte sämtliche für den Rest des Jahres vorgesehenen Liga- und Pokalspiele im Amateurfußball ab, sowohl für Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene.

© dpa-infocom GmbH

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