Berlusconi mit Aufreger: Putin wurde zu Krieg gedrängt

Kurz vor der Wahl in Italien verteidigt Ex-Ministerpräsident Berlusconi seinen politischen Freund Putin. Die Sorge wächst, Italien könnte sich bei einem Wahlsieg des Rechtsblocks Russland zuwenden.
Italien wird am 25. September 2022 ein neues Parlament wählen. © Oliver Weiken/dpa

Italiens früherer Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat kurz vor der Parlamentswahl mit einer Aussage über Wladimir Putin für Aufsehen gesorgt.

Der 85-Jährige behauptete in einem TV-Interview am Donnerstagabend, der Kremlchef sei zum Einmarsch in die Ukraine gedrängt worden. «Putin wurde von der russischen Bevölkerung, von einer Partei, von seinen Ministern gedrängt, sich diese Spezialoperation auszudenken», sagte Berlusconi im Sender Rai.

Berlusconi ist ein Freund des russischen Präsidenten und zögerte nach Kriegsausbruch lange, die Invasion zu verurteilen. Nun sagte er: «Putin ist in eine wirklich schwierige und dramatische Situation gerutscht.» Er benutze diesen Ausdruck bewusst, weil Putin von Vertretern der zwei selbst ernannten Republiken im Donbass im Februar aufgefordert worden sei, einzuschreiten. Diese hätten Putin überredet mit der Behauptung, die Ukraine greife die Gebiete immer heftiger an.

Aussagen führen zu Sorge wegen Italiens Nähe zu Russland

Des Weiteren sagte der Parteichef von Forza Italia, der als kleinerer Partner einer Rechts-Koalition beste Chancen auf einen Wahlsieg am Sonntag hat, Putin habe die Regierung in Kiew von Wolodymyr Selenskyj austauschen wollen «mit einer Regierung von anständigen Leuten».

Die Aussagen des Medienunternehmers, der neben seiner Politik durch Skandale aufgefallen war, alarmieren all jene, die eine Zuwendung Italiens an Russland nach der Wahl fürchten. Neben Berlusconi ist auch Matteo Salvini Teil des Rechtsblocks - der Lega-Chef war jahrelange Fan Putins und kritisiert die Sanktionen des Westens gegen Moskau.

«Wirklich tragisch» nannte Zentrums-Spitzenkandidat Carlo Calenda den Auftritt Berlusconis und nannte den Forza-Italia-Gründer «irgendetwas zwischen Pressesprecher Putins und Militärberater».

Der frühere Ministerpräsident Enrico Letta von den Sozialdemokraten twitterte am Freitag: «Es gibt keine Worte, um das zu kommentieren.»

Am Donnerstag hatte die russische Botschaft in Rom mit einem Beitrag bei Facebook provoziert, in dem sie Fotos italienischer Politiker bei deren Treffen mit Putin aus den vergangenen Jahren veröffentlichte. Darunter waren Berlusconi und Salvini, aber auch andere Wahlkämpfer wie Letta, Giuseppe Conte, Matteo Renzi oder Luigi Di Maio und sogar Staatspräsident Sergio Mattarella und Vorgänger Giorgio Napolitano. «Aus der jüngeren Geschichte der russisch-italienischen Beziehungen», stand daneben. «An einige müssen wir uns erinnern.»

© dpa
Weitere News
Top News
Handy ratgeber & tests
Featured: Xiaomi 12 Lite vs. iPhone SE (2022): Die Mittelklasse-Smartphones im Vergleich
Fußball news
Nations League: Flick vor Klassiker gegen England: «Müssen Toptag haben»
Tv & kino
Featured: FBI Staffel 5: So geht es mit der Polizeiserie weiter
Games news
Featured: Marvel World of Heroes: Neues Augmented Reality-Game von den „Pokémon Go“-Machern angekündigt
Tv & kino
Neu im Kino: Die Filmstarts der Woche
Job & geld
Urteil: Verschwiegene Infos: Makler kann Provision verspielen
Auto news
Nutzfahrzeug-Förderung : Mehr als 1.000 E-Lkw- und Transporter bezuschusst
Das beste netz deutschlands
Offline als Funktion: So geht Streamen ohne Internet
Empfehlungen der Redaktion
Ausland
Vor den Wahlen: Weiter Aufregung in Italien um Berlusconi und von der Leyen
Ausland
Wahlkampf: Italien: Reibereien bei Bildung von Mitte-Links-Allianz
Ausland
CSU-Politiker: Weber wegen Wahlkampfhilfe für Berlusconi in der Kritik
Ausland
Parlamentswahl: Italien vor Rechtsruck: «Mache ich euch Angst?»
Ausland
Parlamentswahl: Was man zur Wahl in Italien wissen muss - ein Überblick
Ausland
Regierungskrise: Italien: Fünf Sterne aufgefordert, Regierung zu stützen
Ausland
Wahl in Italien: Rechtspopulistin Meloni: Signal oder Sorge für Frauen?
Ausland
Neuwahl: Italiens Parteien nach Rücktritt Draghis im Wahlkampfmodus