Inzwischen 53 Todesopfer bei Migranten-Tragödie in Texas

Eingepfercht in einen Lastwagen in glühender Hitze sterben Dutzende Menschen, die auf ein besseres Leben in den USA gehofft hatten. Die Zahl der Toten steigt weiter. Und Schuldzuweisungen beginnen.
Die Polizei sperrt den Ort im texanischen San Antonio ab, wo der Lkw-Anhänger mit den Leichen entdeckt wurde. © Eric Gay/AP/dpa

Nach dem Fund eines abgestellten Lkw-Anhängers mit eingeschlossenen Migranten im US-Bundesstaat Texas ist die Zahl der Todesopfer auf 53 gestiegen.

Das gab der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, bekannt. «Es ist der tödlichste Fall von Migrantenschmuggel auf amerikanischem Boden», beklagte Abbott und erhob schwere Vorwürfe gegen den demokratischen Präsidenten Joe Biden: Dessen laxe Migrationspolitik sei verantwortlich für die Katastrophe.

Die mexikanische Migrationsbehörde legte ebenfalls neue Ermittlungsergebnisse offen: Demnach gab sich der mutmaßliche Fahrer des Lasters zunächst als Überlebender aus. Er sei aber identifiziert und - ebenso wie zwei weitere Verdächtige - festgenommen worden.

Keine Klimaanlage, kein Wasser

Nach Polizeiangaben hatte ein Arbeiter die Leichen in dem Lastwagen am Montagabend (Ortszeit) am Rande der texanischen Stadt San Antonio entdeckt, nachdem er einen Hilferuf aus dem Anhänger gehört hatte. Mindestens 16 Überlebende seien dehydriert und mit Hitzeerschöpfung zunächst in ein Krankenhaus gebracht worden.

In dem Anhänger, der in glühender Hitze stand, gab es laut Feuerwehr offenbar weder eine funktionierende Klimaanlage noch Wasser. Die Opfer waren mutmaßlich in die USA geschleust worden, San Antonio liegt nur etwa 250 Kilometer von der mexikanischen Grenze entfernt.

Abbott forderte, Biden müsse klar machen, dass niemand illegal ins Land kommen könne, damit Migranten sich erst gar nicht auf den Weg machten. Es gebe legale Wege, um einzuwandern. Außerdem müsse die US-Grenzschutzbehörde vernünftig ausgestattet werden, damit sie ihren Job machen könne.

Der Lastwagen hatte nach mexikanischen Behördenangaben am Montag zwei Kontrollpunkte der US-Grenzschutzbehörde CBP passiert. Abbott sagte, der Lkw sei aber nicht untersucht worden, weil es nicht genug Ressourcen gebe, alle Laster zu prüfen. Biden müsse das ändern.

Immer gefährlichere Routen

Der Migrationsexperte Aaron Reichlin-Melnick sagte dem US-Sender PBS dagegen: «Die Realität ist, dass die große Mehrheit der Menschen, die an unsere Grenze kommen und ein besseres Leben suchen, keine legalen Möglichkeiten haben, einzureisen.» Unter dem früheren republikanischen Präsidenten Donald Trump etwa seien auch die legalen Einwanderungswege beschnitten worden. Die Menschen würden daher auf immer gefährlichere Routen getrieben.

Der Chef der mexikanischen Migrationsbehörde, Francisco Garduño, teilte in Mexiko-Stadt mit, unter den Todesopfern von San Antonio seien mindestens 27 Mexikaner, 14 stammten aus Honduras, sieben aus Guatemala und zwei aus El Salvador. Ob auch Kinder unter den Toten sind, blieb zunächst unklar. Die Außenminister Mexikos und Guatemalas kündigten an, ihre Länder würden sich an den Ermittlungen beteiligen.

Die Zahl der unerlaubten Grenzübertritte von Mexiko in die USA war in den vergangenen Monaten rekordverdächtig hoch. Die US-Behörden griffen allein im Mai gut 239.000 Menschen an der Grenze zu Mexiko auf. Kriminelle Schleuserorganisationen, die innerhalb der USA tätig sind, transportieren Migranten oft in Lastwagen, nachdem sie die US-Grenze bereits überquert haben. So sollen sie an Kontrollpunkten in der Nähe der Grenze vorbeigeschleust werden. In den vergangenen Jahren gab es dabei immer wieder tödliche Vorfälle - der aktuelle Fall in San Antonio gilt als der mit den meisten Todesopfern.

Die Organisation für Migration (IOM) und das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) forderten angesichts des schrecklichen Fundes in Texas, Menschenschmugglern müsse das Handwerk gelegt werden. Sie appellierten an alle Länder, sichere Migrationsrouten einzurichten und die Ursachen zu bekämpfen, die Menschen in die Flucht treiben.

© dpa
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