London warnt vor Cholera-Ausbruch in Mariupol

10.06.2022 Die humanitäre Lage in den russisch besetzten Gebieten wie Mariupol ist teils katastrophal. Nun befürchtet London, dass sich tödliche Krankheiten verstärkt ausbreiten - und verweist auf einzelne Cholera-Fälle.

Einheimische versammeln sich in Mariupol, um Trinkwasser zu erhalten. © Alexei Alexandrov/AP/dpa/Archiv

Angesichts der schwierigen humanitären Lage in den russisch besetzten Gebieten in der Ukraine hat Großbritannien vor der Ausbreitung von tödlichen Krankheiten wie Cholera gewarnt.

Es gebe vermutlich bereits einen kritischen Medikamentenmangel in der südukrainischen Stadt Cherson, teilte das Verteidigungsministerium in London am Freitag mit. In der Hafenstadt Mariupol drohe ein Cholera-Ausbruch.

«Seit Mai wurden einzelne Fälle von Cholera gemeldet», hieß es unter Verweis auf Geheimdiensterkenntnisse. «Die medizinische Versorgung in Mariupol steht wahrscheinlich bereits kurz vor dem Zusammenbruch. Ein größerer Cholera-Ausbruch in Mariupol wird dies weiter verschärfen.» In der Ukraine habe es 1995 eine schwere Cholera-Epidemie gegeben und seitdem immer wieder kleinere Ausbrüche, vor allem in der südostukrainischen Region um Mariupol am Asowschen Meer.

«Russland ringt darum, der Bevölkerung in den von Russland besetzten Gebieten grundlegende öffentliche Dienstleistungen anzubieten», teilte das Ministerium weiter mit. «Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist unbeständig, Telefon- und Internetdienste sind weiterhin stark gestört.»

Zur Lage in der Ostukraine teilte das Ministerium mit, die Kämpfe um die Stadt Sjewjerodonezk gingen weiter. «Russland kontrolliert erneut den Großteil der Stadt, aber seine Kräfte haben nur geringe Fortschritte gemacht bei dem Versuch, das weitere Gebiet von Norden und Süden einzukreisen.»

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine veröffentlicht die britische Regierung in ungewöhnlich offener Art und Weise regelmäßig Geheimdienstinformationen zum Verlauf des Angriffskriegs. Moskau wirft London eine gezielte Desinformationskampagne vor.

© dpa

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