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Tote bei Migranten-Unglücken im Ärmelkanal und im Mittelmeer

Wieder lassen Menschen bei der versuchten Überquerung des Mittelmeers und des Ärmelkanals ihr Leben. Die Entscheidungsträger machen schnell die Schuldigen aus - und geraten selbst in Bedrängnis.
Seenot
Im Ärmelkanal haben britische Seenotretter am vergangenen Donnerstag mehrere Menschen aus dem Wassser gerettet, bei denen es sich vermutlich um Migranten handelt. © Gareth Fuller/PA Wire/dpa

Bei nächtlichen Bootsunglücken im Ärmelkanal und im Mittelmeer sind erneut mehrere Migranten ums Leben gekommen. Sechs Menschen starben bei der versuchten Überquerung des Kanals von Frankreich nach Großbritannien. Nach Angaben der französischen Staatsanwaltschaft handelte es sich bei allen um afghanische Staatsbürger. Auch vor der Mittelmeerküste Tunesiens gab es ein erneut tödliches Unglück, bei dem laut der tunesischen Nationalgarde ein Baby und ein 20 Jahre alter Mann starben. In beiden Fällen wurden am Sonntag weiterhin mehrere Menschen vermisst.

Immer wieder versuchen Migranten, in kleinen Schlauchbooten über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu gelangen. Die Überfahrt ist gefährlich, vor allem weil der Meeresarm von vielen großen Schiffen befahren wird. Dabei kommen auch immer wieder Menschen ums Leben.

Das Boot war in der Nacht zum Samstag nahe der nordfranzösischen Stadt Calais in Seenot geraten und gesunken. Mehr als 50 Menschen wurden von französischen und britischen Einsatzkräften gerettet.

Schnelle Schuldzuweisung

Auf beiden Seiten des Kanals wurden schnell die Schuldigen für das erneute Unglück ausgemacht. «Hinter diesem menschlichen Drama sind Schleuser, Kriminelle», sagte der französische Meeresstaatssekretär Hervé Berville im Sender BFMTV. Diese schickten Frauen, Jugendliche und Erwachsene in den Tod. Auch die britische Regierung erklärte: «Dieser Vorfall ist leider eine weitere Erinnerung an die extremen Gefahren der Überquerung des Ärmelkanals in kleinen Booten und wie wichtig es ist, dass wir das Geschäftsmodell der Menschenschmuggler durchbrechen und die Boote stoppen.»

Die britische Regierung des konservativen Premierministers Rishi Sunak gerät durch das Unglück unter weiteren Druck, die Überquerungen des Kanals in den Griff zu bekommen. Sunak versucht seit langem, Migranten davon abzuhalten - bisher ohne Erfolg. Auch bei einer umstrittenen Maßnahme im Inland gab es jüngst Ärger: 39 Migranten mussten am Freitag von einem Lastkahn im südenglischen Portland gebracht werden, nachdem bei Wasserproben Legionellenwerte festgestellt wurden, die weitere Untersuchungen erforderlich machten.

Auch Tunesien verzeichnete in der Nacht zum Samstag ein erneutes Bootsunglück. Das Boot sank in der Nähe der Stadt Gabes, 13 Menschen konnten hier gerettet werden, während fünf am Sonntag weiter vermisst wurden. Alle Migranten an Bord stammten aus Tunesien.

Tunesien wichtiges Transitland

Sehr viele Menschen wagen derzeit von Tunesien aus in oft seeuntauglichen Booten die lebensgefährliche Mittelmeerüberfahrt nach Italien - der nordafrikanische Staat gilt inzwischen als wichtigstes Transitland für Migranten auf dem Weg nach Europa. Das tunesische Innenministerium zählte allein bis Ende Juli 900 Todesopfer, die bei Bootsunglücken in diesem Jahr vor der Küste des Landes starben. Im August kamen Dutzende Tote hinzu.

Hunderte weitere Menschen wagten am Wochenende die hochgefährliche Überfahrt: Fast 1000 Migranten erreichten von Samstag bis Sonntag die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Das Innenministerium in Rom zählte in diesem Jahr mehr als 96.300 Menschen, die auf Booten Italien erreichten.

Angesichts wiederholter Bootsunglücke im Mittelmeer mit toten Migranten sprach Papst Franziskus von «Schmerz und Scham». Seit Jahresbeginn seien bereits 2000 Männer, Frauen und Kinder bei dem Versuch, Europa zu erreichen, im Mittelmeer ums Leben gekommen, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag nach dem traditionellen Angelus-Gebet auf dem Petersplatz in Rom. Dies sei eine «offene Wunde für die Menschheit».

© dpa
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