Spaniens Geheimdienstchefin nach Bespitzelung entlassen

10.05.2022 In Spanien bringt «Catalangate» die Regierung von Pedro Sanchez immer mehr in Bedrängnis. Es geht um die digitale Überwachung katalanischer Separatisten.

Paz Esteban (rechts) war bislang Direktorin des spanischen Geheimdienstes CNI. © Alejandro Martínez Vélez/EUROPA PRESS/dpa

Die spanische Geheimdienstchefin Paz Esteban ist nach der Bespitzelung von Telefonen katalanischer Separatisten und von Regierungsmitgliedern entlassen worden. Das teilte Verteidigungsministerin Margarita Robles am Dienstag mit, die in der Affäre ebenfalls unter Druck steht.

Robles bemühte sich vor Journalisten jedoch, die Entlassung als einen «Austausch in international schwierigen Zeiten» an der Spitze des CNI darzustellen. Dieser werde künftig von der bisherigen Staatssekretärin im Verteidigungsministerium, Esperanza Casteleiro (65) geleitet, die seit fast 40 Jahren im CNI arbeite.

Kritik an Esteban vermied Robles auch auf mehrfache Nachfrage und erklärte nicht, warum die CNI-Chefin gehen musste. Katalanische Separatisten, auf deren Stimmen die Minderheitsregierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez angewiesen ist, hatten nicht nur die Entlassung Estebans, sondern auch von Robles gefordert.

Esteban hatte kürzlich eingeräumt, dass mindestens 18 Handys mit Hilfe der israelischen Spähsoftware Pegasus ausgehorcht worden waren. Die als Catalangate bezeichnete Affäre war durch einen Artikel im US-Magazin «The New Yorker» ins Rollen gekommen, in dem beschrieben wurde, wie die kanadische Forschungsgruppe Citizen Lab Hinweise auf die Überwachungssoftware in Dutzenden Telefonen katalanischer Separatisten gefunden habe. Der Hersteller NSO betont, die Software werde nur an Regierungsorganisationen verkauft.

Auch in Telefonen von Sánchez, Robles und Innenminister Fernando Grande-Marlaska wurden Hinweise auf Pegasus gefunden. Dies war erst nach etwa einem Jahr bemerkt worden, weshalb der CNI noch stärker unter Druck geriet. Medien spekulierten, hinter diesem Lauschangriff könne Marokko stecken.

© dpa

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