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Selenskyj bestätigt Einsatz von ATACMS-Raketen aus USA

Eindringlich bat der ukrainische Präsident die USA um die Lieferung von ATACMS-Raketen zur Verteidigung gegen die russischen Invasion. Washington zögerte, und schickte am Ende doch Raketen dieses Typs.
Wolodymyr Selenskyj
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigt die Lieferung und den ersten Einsatz amerikanischer ATACMS-Raketen. © Manu Fernandez/AP/dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Dienstagabend den Erhalt sowie den ersten Einsatz von amerikanischen ATACMS-Raketen bestätigt. Er dankte US-Präsident Joe Biden für die Unterstützung und bestätigte, dass die getroffenen Vereinbarungen umgesetzt würden.

«Sie werden sehr genau umgesetzt», sagte er in seiner abendlichen Videoansprache. «Die ATACMS haben sich bewährt.» Nach Berichten ukrainischer und amerikanischer Medien wurden die ATACMS am Morgen erstmals bei Angriffen auf zwei von den russischen Besatzern betriebene Flughäfen im Osten der Ukraine eingesetzt.

Kiew hatte das Waffensystem (englisch: Army Tactical Missile System) schon vor längerem angefordert. Bei den Angriffen gegen Flugplätze in der Nähe der Städte Luhansk und Berdjansk wurden am Dienstag nach ukrainischen Angaben neun Hubschrauber zerstört. Darüber hinaus seien Spezialtechnik, eine Abschussrampe der Flugabwehr und Waffenarsenale zerstört worden, teilten die Spezialkräfte der Armee in Kiew am Dienstag über Telegram mit. Start- und Landebahnen seien ebenfalls beschädigt worden.

Bedenken westlicher Partner

Die ATACMS-Raketen, die vom Boden aus gegen Ziele am Boden abgefeuert werden, haben nach Angaben des Rüstungskonzerns Lockheed Martin eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern und treffen sehr präzise. Wie die «New York Times» und die «Washington Post» am Dienstag unter Berufung auf US-Regierungsbeamte berichteten, handelt es sich bei den nun an Kiew gelieferten Raketen aber um gedrosselte Modelle.

Die ATACMS werden wegen ihrer relativ großen Reichweite oft mit den deutschen Taurus-Marschflugkörpern verglichen, welche Kiew ebenfalls anfordert. Die Taurus-Marschflugkörper sind für die Zerstörung von Bunkern und geschützten Gefechtsständen in bis zu 500 Kilometer Entfernung geeignet. Zu den Waffen mit einer möglichen Reichweite über Hunderte Kilometer zählen neben ATACMS und Taurus auch die Marschflugkörper Storm Shadow und Scalp, die Kiew aus Großbritannien und Frankreich bekommen hat.

Bei diesen Waffensystemen gibt es die Sorge, dass damit auch Ziele in Russland angegriffen werden könnten. Daher reagierten die USA und andere westliche Partner lange sehr zögerlich auf die Forderungen aus Kiew. Dieses Zögern könnte dafür sprechen, dass die USA nun eine Version mit geringerer Reichweite für die Ukraine bereitgestellt haben. Aus dem US-Verteidigungsministerium gab es dazu zunächst keine Angaben.

Selenskyj: ATACMS militärisch sehr wichtig

Kiew hatte diese Bedenken in den vergangenen Monaten stets zurückgewiesen. Präsident Selenskyj beteuerte, sein Land plane nicht, mit den Raketen Moskau oder andere Ziele auf russischem Boden anzugreifen. Er bezeichnete die ATACMS als militärisch sehr wichtig.

Im September war Selenskyj mit US-Präsident Biden im Weißen Haus in Washington zusammengekommen. Bei dem Besuch nahm der Ukrainer auch neue Zusagen für Militärhilfen entgegen. Ein öffentliches Bekenntnis zur Lieferung von ATACMS gab es damals zunächst nicht. Die US-Regierung soll Selenskyj die ATACMS schließlich versprochen haben, ohne dies öffentlich zu kommunizieren.

Die Ukraine verteidigt sich seit Ende Februar 2022 gegen den russischen Angriffskrieg. Die USA gelten als wichtigster Verbündeter der Ukraine im Abwehrkampf gegen die russische Invasion. Seit Kriegsbeginn haben die Vereinigten Staaten der Ukraine nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums militärische Ausrüstung im Umfang von rund 44 Milliarden Dollar (41,6 Milliarden Euro) zur Verfügung gestellt.

© dpa
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