Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

23.04.2022 Das russische Militär nennt erstmals konkrete Ziele des Kriegs in der Ukraine. Unterdessen will sich UN-Generalsekretär Guterres in Moskau um Frieden bemühen. Die Entwicklungen im Überblick.

Die russische Armee hat acht Wochen nach Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine ihre militärischen Ziele konkretisiert. Ein Befehlshaber der russischen Militärführung sagte der Agentur Interfax zufolge, dass Russland den kompletten Donbass und auch den Süden der Ukraine einnehmen wolle.

UN-Generalsekretär António Guterres reist nach Kremlangaben am kommenden Dienstag nach Moskau und wird dort vom russischen Präsidenten Wladimir Putin empfangen. Die UN sehen mehr Anzeichen von Kriegsverbrechen in der Ukraine. Satellitenaufnahmen wiesen in der Gegend um Mariupol auf ein mögliches Massengrab hin. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) warnte indes vor einer weiteren Eskalation des Krieges.

Der russische Befehlshaber Rustam Minnekajew erklärte, dass es Russland um einen Landweg zur Schwarzmeer-Halbinsel Krim gehe. Die Ukraine könnte mit einer russischen Einnahme des Südens jeglichen Zugang zu den Weltmeeren verlieren. Bisher hatte sich niemand aus der Militärführung so konkret zu den Zielen des Krieges geäußert. Kremlsprecher Dmitri Peskow wollte eine Frage zur «Ausweitung der Operation» nicht kommentieren.

Moskau bestätigt neue Gespräche mit Kiew

Russland und die Ukraine haben nach Angaben aus Moskau telefonisch längere Verhandlungen geführt. Der russische Verhandlungsführer Wladimir Medinski bestätigte in seinem Telegram-Kanal, dass er am Freitag mehrere längere Telefonate mit dem ukrainischen Chefunterhändler David Arachamija geführt habe. Zum Inhalt machte er aber keine Angaben.

Während der orthodoxen Osterfeiertage wird in der Ukraine weiter gekämpft. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hat Russland den Vorschlag einer Feuerpause über die Osterfeiertage abgelehnt. Orthodoxe Christen begehen Ostern in diesem Jahr am 24. April.

Scholz warnt vor Eskalation

In Deutschland hielt am Freitag die Debatte um weitere Waffenlieferungen an die Ukraine an. Bundeskanzler Scholz begründete seine zögerliche Haltung zu diesem Thema in einem Interview mit dem «Spiegel». «Es darf keinen Atomkrieg geben», sagte er. «Ich tue alles, um eine Eskalation zu verhindern, die zu einem dritten Weltkrieg führt.» Unterstützung kam vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron. «Wir haben die gleiche Strategie wie Kanzler Scholz: Wir helfen den Ukrainern auf maximale Weise. Aber sind sorgsam darauf bedacht, niemals Kriegspartei zu werden», sagte er.

Unionsfraktionschef Friedrich Merz verteidigte die Absicht von CDU/CSU, in der kommenden Woche im Parlament einen Antrag auf Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine einzubringen. Wenn die Bundesregierung nicht liefere, dann müsse das Parlament liefern.

Fluchtkorridor aus Mariupol geplant

Ukrainischen Angaben zufolge könnte am Samstag eine Evakuierung aus der stark zerstörten ukrainischen Hafenstadt Mariupol stattfinden. «Es besteht die Möglichkeit, dass wir in der Lage sein werden, einen humanitären Korridor aus Mariupol zu öffnen», teilte die Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk auf Facebook mit.

Wereschtschuk nannte als Sammelpunkt für 10.00 Uhr ein Einkaufszentrum im Norden der Stadt, das direkt an einer der Ausfahrtsstraßen liegt. Sie schrieb weiter, dass Fluchtkorridore aus der Stadt bereits mehrmals gescheitert seien und dass sie verstehe, wie schwer dies für die Menschen sei. «Sie und ich müssen es aber so oft versuchen, bis es klappt.» Konkrete Details wolle sie am Samstagmorgen mitteilen.

Zur Situation verbliebener ukrainischer Kämpfer und Zivilisten aus dem belagerten Stahlwerk Asovstal gab es widersprüchliche Berichte. Die russische Agentur Tass schrieb am Freitagabend unter Berufung auf Angaben der «Volksmiliz» der Separatisten in der Region Donezk, dass keine ukrainischen Kämpfer einen «humanitären Korridor» genutzt hätten, um sich zu ergeben oder Zivilisten zu evakuieren. Von Kiew gab es davor am Freitag den Vorwurf, dass russische Truppen Zivilisten am Verlassen des Stahlwerks hinderten. Russland hatte Mariupol trotz ukrainischen Widerstands um das Stahlwerk Azovstal diese Woche für komplett erobert erklärt.

Satellitenfotos: Mögliches Massengrab

Unweit der von russischen Truppen belagerten südostukrainischen Hafenstadt Mariupol deuten Satellitenbilder auf ein mögliches weiteres Massengrab hin. «Dieses Mal im linksufrigen Stadtbezirk beim Friedhof von Wynohradne», teilte der Stadtratsabgeordnete Petro Andrjuschtschenko im Nachrichtendienst Telegram mit. Die Besatzungskräfte würden so versuchen, Kriegsverbrechen zu verschleiern. Die vom US-Satellitenfotodienst Maxar verbreiteten Aufnahmen aus dem Zeitraum vom 22. März bis 15. April sollen einen Friedhof bei Wynohradne vor, während und nach einer Erweiterung der Gräber zeigen.

Wynohradne befindet sich am Ostrand der Hafenstadt am Asowschen Meer. Am Vortag hatten ukrainische Behördenvertreter, gestützt auf Satellitenbilder, bereits ein mögliches Massengrab in Manhusch circa 15 Kilometer westlich des Stadtrands vermutet.

Ukraine: Seit Kriegsbeginn 1200 Menschen aus Trümmern befreit

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine vor zwei Monaten haben ukrainische Rettungskräfte mehr als 1200 unter Trümmern verschüttete Zivilisten befreit. Das teilte der ukrainische Innenminister Denys Monastyrskyj in einer auf Facebook veröffentlichten Videobotschaft mit.

Zudem seien mehr als 70.000 Einheiten verschiedener Arten von Munition oder Sprengsätzen unschädlich gemacht worden, darunter 2000 Fliegerbomben, sagte Monastyrskij weiter. Rund 12.000 Hektar Land seien auf Sprengfallen abgesucht worden.

London: Änderung russischer Taktik dürfte dauern

Eine Ankündigung des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu, «neue Methoden der Kriegsführung» einzusetzen, ist nach britischer Einschätzung ein stillschweigendes Eingeständnis, dass Russland in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht vorankommt wie geplant. Dennoch werde es eine Weile dauern, Taktiken, Techniken und Vorgehensweisen anzupassen und mit verbesserter Wirkung für den Einsatz umzusetzen, teilte das britische Verteidigungsministerium unter Berufung auf Geheimdienstinformationen mit. Das gelte besonders für den landbasierten Manöverkrieg.

In der Zwischenzeit rechnet London damit, dass Russland zunächst weiter auf eine Bombardierung setzt, um den ukrainischen Widerstand gegen die russischen Truppen zu unterdrücken. In der Folge sei Frustration darüber, dass sie die ukrainische Verteidigung nicht rasch bezwingen könnten, wahrscheinlich.

Selenskyj ruft zu Widerstand auf

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Bürgerinnen und Bürger seines Landes zum Widerstand aufgerufen. «Jeder muss sich bei jeder Gelegenheit gegen die Besetzung wehren», sagte Selenskyj in seiner allabendlichen Videobotschaft. Die Menschen sollten nicht mit den Russen kooperieren. Jene, die in von russischen Einheiten kontrollierten Gebieten lebten, sollten diesen «so viele Probleme wie möglich machen.»

«Moskwa»: Russland nennt Opferzahl

Eine Woche nach dem Untergang des Kriegsschiffs «Moskwa» hat die russische Führung ein Todesopfer eingeräumt, 27 Matrosen würden vermisst. «Im Kampf um das Überleben des Schiffs ist ein Soldat ums Leben gekommen, weitere 27 Besatzungsmitglieder sind verschollen», teilte das Verteidigungsministerium laut der Nachrichtenagentur Interfax mit. «Die übrigen 396 Crewmitglieder haben andere Schiffe, die in dem Sektor des Schwarzen Meeres waren, vom Kreuzer evakuiert und nach Sewastopol gebracht», hieß es weiter. Über die Anzahl der Verletzten gibt es keine Angaben.

In früheren Berichten war die Besatzungsstärke mit etwa 500 Mann angegeben worden. Kremlkritische Medien hatten zudem nach Gesprächen mit Angehörigen über eine deutlich größere Anzahl an Toten und Vermissten gesprochen.

Bundesbank: Wirtschaft könnte schrumpfen

Eine Eskalation des Konflikts mit Moskau mit einem vollständigen Einfuhrstopp russischer Energie könnte die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nach Modellrechnungen der Bundesbank in eine Rezession stürzen. «Im verschärften Krisenszenario würde das reale Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr gegenüber dem Jahr 2021 um knapp 2 Prozent zurückgehen», hieß es in einem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht der Notenbank.

© dpa

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