Estland will Pipeline-Unterwasserüberwachung durch Nato

Die Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines lassen die Sorgen vor weiteren Angriffen auf Untersee-Infrastruktur wachsen. Estland will deshalb eine Überwachung von Leitungen durch die Nato.
Eine deutsche Korvette bei einem Nato-Manöver auf der Ostsee im Juni. © Marcus Brandt/dpa

Nach dem Anschlag auf die Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 in der Ostsee fordert der estnische Verteidigungsminister Hanno Pevkur eine gemeinsame Unterwasserüberwachung der Nato und einen besseren Informationsaustausch. «Die Nato betreibt seit Jahren «air policing», also Luftraumüberwachung, über der Ostsee», sagte Pevkur der Wochenzeitung «Die Zeit». «Wir sollten jetzt auch über «sub policing» nachdenken, also Unterwasserüberwachung.»

Während die Luft- und Landaufklärung der Nato bereits gut sei, habe das Verteidigungsbündnis zu wenige Informationen über die Meere - vor allem in der Tiefe. «Was die Meere angeht, wissen wir nur, was sich an der Oberfläche tut. Darunter wird’s schwierig», meinte Pevkur. Die Nato-Aspiranten Finnland und Schweden hätten gute Aufklärungssysteme, und er hoffe, dass die beiden Länder diese Informationen in Zukunft stärker mit der Nato teilen würden. Auch Deutschland sieht der estnische Verteidigungsminister in der Pflicht.

Pevkur äußerte sich in der Zeitung auch zu der Frage, wer für die Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines verantwortlich sein könnte: «Wir müssen natürlich noch die Ermittlungen abwarten, wir haben noch keine Beweise. Aber der einzige Staat, der ein Interesse an dieser Sabotage hat, ist Russland.»

In der vergangenen Woche waren nach Angaben von Behörden insgesamt vier Unterwasser-Lecks an den beiden Pipelines festgestellt worden, aus denen tagelang enorme Mengen an Gas austraten. Die Lecks befinden sich in der Nähe der Ostsee-Insel Bornholm teils in dänischen, teils in schwedischen Gewässern. Mindestens zwei Explosionen hätten sich demnach unter Wasser ereignet. Die EU und die Nato gehen dabei von Sabotage aus. Der Kreml hatte Spekulationen über eine russische Beteiligung als «dumm und absurd» zurückgewiesen.

© dpa
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